G. Eisbacher & R. Brandner
Role of high-angle faults during heteroaxial contraction, Inntal thrust sheet, Northern Calcareous Alps, western Austria

GPM 20, p. 389-406

Zusammenfassung:
Während der oberkretazischen, zweiphasigen Einengung des sedimentären Schichtenstapels innerhalb des ostalpinen Akkretionskeiles werden die initialen Abscherhorizonte der Faltenüberschiebungen und die nachfolgenden heteroaxialen Krustenverkürzungen durch stratigraphisch vorgegebene Horizonte geringerer Scherfestigkeit und durch propagierende steilstehende Querstörungen kontrolliert. Die NW-gerichtete Überschiebung der Inntaldecke im Ausmaß von mindestens 20 km wurde sowohl von interner Verkürzung als auch von etwa 15-20 km weiten dextralen Seitenverschiebungen entlang NW-streichenden Transferstörungen begleitet. Die Segmentierung des Deckenkörpers durch die steilstehenden Transferstörungen führte zu einem signifikanten Relief der mit variabler Vergenz gelagerten Schichtstapel, das die synorogene klastische Sedimentation innerhalb der oberkretazischen Gosaubecken nach sich zog. Einer der Autoren (R.B.) sieht zudem in orogenparallel verlaufenden Abschiebungsstrukturen, die von Scarp-Breccien begleitet werden, einen Hinweis auf eine distensive Gosaubeckenbildung. Die ursprünglichen Transferstörungen werden in der obersten Kreide und im Paläogen durch eine NNE-SSW-orientierte Krustenverkürzung von ca. 10 km als steile Aufschiebungen reaktiviert. Ein neues Set von sinistralen, NE-streichenden Blattverschiebungen setzt sich von der Liegendscholle in den frontalen Bereich der Inntal-Hangendscholle fort. Das Abtauchen der präexisitierenden Faltenstrukturen wird dadurch verstärkt, und es entstehen neue Sets von Falten mit abtauchenden Faltenachsen innerhalb der mit Störungen begrenzten Schichtstapel. Steilstehende Querstörungen spielten daher sowohl bei der polyphasen Krustenverkürzung der Nördlichen Kalkalpen, als auch bei den Krustendehnungen eine wesentliche Rolle.

Abstract:
During Late Cretaceous/two-stage contraction of sedimentary strata within the Austroalpine accretionary wedge initial fold-thrust detachment and subsequent heteroaxial shortening were controlled by low-strength stratigraphic heterogeneities and by the propagation of transverse high-angle faults. For the Inntal thrust sheet of the Northern Calcareous Alps (NCA) about 20 km of NW-directed thrust movement was accompanied by internal shortening and by distributed dextral displacement along NW-striking transfer faults by about 15 to 20 km. Thrust sheet segmentation along high-angle transfer faults led to significant relief between stratal panels of variable vergence and accounts for local deposition in and patchy preservation of Upper Cretaceous syndeformational clastic basins. One of the authors (R.B.) interprets orogen-parallel striking normal faults with Upper Cretaceous scarp breccias as an indication of today's NW-SE extension of the early alpine nappe edifice. Superimposed NNE-SSW-oriented heteroaxial contraction in latest Cretaceous-Paleogene time by about 10 km reactivated initial transfer faults as high-angle reverse faults, with a new set of NE-striking high-angle sinistral faults propagating from the footwall into the frontal Inntal hangingwall. This increased the plunge of pre-existing folds and produced a new set of plunging folds within fault-bounded panels. High-angle faults thus accommodated polyphase shortening of the NCA-wedge and superimposed basins that formed along transverse zones with major structural relief.


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