Daniel Costantini & Hugo Ortner
Klüfte und Deformationsstrukturen in jungpleistozänen Beckensedimenten des Rißtales, Bayern

Geo.Alp 10, 2013, p. 5–26

Zusammenfassung
Das Untersuchungsgebiet befindet sich im bayrisch-tirolerischen Rißtal im nördlichen Karwendelgebirge. Es umfasst größtenteils quartäre Ablagerungen, wie Kiese, Sande und Schluffe, die entlang des Rißbaches aufgeschlossen sind. Die Prozesse, die zum heutigen Erscheinungsbild führten, fanden im Zuge der Würm-Vergletscherung statt. Insbesondere die neueren Untersuchungen lieferten den Beweis für die zeitweise Aufstauung des Rißbaches zu einem fjordähnlichen See und einer anschließenden Überfahrung durch den Gletscher. Kompaktierte Kies-Sand-Gemische mit geknackten Geröllen sind Zeugen dieser Deformationsprozesse. Massiger, toniger Schluff ist durch systematisches Auftreten von vertikalen und horizontalen Klüften charakterisiert. Eine Kartierung im Maßstab 1: 8000 sowie eine Analyse der Klüfte in Bezug auf konchoidale Oberflächenstrukturen wie Rippenmarken und radiale Streifung deutet vorwiegend auf die Anwesenheit von Extensionsklüften mit einer starken Prävalenz in Richtung W-E hin. Die Orientierungsanalyse der Klüfte zeigte sechs Kluftscharen, die je nach Messzone Extensions- und/ oder hybride Klüfte sind. Die meisten vertikalen Klüfte stehen mehr oder weniger normal zur jeweiligen Aufschlussoberfläche im gewundenen Bachbett des Rißbachs. Eine Überschneidungsmatrix zur relativen Altersbestimmung der Klüfte zeigt, dass diese Klüfte der ältesten Generation angehören. In einer genetischen Interpretation werden diese als Schrumpfungsrisse gesehen, die normal zu Aufschlussoberfläche orientiert sind. Jüngere, subhorizontale Klüfte sind vermutlich Entlastungsklüften subparallel zur Landoberfläche. Für die relativ jüngste Kluftschar wird eine Entstehung als Folge von regionalen neotektonischen Spannungsfeldern vermutet, da sie unabhängig von den Aufschlussoberflächen ist, und parallel zu den Brüchen in geknackten Klasten in Schottern.

Abstract
The area of investigation is located in the Riß valley of Bavaria, in the northern Karwendel Mountains. It includes mainly Quaternary deposit, including gravel, sand, and clayey silt, which are exposed along the Riß river. The processes which led to the present appearance are a result of the last glacial period (Würmian). Recent investigations confirmed that the sediments of the Riß valley formed in a fjord-like lake and where then overrun by the glacier. Overcompacted mixtures of gravel and sand with cracked pebbles are witnesses of this deformation process. Massive clayey silts are characterized by the presence of horizontal and vertical joints. Field mapping at a scale of 1; 8000 and an analysis of the joints regarding conchoidal surface structures, like rib marks and plumose structures, mainly indicate the presence of extension joints. Orientation analysis shows six joint sets interpreted as extension- or hybrid joints, whereby the vertical joints are always sub-perpendicular to the surface topography. Relative age dating of the joints shows that the vertical joints are the oldest generation of joints. In a genetic interpretation these joints are related to shrinking processes, causing joints oriented sub-perpendicular to the outcrop surface (oldest joint set). A younger, subhorizontal joint set could be caused by exfoliation parallel to the present-say land surface. The youngest joint set, which is parallel to fractures of cracked pebbles in the gravels and independent of outcrop surfaces, may have formed as a result of neotectonic activity in the area.


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