H. Kozur & H. Mostler
Beiträge zur Erforschung der mesozoischen Radiolarien. Teil I: Revision der Oberfamilie Coccodiscacea HAECKEL 1862 emend, und Beschreibung ihrer triassischen Vertreter

GPM 2, 8/9, p. 1–60

Zusammenfassung:
Die Überfamilie Coccodiscacea HAECKEL 1862 wurde emendiert; zu ihr sind folgende Familien zu zählen: Coccodiscidae HAECKEL 1862, Astracturidae HAECKEL 1882, Heliodiscidae HAECKEL 1882, Saturnalidae DEFLANDRE 1953 und Veghicyclidae nov.fam. Die Saturnalidae und Veghicyclidae lassen sich von den Heliodiscidae herleiten; dies läßt sich an Übergangsformen sehr gut nachweisen.
Die Coccodiscidae wiederum sind von den Veghicyclidae abzuleiten, während die Astracturidae von Formen abstammen, die möglicherweise einer neuen Familie zuzuordnen sind (dazu zählen die Gattungen Diplactura HAECKEL 1882 emend. und Trigonactura
HAECKEL 1882 emend.). Die Beziehungen zwischen allen Familien der Coccodiscacea und der wichtigsten Gattungen werden im Detail aufgezeigt. Drei neue Familien bzw. Subfamilien sowie 16 neue Gattungen bzw. Untergattungen und 43 neue Arten werden beschrieben.
Im allgemeinen soll noch festgehalten werden, daß eine Aufgliederung von Spumellaria mit spongiöser und solcher mit gegitterter Schale nicht möglich ist und damit diesem Schalenmerkmal keine supragenerische Bedeutung zukommt. Es konnte nämlich aufgezeigt werden, daß alle Übergänge vom spongiösen zum gegitterten Schalenbau innerhalb einer Familie, Gattung, ja sogar innerhalb einer Art möglich sind. Es ist daher ganz unhaltbar, die Gattungen Spongosaturnalis und Saturnalis zwei verschiedenen Überfamilien zuzuordnen, wie dies PESSAGNO 1971 vorschlägt.
Sehr viele, vielleicht auch alle Markschalen, wurden später als die Außenschalen gebildet. Daher scheint es, daß Formen ohne, mit einer oder zwei Markschalen nichts anderes als verschiedene ontogenetische Stadien darstellen, zumal alle anderen charakteristischen Merkmale übereinstimmen. Dies hätte allerdings zur Folge, daß ein Großteil der etwa 1200 bisher bekannt gewordenen Gattungen der Radiolarien Synonyma sind.
Unsere erst am Anfang stehenden Untersuchungen haben bereits gezeigt, daß die Radiolarien innerhalb der Trias auch stratigraphisch verwertbar sind. Man kann grob gesehen Faunen des höheren Anis von solchen des höheren Ladins abtrennen; sehr gut abtrennbar wiederum sind unterkarnische Radiolarien von solchen des Nor, aber auch die ersten rhätischen Radiolarien scheinen von den mittel- bis obernorischen Faunen abgrenzbar zu sein. Mit den etwa 600 Arten umfassenden Radiolarien der Trias und ihrem Massenauftreten ab dem höheren Anis, darf man nicht, wie es bisher geschehen ist, von einer Krisenzeit des erhaltungsfähigen Zooplanktons in der Trias sprechen, zumal neben den Radiolarien auch noch anderes Plankton, wie z.B. planktische Crinoiden, vertreten ist.

Summary:
The superfamily Coccodiscacea HAECKEL 1862 is emended. This superfamily encloses the families Coccodiscidae HAECKEL 1862, Astracturidae HAECKEL 1882, Heliodiscidae HAECKEL 1882, Saturnalidae DEFLANDRE 1953 and Veghicyclidae nov.fam. The Saturnalidae and Veghicyclidae derive from the Heliodiscidae. Transition forms are discussed. The Coccodiscidae derive from the Veghicyclidae and the Astracturidae probably derive from a group (? new family) that encloses the genera Diplactura HAECKEL 1882 emend. and Trigonactura HAECKEL 1882 emend. The relationships between all families of the Coccodiscacea and between the most important genera are discussed in detail. Three new families and subfamilies as well as 16 new genera and subgenera and 43 new species are described.
Spumellaria with spongy and lattice tests are joined by numerous transitions in a family, genus, and even in one specimen. Generally the differences between spongy and lattice tests have no suprageneric rank. It is, for instance, impossible to put the genera Spongosaturnalis and Saturnalis in two superfamilies. Therefore it is impossible to use a superfamily Spongodiscacea that includes all Spumellaria with spongy tests as proposed by PESSAGNO 1971.
All or most of the medullary shells are formed later than the outer shells. Therefore specimens without, with one or with two medullary shells are theontogenetic stages of one species, if all other characteristics are the same. Therefore a great number of the 1200 hitherto known genera of the radiolaria are synonyms.
Partly the radiolarian fauna ist stratigraphically useful. The about 600 species of radiolarians and the enormous appearance in the triassic time shows that during this per iod the zooplankton did not pass through a crisis. Also other zooplankton is widespread in the triassic, as for instance pelagic crinoids in the higher middle- and lower upper-triassic.


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