G. Frasl & A. Schindlmayr
Strukturell gut erhaltene 2-Magmen-Gänge sowie mafische Enklaven und Großkörper in den Zentralgneisen des Zillertal-Venediger-Kerns (westliches Tauernfenster / Tirol / Zillertaler Alpen)

GPM 20, p. 121-151

Zusammenfassung:
Im westlichen Tauernfenster treten innerhalb des über 60 km großen, überwiegend tonalitisch-granodioritischen, variszischen Zillertal-Venediger-Zentralgneiskerns (ZVK) auch beachtliche Mengen von verschiedenartigen mafischen bis ultramafischen, biotit- und/oder amphibolreichen Gesteinen auf. Im wesentlichen lassen sich drei Erscheinungsformen von mafischen Gesteinen unterscheiden: Einerseits gibt es die mafischen Anteile an den 2-Magmen-Gängen ("2M-Gänge" ­ entsprechend den "composite dikes" im Englischen, Kap. 2), andererseits weithin verteilte, bis wenige dm große, fein- bis kleinkörnige Einschlüsse mit meist dioritischer Zusammensetzung ("MME", "mafic microgranular enclaves", Kap. 3), und schließlich große, bis mehrere 100 m mächtige Einlagerungen von mittel- bis grobkörnigen Metadioriten, Metagabbros und Metahornblenditen (ãMetabasiteinlagerungen", Kap. 4). Alle diese verschiedenen Typen von mafischen Gesteinen sind endogener, magmatogener Natur und repräsentieren Reste basischer bis intermediärer Schmelzen, die sich jeweils mit den zum gleichen Pluton gehörigen, vorwiegend sauren Haupt- oder Teilschmelzen des ZVK in verschiedenem Ausmaß vermischt haben ("Magma-Mingling"). Trotz alpidischer, ± duktiler Deformation und amphibolitfazieller metamorpher Überprägung des ZVK blieben große, zumeist innere Teile des Plutonkörpers strukturell überraschend geschont, sodaß sich in dem gut aufgeschlossenen Hochgebirgsgebiet der Zillertaler Alpen ein günstiges Betätigungsfeld für das Studium von Interaktionen zwischen koexistierenden dunklen und hellen Magmen bot. Mingling-Prozesse zwischen unterschiedlich zusammengesetzten Schmelzen mit den entsprechenden Kontaktbildern - wie unter anderem Pillow-Bildungen - können besonders im Talschluß des Zemmgrundes zwischen Berliner Hütte und Zillertaler Hauptkamm vor allem an den 2M-Gängen verfolgt werden. Sowohl die kleinen MME als auch die großen Metabasiteinlagerungen erwiesen sich als sichtlich mit den 2M-Gängen genetisch verwandt, wobei deren schmelzflüssiger Ursprung auch durch petrographische Detailuntersuchungen (z.B. die Einmengung von Wirtsgesteins-Kristallen in die MME; Reliktstrukturen in Amphibolen der Metabasiteinlagerungen) belegt werden konnte. Unterschiede in der geologischen Erscheinungsform sowie bezüglich der mineralogischen Zusammensetzung und Korngröße der verschiedenen mafischen Bestandsmassen weisen darauf hin, daß basische bis intermediäre Schmelzen mehrfach, und zwar während ganz bestimmter Reife- und Erstarrungsstadien des tonalitisch-granodioritischen Hauptgesteins an der magmatischen Entwicklung des Plutons beteiligt waren. Das Ausmaß der Interaktionen zwischen den etwa gleich alten mafischen und hellen Magmen ist dabei sichtlich abhängig vom Verfestigungsgrad bzw. rheologischen Zustand des tonalitisch-granodioritischen Hauptgesteins zum Zeitpunkt der Intrusion des mafischen Magmas, aber auch vom lokalen Volumen sowie von der physikalischen und stofflichen Beschaffenheit der mafischen Intrusivmassen.

Abstract:
The late-Paleozoic Zillertal-Venediger pluton of the western Tauern window consists mainly of medium-grained tonalite and granodiorite lithology, but also contains remarkable volumes of mafic rocks. The whole pluton was exposed to the Alpine orogeny, but selected areas (e.g. south of the Berliner Hütte) show still well preserved primary contacts that allow to study genetic relationships between the mafic rocks and the granitoids. Three different forms of mafic rocks can be distinguished: (1) large elongated bodies (up to 2 km length) of medium- to coarse-grained metadiorites, -gabbros and -hornblendites within the tonalite-granidiorite, (2) fine-grained dioritic microgranular enclaves ("MME") in the tonalite-granodiorite host and (3) mafic portions in composite dikes that intrude the tonalite-granodiorite. All these mafic rocks represent injections of a basic to intermediate magma, which mingled and interacted to various degrees with the felsic magmas of the pluton. Mingling phenomena can be best studied in the composite dikes, where the mafic magmas locally form typical pillow-shaped bodies with lobate, crenellate contacts and chilled margins. In the MME, mineralogical features of host-rock-derived xenocrysts may be used to document host- and enclave-magma interactions. The different features of the mafic rocks suggest that injections of a basic magma occurred at several stages of the cristallisation of the tonalite-granodiorite pluton. However, different mingling-phenomena result from changing thermal and rheological relations between the felsic and the mafic magmas as well as from the local size of the mafic intrusives.


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