P. Niederbacher
Geologisch-tektonische Untersuchungen in den südöstlichen Lechtaler Alpen (Nördliche Kalkalpen, Tirol)

GPM 12, p. 123–154

Zusammenfassung:
Im Arbeitsgebiet (südöstliche Lechtaler Alpen, Tirol) war die Inntaldecke (Oberostalpin) das Ziel der Untersuchungen.
Sie zeigt im Nordteil (Hauptkörper der Inntaldecke) einen weitgespannten WSW-ENE-streichenden Croßfaltenbau. Von Norden nach Süden sind es die Muttekopfgosau-Sinnesbrunnmulde, der Gurgltalsattel und die Tschirgantnordmulde. Die Tschirgantstörung, eine südvergente Aufschiebung, markiert den zerscherten First des Tschirgantsattels, dessen Existenz nun bis zum Südfuß des Laggers gesichert erscheint. Daher läßt sich die Deutung dieser tektonischen Trennfläche als Deckengrenze nicht aufrecht erhalten.
Für den Bereich südlich der Tschirgantstörung bis zum Kalkalpensüdrand wird ein ursprünglich primärer Zusammenhang angenommen. Die gesamte Nord-Südabfolge bleibt dieselbe wie bei der heutigen tektonischen Anordnung.
Die parautochthone Entstehung der Larsennscholle und deren möglicher Zusammenhang mit der Tschirgantnordmulde werden diskutiert.
Auf der Basis der geologischen Karte und einer Vielzahl von tektonischen Daten konnte die hypothetische Unterkante des Hauptkörpers der Inntaldecke ermittelt werden. Die Konstruktion gibt die Größenordnung der Tiefenlage und großräumige Trends wieder.
Durch die Einlagerung von Gosausedimenten war es möglich, vor-, intra- und nachgosauische tektonische Bewegungen zu gliedern.

Summary:
The Upper Austroalpine Inntal thrust sheet in the southeastern Lechtal Alps (Tirol, Austria) is the object of this investigation.
The main part of the Inntal thrust sheet shows a large scale WSW-ENE striking fold system. From north to south: Muttekopfgosau-Sinnesbrunn syncline, Gurgltal anticline and northern Tschirgant syncline. The Tschirgant fault, a southerly directed fault, develops from the faulted hinge of the Tschirgant anticline. The existence of this anticline now seems to be proved
as far as the southern slope of the Laggers mountain. So it is not possible to interpret the Tschirgant fault as the tectonic border of two different thrust sheets.
Southerly of this area all tectonic units seem to be in their original relative paleogeographic order.
The parautochthonous origin of the Larsenn unit and its possible connection with the northern Tschirgant syncline are discussed.
Based on the geological map and a lot of structural data the hypothetical draught of the Inntal thrust sheet was determined. The reconstruction shows its dimension and regional trends.
From the superposition of Gosau sediments (Upper Cretaceous) on Hauptdolomit (Norian) it is possible to divide the tectonic movements into pre-, intra- and post-Gosau events.


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