Lieselotte Jontes
Bergfrauen: Besucherinnen – Arbeiterinnen – Studentinnen

Geo.Alp 11, 2014, p. 169–180

Zusammenfassung
Die Verbindung von Bergbau und Frauen erscheint auf den ersten Blick befremdend, gibt es doch den überlieferten Aberglauben, dass Frauen Im Bergbau Unglück bringen. Die Schutzpatrone des Bergbaues waren aber meist weiblich, die Heiligen Anna, Elisabeth oder Barbara, doch ist ihre Rolle bei dieser Thematik im Bereich der Symbolik anzusiedeln. Bereits früh gibt es Bildquellen über die Arbeit der Frauen, die sich aber zumeist auf die vielfältigen Arbeiten in der Aufbereitung beschränkten. Zu einer typischen Frauenarbeit zählte auch das Tragen von Lasten, Frauen schafften Kohle oder Erze zu den Verhüttungsbetrieben oder Holz in die Salzsiedereien. In den österreichischen Kohlerevieren sah man Frauen beim Sammeln von Kohleresten auf den Halden, um diese dann im eigenen Haushalt zu verwenden oder auch zu verkaufen. Die Stellung der Frau als Bergarbeiterin wurde in Österreich erst mit dem Berggesetz von1854 geregelt, das Gesetz aus dem Jahre 1884 untersagte die Beschäftigung von Frauen untertage. In der österreichisch-ungarischen Monarchie arbeiteten im Jahre 1882 5933 Frauen im Bergbau, das waren 6,6%. Ausnahmen in diesem Arbeits- und Lebensbereich waren die Gewerkinnen, also Besitzerinnen von Gruben und Grubenanteilen, wie etwa Ludovica Zang, die im weststeirischen Kohlenrevier nach dem Tod ihres Mannes den Bergbau leitete. Zu den wenigen Ausnahmen von der Tabuisierung der Frauen im Bergwerk zählten die Besucherinnen. Schon 1681 fuhr die Gewerkensgattin Maria Elisabeth Stampfer in den Kupferbergbau Walchen bei Öblarn (Steiermark) ein, im 18. und 19. Jahrhundert setzte die Nachfrage nach Besuchen vor allem in den Salzbergwerken ein. Die Besucherinnen mussten sich entsprechend kleiden, den Bergkittel anlegen, auch bergmännische Kopfbedeckungen und ein Bergleder waren erforderlich, um Frauen als Besucherinnen in den Berg führen zu können. Im Bereich der Wissenschaft konnten Frauen erst spät im Bergbau Fuß fassen, da ihnen der Zugang zu den Universitäten und Hochschulen nicht möglich war. In der Montanistischen Hochschule Leoben war die erste Frau, die ihr Studium abschließen konnte, eine Bosnierin aus Prijedor, die Bergbau studierte und 1925 die Staatsprüfung ablegte und das Recht zur Führung des Titels „Ingenieur“ erlangte. Um ihr Studium zu absolvieren, waren Übungen und Exkursionen im Berg- und Markscheidwesen untertage erforderlich, auch das Thema der praktischen Prüfung war im Bergbaubereich zu sehen. Bis zum Zweiten Weltkrieg sind Frauen an der Montanistische Hochschule Leoben Ausnahmefälle, erst in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts kamen mehr Frauen zum Studieren in die Bergstadt Leoben.

Abstract
Looking for a connection between mining and women seems to be weird at the first sight, as it is common superstiqtion, that women in mining bring bad luck. But the patron saints for mining were women, Anna, Elisabeth or Barbara and their role in this context is only symbolical. There are early pictures showing women working in the field of mining, but their work was only in various fields of ore processing. A work typical for women was to carry loads. Women carried coal or ores to the furnaces or wood to the saltworks. In Austrian coal mines women collected coal in the pithead stocks, to use it in their own households or to sell it. In the Austrian Mining Act from 1856, the position of women in mining was regulated, an Act from the year 1884 forbade the underground mining of women. In the Austro-Hungarian Empire the mines had 5933 women workers, about 6,6 %. Exceptions in this field of working were the women owners of mines, for instance Ludovica Zang, who governed a coal mine in Western Styria after her husband’s death. Mine visitors were exceptions from the taboos for women in mines. As early as 1681 a mine owner’s wife went down into the copper mine in Walchen near Oeblarn (Styria). During the 18th and 19th century a greater demand for visiting mines, especially salt mines, took place. Women visitors had to dress accordingly, they had to wear the traditional miners’ dress, even a special hat and the mining leather butt flap (Bergleder). In science women came late to mining sciences, as studying in universities and colleges was not possible for women until the 20th century. In the Montanistische Hochschule Leoben (Mining College) the first woman to complete her mining studies was a woman from Prijedor in Bosnia, who made her state exam in 1925 and got the right to the academic title “engineer”. For her studies she had to practise underground, in mine surveying she also had to work in underground mines. Even her practical exam was in the field of underground mining. Until World War II, women at the Mining College in Leoben were exceptions, only in the eighties of the 20th century more women came to study in Leoben.mich der Anstoß, diesem Thema nachzugehen.


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