Lukas Schifferle, Matthias Krismer & Peter Tropper
Woher stammen die Kupfererze vom Fennhals (Kurtatsch, Südtirol)? Ein chemischer und mineralogischer Vergleich der Kupferschlacken mit ausgewählten Cu-führenden Erzvorkommen aus Sü̈dtirol und dem Trentino

Geo.Alp 11, 2014, p. 85–102

Zusammenfassung
Die metallurgischen Kupferschlacken vom Fennhals bestehen im Wesentlichen aus einer glasigen Matrix, sowie silikatischen Schlackenphasen, welche von der chemischen Zusammensetzung her Olivin und Klinopyroxen entsprechen. Nur selten sind nicht aufgeschmolzene Quarzbruchstücke vorhanden. In den Schlacken treten häufig Kupfersulfidphasen auf, welche chemisch u.a. den Mineralen Covellin, Chalkosin, Bornit, Digenit und Chalkopyrit entsprechen. Als Nebengemengteile treten Phasen mit einer Pyrrhotin-, Magnetit- und Hämatitzusammensetzung auf. In kleinen kugeligen Entmischungen mit maximal 300 μm Durchmesser finden sich zahlreiche Metalltropfen in den Schlacken. Es handelt sich dabei um intermetallische Verbindungen mit einer sehr heterogenen Zusammensetzung. Neben Kupfer als Hauptbestandteil enthalten diese Phasen die Elemente As, Ag, Zn, Pb, Sn, Fe, Sb, Bi, und Mo. In einzelnen Fällen sind auch die Elemente Bi, Ag, Sn oder Pb die Hauptbestandteile. Auffallend sind die, in allen Metalltropfen auftretenden, erhöhten Sn Konzentrationen, welche zwischen 0.1 und 2.0 Gew.% schwanken. Die durchschnittliche Konzentration beträgt dabei um 1.0 Gew.%. Eine Schlackenprobe zeigt deutlich höhere Sn-Konzentrationen in den Metalltropfen. Einige Analysen ergaben sogar Maximalwerte von bis zu 56.87 Gew.% Sn. Die chemische Charakteristik der Schlacken wurde mit zahlreichen Kupfererzvorkommen aus Südtirol und dem Trentino verglichen. Die erzmikroskopisch und chemisch analysierten Erzproben stammten aus Prettau im Ahrntal, vom Pfunderer Berg bei Klausen, aus Eyrs im Obervinschgau, vom Schneeberg in Ridnaun, vom Bergbau Bedovina bei Predazzo und aus St. Pankraz im Ultental. Zusätzlich wurden am nahen Nonsberg mögliche Erzvorkommen prospektiert. Bei den entdeckten Vorkommen am Nonsberg, die im Bereich zwischen Tuenetto, Priò und Vervò aufgefunden wurden, tritt nur Pyrit als einzige Erzphase auf. Die komplexe und variable chemische Zusammensetzung der Metalleinschlüsse in den Schlacken lässt auf ein polymetallisches Cu-Erzvorkommen mit einer lokal variablen Erzmineralparagenese schließen. Die in nur einer Probe auftretenden, sehr hohen Sn-Gehalte von bis zu 57 Gew.% weisen auf diesen Umstand besonders eindruckvoll hin. Eine eindeutige Zuordnung zu einem der untersuchten Vorkommen ist, basierend auf der bestehenden Datengrundlage, nicht möglich. Da in der weiteren Umgebung des Gebietes Fennberg auch keine Cu-Erzvorkommen lokalisiert werden konnten, ist noch immer unklar, weshalb der Standort Fennhals für den Verhüttungsplatz gewählt wurde.


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