Marianne Klemun
Karl von Ployer (1739–1812): Bergwesen (Erdwissenschaften), politisches Klima und "aufgeklärte" Öffentlichkeit
KARL von Ployer (1739–1812): Earth sciences, political climate and "enlightened" public

Geo.Alp Sonderband 1/Special volume 1, 2007, p. 81–90

Abstract
When going through the documents that are of importance as far as the work of Karl Ployer is concerned, we notice three phenomena which must not be seen independent of each other: earth sciences, the political climate of that time and the "enlightened" public.
Recent theories in the international history of science do not describe science, society (and politics, respectively) in the same way older research did, which is by means of lines of demarcation between the three areas. Even though the modern interpretations developed on the basis of experiences from the 20th century and a prospering post-modern society of knowledge, in the 18th century we can see also consistencies between the evolution of social and political contexts on the one hand and the intellectual cultures on the other hand, which emerged from common grounds. The research of Karl Ployer will be discussed on the basis of such consistencies or connecting lines.

Zusammenfassung
Bei der Durchsicht jener Archivalien, welche für die Darstellung der Bedeutung des Bleiberger Bergrichters und ab 1789 als Gubernialrat in Innsbruck wirkenden Beamten Karl Ployer heranzuziehen sind, fallen drei Phänomene auf, die sich zwar in den Quellen separiert manifestieren, die aber nicht unabhängig voneinander zu sehen sind: Bergwesen (bzw. Erdwissenschaften), politisches Klima und aufgeklärte Öffentlichkeit.
Neue Ansätze in der internationalen Wissenschaftsgeschichte beschreiben allgemein Wissenschaft und Gesellschaft (bzw. Politik) sowie Öffentlichkeit nicht mehr wie die ältere Forschung mit Hilfe von Demarkationslinien zwischen allen dreien. Auch wenn die modernen Deutungen aus der Erfahrung des 20. Jahrhunderts und der prosperierenden postmodernen Wissensgesellschaft heraus entwickelt wurden, lassen sich ebenfalls für das 18. Jahrhundert Kongruenzen zwischen der Evolution gesellschaftlich-politischer Kontexte und den intellektuellen Wissenskulturen nachweisen. Alle beruhten auf einer gemeinsamen Struktur und kreuzten sich in einem neuen Rahmen von Öffentlichkeit, dem die Protagonisten einen hohen Stellenwert zuschrieben. Solche Übereinstimmungen möchte ich in einzelnen konkreten Verbindungslinien in Karl Ployers Biographie, seiner erdwissenschaftlichen Forschung, seinem Bergwissen und seinem Wirken als Bergbeamter festmachen.

Folgende Gesichtspunkte werden diskutiert:

  1. Es interessiert zunächst der fast inflatorisch auftretende rhetorische Bezug auf "Innovation" anstatt "Tradition", wie er sich in Verwaltung, Bergwesen und Politik in der josefinischen Zeit artikuliert.

  2. Dann geht es darum, den Weg vom Publikationsverbot im Bergwesen zum Publikationsgebot zu verfolgen und dabei das Arkanum der Freimaurerei als Transferraum dieses Wandels zu diskutieren.

  3. Ferner ist Ployers Blick auf den historischen Bergbau unter der Signatur der josefinischen Toleranz zu erläutern.

  4. Zuletzt sind die Netzwerke zwischen Montanisten und Freimaurern zu berücksichtigen, um die oben postulierte Verbindung von Öffentlichkeit und Wissenschaft zu bestimmen.


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