R. Ferreiro Mählmann & J. Morlok
Das Wettersteingebirge, Widerlager der allochthonen Inntaldecke und die Ötztalmasse, Motor tertiärer posthumer NW-Bewegungen im Mieminger Gebirge (Nordtirol, Österreich)

GPM 18, p. 1–34

Zusammenfassung:
Eigene tektonische, litho- und biostratigraphische Arbeiten zwischen Garmisch-Partenkirchen und dem Inntal haben zusammen mit den modernen Kenntnissen zur Diagenese und Anchimetamorphose der Arbeitsgruppe KRUMM (Universität Frankfurt am Main) zu einem neuen tektogenetischen Modell beigetragen. Hierbei spielt die frühe Heraushebung des Wettersteinmassives die entscheidende Rolle, da sie schon in der Kreide die Digitation der Inntaldecke verursachte und im westlichen Gaistal das Vordringen dieser Einheit nach N oder WNW abbremste. Es wird versucht, Strukturen, die durch Stauchung und Deckentektonik in der Kreide entstanden, von solchen zu trennen, die im Tertär den Deckenstapel überprägten. Ein besonderer Schwerpunkt behandelt die Argumente zugunsten der Deckentektonik und die Begrenzung der Inntal- und Lechtaldecke im Gaistal und in der Puitentalzone. Hierbei haben die Untersuchungen zur transportierten Anchimetamorphose von Herrn Dr. R. PETSCHICK die Ergebnisse untermauert. Des weiteren wird die Rolle der Aufschiebung auf die Kalkalpen durch die Ötztaldecke für die Abläufe der tertiären Bewegungsmechanismen im Mieminger Gebirge dargestellt, vor allem der Schollenrotation und Blattverschiebungen. Die Kristallindecke des Ötztales wirkt als Indenter, während die Wettersteinmasse als Widerlager den Druck abfängt und der Spannungsausgleich an gebogenen sinistralen Blattverschiebungen und SSW-NNE- und SSE-NNW-Brüchen transpressiv erfolgt.

Abstract:
A new tectonic model of the area between Garmisch-Partenkirchen and the Inn Valley has been established combining our own tectonic, litho- and biostratigraphic work with new knowledge of diagenesis and anchimetamorphism from the group of workers of KRUMM (University of Frankfurt/Main). The early uplift of the Wetterstein Unit in the Cretaceous caused a digitation of the Inntal Nappe. It also stopped a further displacement toward the N or WNW of the thrust sheet in the western Gaistal. We distinguish structures, which were formed in the Cretaceous by décollement and compression from those overprinting the tectonic wedge in the Late Tertiary. Arguments in favour of the nappe tectonic theory and evidences for the boundary of the Inntal and Lechtal Nappes in the W Gaistal and the border zone of the Puitental were of particular interest. Studies of Dr. R. PETSCHICK regarding transported anchimetamorphism gave important data to support our model. Furtherly, the importance of Tertiary movement mechanisms (mainly block rotation and strike-slip faulting) in the Mieminger Mountain Range is modelled by the overthrusting of the Ötztal Nappe onto the Northern Calcareous Alps. The crystalline basement of the Ötztal Nappe is considered as indenter whereas the.Wetterstein Massif as abutment absorbs the pressure. At anti-clockwise SE-NW curved strike-slip faults and SSW-NNE and SSE-NNW faults a stress compensation is proved.


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