F. Vavtar
Erzmikroskopische Untersuchungen an Silberpentlanditen der Cu-Fe-Erzparagenese von Axams (Stubaikristallin, Tirol, Österreich)

GPM 20, p. 313-334

Zusammenfassung:
Mit dem Silberpentlandit von Axams gelang der erstmalige Nachweis dieses Ag-Ni-Fe-Sulfides auch in einer ostalpinen Erzmineralisation. Er tritt intragranular im Kupferkies als akzessorischer Gemengteil einer hochtemperierten Cu-Fe-Erzparagenese im polymetamorph überprägten Stubaikristallin auf. Der Kupferkies der Erzparagenese belegt mit seiner Alpha-Beta-Umwandlungslamellierung und den Zinkblende-Entmischungen eine Bildungs- bzw. Umbildungstemperatur von mindestens 500oC. Der Silberpentlandit wird als Entmischung < 455oC aus einem ehemals kubischen, Ag-Ni-hältigen Cu-Fe-Zn-Mischkristall interpretiert. Produkte der beginnenden Verwitterung von Silberpentlandit sind Bravoit und/oder Violarit sowie ein ? Sulfid der sogenannten "Silberkies"-Gruppe. Die Ag-Gehalte der Silberpentlandite variieren zwischen 10.9 und 13.0 (Mittelwert: 11.6) Gew.%. Die Fe-Gehalte liegen zwischen 33.8 und 36.5 (Mittelwert: 35.4) Gew.%, die Ni-Gehalte schwanken zwischen 18.6 und 20.8 (Mittelwert: 19.5) Gew.%. Weiters wurden Cu-Gehalte von 1.0 bis 2.1 (Mittelwert: 1.5) Gew.% und Co-Gehalte von 0.0 bis 0.7 (Mittelwert: 0.3) Gew.% nachgewiesen. Die S-Gehalte liegen zwischen 31.2 und 33.3 (Mittelwert: 32.5) Gew%. Die durchschnittliche Zusammensetzung der Silberpentlandite kann mit der Formel Ag0.84(Fe,Ni,Cu,Co)7.85S8 ausgedrückt werden. Die farbmetrische Auswertung der spektralen Dispersionskurven dreier Silberpentlanditkörner ergibt mittlere Normfarbwerte von x = 0.341 und y = 0.343, einen mittleren Hellbezugswert Y = 30.9%, eine mittlere Farbintensität Pe = 15.5% und eine mittlere farbtongleiche Wellenlänge ld = 579.5 nm. Die Korrelation farbmetrischer und mineralchemischer Daten zeigt, daß die Farbwerte nicht so sehr vom Gehalt der Ag-Atome, die sich auf oktaedrisch koordinierten Gitterplätzen der Silberpentlanditstruktur befinden, bestimmt werden, sondern vielmehr durch den Gehalt von (Fe,Ni)-Atomen auf den tetraedrisch koordinierten Gitterplätzen und vom Cu-Gehalt pro Formeleinheit beeinflußt werden. Es ergeben sich signifikante Zusammenhänge zwischen dem Hellbezugswert Y% und Cu pfu bzw. zwischen der Farbsättigung Pe% und (Fe,Ni) pfu. Stöchiometrischer Silberpentlandit ohne Cu pfu besitzt einen Helligkeitseindruck von Y = 28.8%. Einem um 1% höheren Hellbezugswert entspricht ein um 0.100 ±.015 höherer Cu-Gehalt. Stöchiometrischer Silberpentlandit mit 8 (Fe,Ni)-Atomen pfu besitzt eine Farbsättigung von Pe = 18.0%. Einer um 1% niedrigeren Farbsättigung entspricht ein um 0.19±0.03 niedrigerer (Ni,Fe)-Gehalt.

Abstract:
The argentopentlandite from Axams is the first report of this Ag-Ni-Fe sulphide in an Eastern Alpine ore mineralization. It is intragranular in chalkopyrite as an accessory component in a high temperature Cu-Fe ore paragenesis in the polymetamorphic Stubai crystalline. The chalcopyrite of these ore paragenesis, with its AlphaÐBeta-inversion twins and its star-shaped sphalerite exsolutions, points towards a minimum temperatur of formation or transformation from 500oC. Argentopentlandite is interpreted as an exsolution < 455oC from a former cubic Ag-Ni containing Cu-Fe-Zn solid solution. Alteration products of argentopentlandite in supergene environments are bravoite and/or violarite and a ? sulphide from the "Silberkies" group. The Ag-contents of the argentopentlandites vary between 10.9 and 13.0 (average: 11.6) wt.%. The Fe-contents lie between 33.8 and 36.5 (average: 35.4) wt.%, the Ni-contents alternate between 18.6 and 20.8 (average: 19.5) wt.%. In addition, Cu-contents from 1.0 to 2.1 (average: 1.5) wt.% and Co-contents from 0.0 to 0.7 (average: 0.3) wt.% were reported. The S-contents range from 31.2 to 33.3 (average: 32.5) wt%. The mean composition of the argentopentlandites can be expressed by the formula Ag0.84 (Fe,Ni,Cu,Co)7.85S8.


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