H. Mostler & R. Roßner
Stratigraphisch-fazielle und tektonische Betrachtungen zu Aufschlüssen in skyth-anisischen Grenzschichten im Bereich der Annaberger Senke(Salzburg, Österreich)

GPM 6, 2, p. 1–44

Zusammenfassung:
Nicht nur der Hangendabschnitt der vorwiegend kalkig entwickelten Werfener Schichten in der Lammerschlucht ist oberskythischen Alters, sondern auch die basalen Gutensteiner Schichten sind aufgrund von Conodontenfunden in das Skyth zu stellen. Die zeitliche Einstufung wurde mit Ammoniten, Lamellibranchiaten, Foraminiferen, Crinoiden, Ophiuren und Conodonten vorgenommen.
Die Sedimente der oberen Werfener Schichten sind nach unseren mikrofaziellen Untersuchungen Ablagerungen des flachen Subtidals. Hinweise auf Gezeitensedimente konnten keine gefunden werden. Während sich in den Ostalpen zur oberskythischen Zeit von Westen nach Osten ein allmählicher Übergang vom Festlandbereich (Buntsandsteinfazies) über einen Gezeitenbereich (Servino) zu einem flachen Schelfmeer (obere Werfener Schichten bzw. Campiller Schichten) vollzog, ist in den Dinariden und Helleniden das Werfener Schelfmeer abrupt von Tiefwassersedimenten abgelöst. Subparallel verlaufende Grabensysteme, die zur skythischen Zeit angelegt wurden, wie z.B. der Siretgraben oder das Bükk-Apusener Grabensytem bzw. kleinere Gräben in Westserbien, sind Zeugen für die beginnende Zerlegung und Zerbrechung des über Mittel- und Osteuropa nach Kleinasien reichenden Schelfmeeres. Durch die Anlage der Gräben entstanden Wasserstraßen, die ein Eindringen hochmariner Faunen bis tief in den Schelfbereich möglich machten, ohne jedoch zu einem Austausch mit der Flachwasserfauna zu führen. Die Zerbrechung des Werfener Schelfbereiches in den Ostalpen setzt erst mit dem Anis (Pelson) ein.
Die tektonische Analyse der Annaberger Senke führte zu folgenden Feststellungen. Der Schuppenbau, als auch die Anlage der flachen Schieferung, die gut zur flachen Schuppenbildung paßt, ist vorgosauisch abgelaufen. Die SW-NE-Einengung der Lammermasse, möglicherweise durch den Nachschub des Tennengebirgsmassivs verursacht, ist als ein nachgosauisches Ereignis zu betrachten, aber auf jeden Fall älter als die SE-vergente schwache Einengung. Die darauffolgende Bruchtektonik geht auf eine in verschiedene Richtungen ablaufende Zerrung zurück.
Abschließend wird die ortsgebundene Stellung der Lammermasse und ihrer angrenzenden Gebiete diskutiert.

Summary:
Limestones are predominating in the "Lammerschlucht" Upper Werfen formation. The Upper Werfen formation and the lowest part of Gutenstein limestones date back to the Upper Skythian. This could be determined with the help of ammonites, pelecypods, foraminifera, crinoids, ophiuroids and conodonts. According to our microfacial analyses the sediments of the Upper Werfen formation originated in the shallow subtidal. No signs of intertidal sediments could be found.
Three facies regions existed in the Eastern Alps during the Upper Skythian. Going west to east they are: an arid alluvial plain (Buntsandstein facies) followed by a small belt of a coastal silty mud plain (Servino facies) and then the area of a shallow subtidal sea (Campill facies).
In the Dinarides and Hellenides subtidal sediments of the Werfen formation are suddendly separated by deep water sediments. In the Upper Skythian systems of subparallel graben began, e.g. the "Siretgraben" or the "Bükk-Apusener Graben". They give evidence to tectonic activity of the breakdown of a broad shelf area (Middle and Eastern Europe and Asia Minor). The graben systems yre like channels, in which pelagic fauna elements progress deeply into the shelf area. There the pelagic fauna does not mix with the fauna of the shallow shelf water.
The breakdown of the Werfen shelf area in the Eastern Alps starts in the Middle Anisian (Pelsonian).


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