Verena Rofner, Peter Tropper & Volkmar Mair
Petrologie, Geochemie und Geologie des Amphibolit/Metagabbro Komplexes von Gufidaun (Südtirol, Italien)

Geo.Alp 7, 2010, p. 39-53

Zusammenfassung
Das Kartierungsgebiet befindet sich bei Gufidaun/Gudon (Südtirol, Italien), nordöstlich von Klausen (BZ, I). Geologisch gesehen liegt das Arbeitsgebiet im nördlichsten Südalpin und umfasst den Amphibolit/Metagabbro Komplex sowie
Quarzphyllit, Klausenit (Diorit), Hornfels, Orthogneis und Grünschiefer. Das Ziel der Arbeit war einerseits die petrologische Untersuchung der Metamorphoseentwicklung des Amphibolit/Metagabbro Komplexes von Gufidaun mittels thermobarometrischer Auswertung sowie eine geologische Kartierung im Maßstab 1:5000. Mineralchemisch wurden in beiden Gesteinsarten ähnliche Beobachtungen gemacht. Die Metagabbros enthalten folgende Mineralparagenese: Amphibol + Plagioklas + Klinozoisit + Chlorit + Titanit ± Ilmenit ± Quarz ± Kalzit. Die Amphibole der Metagabbros und Amphibolite zeigen teilweise starke chemische Zonierungen. In den Amphiboliten konnten texturell zwei Amphibolgenerationen (Amp I, Amp II) unterschieden werden. Chemisch sind sie aber sehr ähnlich in ihrer Zusammensetzung. Amp I könnte möglicherweise einen reliktischen, spätmagmatischen Amphibol darstellen. Amp II weist eine prograde, metamorphe Zonierung, wie in den Metagabbros, auf. Die Amphibole der Metagabbros weisen eine prograde Zonierung mit einem variszisch metamorphen, aktinolithischen Kern, und Mg-Hornblende und Pargasit bzw. Edenit in den Rändern, auf. Bei den nicht zonierten Amphibolen handelt es sich um Mg-Hornblenden. Es kann daher ein Temperaturanstieg während des Amphibolwachstums (vom Kern zum Rand hin) angenommen werden. Gegen Ende oder möglicherweise auch nach der Abkühlung der Intrusion setzte eine Dekompression ein. Die Granate der Hornfelse (kontaktmetamorpher Quarzphyllit) besitzen einen variszischen Kern und einen jüngeren Anwachssaum, wobei dieser z.B. die Folge der Permischen Kontaktmetamorphose darstellt. Thermobarometrische Berechnungen mit den Programmen THERMOCALC v.3.21 und PET 5.01 sowie semiquantitative Methoden ergaben für die Metagabbros und Amphibolite variszische Metamorphosebedingungen von 488-588°C und 3-5 kbar. Die Ergebnisse aus den untersuchten Metagabbros und Amphiboliten stimmen mit den P-T Daten von ca. 450-550°C und 5-6.5 GPa von Ring & Richter (1994) gut überein. Die P-T Bedingungen von 520-550°C und 5.3 GPa aus den Quarzphylliten bei Brixen (Wyhlidal, 2008), stimmen ebenfalls mit den errechneten Daten des Amphibolit/Metagabbro Komplexes überein. Auffällig ist das primäre, magmatische Gefüge der Metagabbros, die mit den randlichen Amphiboliten zusammen einen alkalischen Intrusivkörper bilden. Fraglich ist allerdings, wann die Platznahme des Komplexes erfolgt ist. Anhand der mineralchemischen Untersuchungen und der thermobarometrischen Ergebnissen lässt sich schließen, dass dieser Komplex bereits vor der variszischen Orogenese in das kristalline Basement des Südalpins intrudierte.  

Abstract
This study area is located in the northernmost Southalpine basement. Geographically it is located in the Eisack Valley near Klausen (BZ, I). The area around the village Gufidaun was the focus of the mapping project in the course of this study. The aim of this study was the investigation of the petrology of the metagabbros and amphibolites and mapping on a scale of 1:5000. Within this rather uniform quartzphyllite basement a large metagabbro/amphibolite complex occurs near the village Gufidaun. Since this basement has only been overprinted by the Variscan amphibolite-facies metamorphic event, it was the aim of this study to obtain Variscan P-T conditions from these metabasic rocks. The amphibolites and metagabbros contain the mineral assemblage amphibole + plagioclase + clinozoisite + chlorite + titanite ± ilmenite ± quartz ± calcite. Chemical zoning in idiomorphic amphiboles shows evidence for a prograde growth history. The cores of the chemical zoned amphiboles show actinolite composition and the rims can be chemically classified as Mg-hornblende, edenite, Mg-hastingsite and pargasite. The chemical zoning shows increasing edenite- and tschermakite substitutions towards the rims which indicates increasing T conditions during amphibole growth. On the other hand, matrix plagioclase is almost pure albite (Ab95An5). Garnet in the hornfelses shows Variscan cores and Permian rims. Application of multi-equilibrium thermobarometry (THERMOCALC v.3.21, PET) to the matrix assemblages of the metagabbros and amphibolites yielded P-T conditions of 488-588°C and 3-5 kbar. These P-T data agree with the P-T data of ca. 450-550°C and 5-6.5 kbar by Ring & Richter (1994) and the P-T data of 520-550°C and 5.3 kbar of quartzphyllites from Brixen by Wyhlidal (2008). The metagabbros show clear magmatic textures and form together with the amphibolites the intrusive complex of Gufidaun, which represents an alkaline magmatic complex, which intruded into the Southalpine Variscan basement prior to the Variscan metamorphic event.


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