V. Stingl
Die Häringer Schichten vom Nordrand des Unterinntaler Tertiär-Beckens (Angerberg. Tirol): Fazies, Sedimentpetrographie und beckengenetische Aspekte

GPM 17, p. 31-38

Zusammenfassung:
Das Vorkommen von Bitumenmergeln und Breccien der Häringer Schichten (Unteroligozän) am Nordrand des Unterinntaler Tertiär-Beckens beim Gehöft Schindler zeigt deutlich einen durch Lateraltektonik gestörten Muldenbau. Die Faziesanalyse an 2 Profilen läßt das Verzahnen von lakustrinen und alluvialen Sedimenten erkennen, sodaß eine Interpretation als fan delta gerechtfertigt ist. Auf Grund der Sedimentpetrographie kommt nur ein kleinräumiges, kalkalpines Liefergebiet in Frage, eine bisher postulierte Beteiligung von kristallinem Material (SCHNABEL & DRAX-LER, 1976) ist auszuschließen.
Fazielle und sedimentpetrographische Argumente deuten daraufhin, daß hier der ursprüngliche Nordrand des Beckensvorlag und das Unterinntaler Tertiär nicht als nachträglich eingesenkter Rest einer weiträumigen Molassebedeckung der Nördlichen Kalkalpen betrachtet werden kann.

Abstract:
The occurrence of Häring beds (Lower Oligocène) at the northern margin of the Unterinntal Tertiary basin (locality "Schindler") clearly displays a synclinal structure, modified by younger lateral movements. Facial analysis shows the interfingering of lacustrine and alluvial sediments, which allows the interpretation as fan delta sequence. Sedimentarypetrography points to a local, carbonate dominated source, a crystalline source can be ruled out. Based on facial and petrographical arguments, the position of this occurrence is interpreted as the primary northern marginof the basin. Therefore the Unterinntal Tertiary does not represent a post-depositionally downfaulted remnant of a widespread molasse cover of the Northern Calcareous Alps.


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