M. Köhler
Baugeologische Untersuchungen im Räume Dalaas (Klostertal, Vorarlberg). 1. Teil: Regionalgeologische Ergebnisse

GPM 6, 9, p. 1–26

Zusammenfassung:
Für die baugeologische Prognose eines Straßentunnels, der im Zuge des Ausbaues der Arlberg-Schnellstraße S 16 nördlich von Dalaas errichtet wird, wurde auf der Grundlage bestehender geologischer Karten eine Neukartierung des Dalaaser Raumes durchgeführt.
Sie wurde deshalb notwendig, da eine geologische Analyse des engeren Tunnelbereiches allein nicht ausgereicht hatte, die auftauchenden Fragen zu klären. Obwohl die Kartierung immer im Hinblick auf eine baugeologische Aussage erfolgte, ergaben sich auch einige neue Aspekte in regionalgeologischer Hinsicht.
Der Tunnel verläuft in den Klostertaler Alpen nahe am Kontakt zur Silvrettamasse. Es konnte gezeigt werden, daß die südliche Davennaschuppe die Alfenz nach Norden überschreitet und längs einer markanten Störungsfläche am Klostertaler Sattel angrenzt. Diese Davennaschuppe besitzt inverse Lagerung, wobei das Kristallin mit deutlichem Südfallen auf den Kalkalpen liegt. Möglicherweise ist diese Schuppe noch in sich verfaltet.
Die Störungsfläche zwischen Davennaschuppe und Klostertaler Sattel ist wahrscheinlich die direkte Fortsetzung der bekannten Davennastörung.
Das von AMPFERER vermutete Vorkommen von Arosazone stellte sich an einer Stelle als Buntsandstein heraus. Der Faltenbau des Klostertaler Sattels konnte genauer erkannt werden, wobei die Verfaltung Richtung Norden abnimmt.
Auch im Gebiet westlich von Dalaas ergaben sich einige neue Kartierungsergebnisse. Störungen im Gebiet von Mason trennen Alpinen Muschelkalk von Partnach-Schichten des Klostertaler Sattels.
Der Alpine Muschelkalk könnte hier im stratigraphischen Verband zur Schichtfolge südlich der Alfenz stehen. Ob sich damit ein etwas engerer Zusammenhang zwischen Nördlicher Davennaschuppe und Klostertaler Sattel andeutet, kann nur vom Dalaaser Raum her nicht entschieden werden.
Das Verfolgen des Kalkalpensüdrandes bei Dalaas ergab die Vermutung, daß die Silvrettamasse zwischen Dalaas und St. Anton in nordwestlicher Richtung den Kalkalpensüdrand überfahren und niedergedrückt hat, wodurch die B-Achsen niedergebogen wurden. Die geologischen Verhältnisse ähneln somit jenen am Nordrand der Ötztaler Masse zwischen Telfs und Zirl.
Die Auswertung eines geologischen Stollenbandes des ca. 9 km langen Alfenzstollens, das teilweise noch von O. REITHOFER angelegt wurde, ergab wichtige baugeologische Hinweise auf die Schwierigkeiten bei Hohlraumbauten im Grenzbereich von Kristallin zu Kalkalpen. Der Alfenzstollen im südlichen Hang des Klostertales brachte einen durchgehenden Aufschluß von Kristallin über Buntsandstein zu Hauptdolomit.

Summary:
Using existing geologic maps, a new map was plotted of the Dalaas area for use in drawing up an engineering geologic forecast for a road tunnel to be built in the course of the construction of the Arlberg Expressway S 16 north of Dalaas. This new map was necessary, since a geologic analysis of the actual tunnel area alone would not have been sufficient to answer the questions raised. Although the map was made with a view to engineering geology, several new insights into the regional geology were made.
The tunnel is located in the Klostertal Alps nearly touching the Silvretta mass. It was shown, that the southern Davenna wedge crosses the Alfenz to the north and borders on a marked fault in the Klostertal anticlinale. This Davenna wedge lies inversely, whereby the crystalline lies on the Northern Calcareous Alps with an obvious southern inclination. This wedge could possibly still be folded inside itself.
The fault between the Davenna wedge and the Klostertal anticlinale is probably the direct continuation of the known Davenna fault.
The occurrence of Arosa zone presumed by AMPFERER proved to be Buntsandstein in one place. The folding of the Klostertal anticlinale was more exactly recognizable, whereby the folding diminishes to the north.
In the area west of Dalaas the map-plotting also had some new results. Faults in the Mason area separate Alpine Muschelkalk from partnach schists of the Klostertal anticlinale.
The Alpine Muschelkalk here could be stratigraphically connected to the strata sequence south of the Alfenz.
From the Dalaas area alone it cannot be determined wether or not a somewhat closer connection between the northern Davenna wedge and the Klostertal anticlinale ist indicated.
After following the southern edge of the Northern Calcareous Alps near Dalaas, it was presumed that the Silvretta mass between Dalaas and St. Anton had crossed the southern edge of the Northern
Calcareous Alps, whereby the B-axes were bent downward. The geologic relationships are therefore similar to those on the northern edge of the Ötztal mass between Telfs and Zirl.
The evaluation of geologic records from the approximately 9 km long Alfenz tunnel, which was partially performed by O. REITHOFER, provided important engineering geologic information on the problems of tunnelling on the borderline from crystalline to Northern Calcareous Alps. The Alfenz tunnel in the south slope of the Kloster valley provided a continous description of the geologic conditions from crystalline to Buntsandstein to Hauptdolomit.


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