K. Krainer & H. Mostler
Die Lias-Beckenentwicklung der Unkener Synklinale (Nördliche Kalkalpen, Salzburg) unter besonderer Berücksichtigung der Scheibelberg Formation

GPM 22, p. 1-41

Zusammenfassung:
Im Bereich der Unkener Synklinale (Nördliche Kalkalpen, Tirolikum) ist der Lias in einer außergewöhnlich geringmächtigen Beckenfazies entwickelt. Die nur rund 30 m mächtige Abfolge umfaßt Kendlbach Formation, Scheibelberg Formation, Saubach Formation mit eingeschalteten Bitumenmergeln und Adneter Schichten. Im Gegensatz zu benachbarten Jurabecken wurde jenes der Unkener Synklinale bereits in der Obertrias als Intraplattformbecken angelegt und nicht durch liassische Tektonik herausgeformt. Im Lias kam es lediglich zu einer weiteren Absenkung des Kössener Beckens um wenige 100 m, im gleichen Ausmaß wurde auch die südlich angrenzende Karbonatplattform der Steinplatte abgesenkt. Aus dem Kössener Becken hat sich dadurch ein etwas tieferes Lias-Becken entwickelt, aus der Karbonatplattform eine Tiefschwelle mit stark kondensierten liassischen Rotkalken. Das Unkener Becken war im Lias aufgrund der geringen Subsidenzrate auch durch extrem geringe Sedimentationsraten gekennzeichnet, Debrite und Breccien fehlen. Eingehend untersucht wurde die Scheibelberg Formation, für die ein neues Typusprofil vorgeschlagen wird. Die Scheibelberg Formation setzt sich aus grauen, dünn gebankten hornsteinführenden Knollenkalken zusammen, die reichlich Radiolarien und Kieselspicula enthalten. Aus dem unlöslichen Rückstand konnte eine hochdiverse Holothurienfauna gewonnen werden, die viele Arten enthält, von denen bislang angenommen wurde, daß sie bereits in der Obertrias ausgestorben sind. Diese wanderten jedoch aus einem bislang unbekannten Rückzugsgebiet im Laufe des Sinemur und Pliensbach in das Unkener Becken ein, wo sie analoge Lebensbedingungen wie in der norischen Hallstätter Fazies vorfanden. Es dominieren Formen des tieferen Wassers, v. a Vertreter der Gattungen Praeeuphronides, Tetravirga, Biacumina, Uniramosa und Kristanella. Insgesamt konnten aus der Scheibelberg Formation 6 Familien mit 23 Gattungen und 56 Arten, darunter eine neue Gattung und 15 neue Arten, nachgewiesen werden.

Abstract:
In the Unken Syncline of the Northern Calcareous Alps in western Salzburg (Austria) an exceptional thin basin facies (Unken basin) developed during the Liassic. The only 30 m thick basin succession is composed of Kendlbach Fm., Scheibelberg Fm., Saubach Fm. with intercalated oil shales (Bitumenmergel) and Adnet Formation. In contrast to nearby Jurassic basins the Unken basin developed already during Late Triassic as an intraplatform basin, and was not formed by tectonics during the Liassic. Subsidenece of the Kössen basin continued to water depths of a few hundred meters during the Liassic. The adjacent carbonate platform of the Steinplatte in the south of the Unken basin subsided for the same extent. From the Kössen basin a somewhat deeper basin, the Unken basin, evolved, and from the carbonate platform a seamount (Tiefschwelle) developed, on which condensed red limestones were deposited during the Liassic. Due to low rates of subsidence the Unken basin was characterized by extremely low rates of sedimentation. Breccias and other coarse-grained submarine mass flows are lacking. For the Scheibelberg Formation a new type section is proposed. The Scheibelberg Formation consists of thin bedded, grey nodular cherty limestones which contain abundant radiolarians and siliceous spicules. From the insoluble residue a holothurian fauna of high diversity has been obtained, containing many species which have been believed to be extinct since the Upper Triassic. But these species immigrated from an unknown refuge during the Sinemurian and Pliensbachian into the Unken basin, where they found the same life conditions as in the Norian Hallstatt facies. Holothurian species of deeper water conditions predominate, especially those of the genera Praeeuphronides, Tetravirga, Biacumina, Uniramosa and Kristanella. The holothurian fauna consists of 6 families with 23 genera and 56 species, including 1 new genus and 15 new species, all described in the present paper.


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