Klaus Thalheim
Geowissenschaftliche Objekte in der Dresdner Kunstkammer

Geo.Alp 11, 2014, p. 259–274

Zusammenfassung
Minerale, Erze der Edelmetalle und Gesteine, aber auch Versteinerungen (Fossilien) waren in nahezu allen Kunstkammersammlungen des 16. und 17. Jahrhunderts vertreten. In der Dresdner Kunstkammer, die 1560 von Kurfürst August gegründet wurde, wurde die Mineralogie durch die Gesteinssammlung von Giovanni Maria Nosseni (1544-1620) repräsentiert. Neben einheimischen Gesteinen waren auch wenige Minerale vorhanden, wie aus den Inventaren der Jahre 1587 und 1595 hervorgeht. Die Präsentation dieser Sammlung war das Ergebnis der Prospektion nach Gesteinen und Mineralen für Architektur, Bildhauerei und Steinschleiferei. Sie diente zur Demonstration der heimischen Bodenschätze und ihrer Nutzbarkeit. Mit dieser Sammlung war gleichzeitig der Grundstein für die mineralogisch-geologischen Sammlungen in Dresden gelegt worden. Leider können die originalen Stücke der Nosseni-Sammlung nicht mehr in den Beständen des Museums für Mineralogie und Geologie Dresden nachgewiesen werden. In der Kunstkammer befanden sich auch zwei Meteorite, so der am 26. Juli 1581 gefallene „Donnerkeil“ von Niederreissen in Thüringen und der am 18. Februar 1647 gefallene „Donnerstein“ von Pöhlau bei Zwickau in Sachsen. Über den Meteoritenfall von Niederreissen geben der Prager Dobřenský-Kodex um das Jahr 1582, ein Bericht des an der Universität Jena tätigen Andreas Libavius aus dem Jahr 1599 sowie die „Neue vollkommene Thüringische Chronika“ von Johannes Binhard aus dem Jahre 1613 Auskunft. Beide Meteoritenfälle wurden 1819 vom Begründer der modernen Meteoritenkunde Ernst Florens Friedrich Chladni (1756-1824) in seinem Werk „Über Feuer-Meteore, und über die mit denselben herabgefallenen Massen“ zitiert. Die beiden historischen Meteorite müssen heute als verschollen gelten. In der Silberkammer, der Schatzkammer und an anderen Orten des Dresdner Schlosses wurden die Erzstufen und Handsteine verwahrt, deren Weg sich später bis in die Kunstkammer verfolgen lässt. Die aus Erzstücken zusammengesetzten Handsteine waren zum größten Teil mit biblischen Szenen oder Bergbaudarstellungen verziert. Andere waren aus Silbererz geschnitten, wie die Darstellung des Christus am Ölberg von Caspar Ulich. Schon bei den zusammengesetzten Erzstufen fanden sich Zettel oder Etiketten mit den Hinweisen auf die Erze sowie die Bergreviere und Gruben. In der Kunstkammer des Jahres 1640 waren Erzstufen der zur damaligen Zeit bekannten Metalle Gold, Silber, Quecksilber, Kupfer, Eisen, Zinn und Blei mit verschiedenen Erzmineralen dokumentiert. Hinzu kamen Kobalterze, welche für die Blaufarbenindustrie eine große Bedeutung besaßen. Im Bestand des Museums für Mineralogie und Geologie lassen sich noch drei Silberstufen nachweisen, die im Inventar der Kunstkammer von 1640 genannt sind. Es handelt sich um eine Stufe von dem berühmten Silberfund im Jahre 1477 auf der Grube St. Georg in Schneeberg, eine Chlorargyritstufe von Annaberg sowie das „Silberne Kreuz“ aus Schneeberg.

Abstract
Minerals, ores of precious metals and rocks, but also fossils were represented in nearly all art chamber collections of the 16th and 17th century. In the Dresden Art Chamber, which was founded in 1560 by Elector August, mineralogy was represented by the rock collection of Giovanni Maria Nosseni (1544-1620). Beside local rocks few minerals were present as is known from the inventories of the years 1587 and 1595. The presentation of this collection was the result of the prospection after rocks and minerals for architecture, sculpture and stone cutting. It served the demonstration of local mineral resources and their usability. At the same time this collection marked the foundation of the mineralogical and geological collections in Dresden. Unfortunately, the original specimens from the Nosseni collection cannot be evidenced in the collections of the Museum für Mineralogie und Geologie Dresden any more. Two meteorites, the “Donnerkeil” from Niederreissen in Thuringia fallen on July 26th, 1581, as well as the “Donnerstein” from Pöhlau near Zwickau in Saxony fallen on February 18th, 1647, were also part of the Art Chamber collection. The Prague Dobřenský codex from around 1582, a report by Andreas Libavius from the University of Jena from 1599 as well as the “Neue vollkommene Thüringische Chronika” by Johannes Binhard from 1613 provide information about the meteorite fall of Niederreissen. Both meteorite falls were cited in 1819 by the founder of meteoritics Ernst Florens Friedrich Chladni (1756-1824) in his work “Über Feuer-Meteore, und über die mit denselben herabgefallenen Massen”. Today both historical meteorites must be considered missing. In the silver chamber, the treasury and other places of the Dresden castle the ore specimens and “Handsteine” were kept which according to records made their way into the Art Chamber later. The “Handsteine” compound from ore specimens were for the most part decorated with biblical scenes or mining representations. Others were cut from silver ore, like the representation of Christ at the Mount of Olives by Caspar Ulich. Already with the compound ore specimens notes or labels with indications of the ores as well as the mining districts and mines were found. In the Art Chamber of 1640 ore specimens of the metals known at the time like gold, silver, mercury, copper, iron, tin and lead with different ore minerals were documented. Furthermore, there were cobalt ores, which were of great importance for the cobalt blue fabrication. In the collection of the Museum für Mineralogie und Geologie another three silver specimens, which are noted in the inventory of the Art Chamber of 1640, can be found. Namely a specimen of the famous silver finding in 1477 on the St Georg Mine in Schneeberg, a chlorargyrite specimen of Annaberg as well as the “Silver Cross” from Schneeberg in Saxony.


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