Vertiefungsrichtung Entwicklungsforschung (23S-24S)

Translokale Krisen – regionale Alternativen. Sozial-ökologische Transformation im Spannungsfeld zwischen Agrobusiness und alternativen Formen der Lebensmittelproduktion, -verteilung und des -konsums im Globalen Süden. Das Beispiel Argentinien.
Robert Hafner, Anna-Maria Brunner

Argentinien ist einer der wichtigsten Produzenten von Soja und Mais weltweit. In den vergangenen drei Jahrzehnten entwickelte sich das Agrobusiness, allen voran im Zusammenhang mit der Einführung von genmanipuliertem Saatgut und dem dazugehörigen Direktsaatverfahren, zu einem mächtigen Akteur in der polit-ökonomischen Landschaft Argentiniens.

Argentinien ist – trotz seines Ressourcenreichtums - auch geprägt von wiederkehrenden Krisen, teilweise ausgelöst durch internationale Wirtschafts- und Finanzkrisen (wie 2008), hoher Inflation, zunehmender Armut und Abhängigkeiten von internationalen Geldgeber:innen.

Vor diesem Hintergrund befassen wir uns in dieser Vertiefungsrichtung mit Potentialen von Krisen, und Antworten lokaler/regionaler Initiativen der alternativen Lebensmittelproduktion, -verteilung und des Konsums, insbesondere in Hinblick auf eine sozial-ökologische Transformation. In diesem Zusammenhang loten wir aus, wie und warum solche soziale, sozial-ökologische, sozial-ökonomische Initiativen entstanden sind, an welchen Werten sich diese orientieren und inwiefern altes und/oder lokales Wissen wiederauflebt.

Die Frage wie Akteur:innen mit wiederkehrenden Krisensituationen und der Vielschichtigkeit der multiplen Krise umgehen, beleuchten wir im Kontext von Kooperativen, losen Zusammenschlüssen von Produzent:innen und Konsument:innen und Netzwerken in Argentinien.

Weiterführend stellen wir uns die Frage was für unterschiedliche Entwicklungsrichtungen und -ziele sich aus der Erforschung solcher bottom-up Initiativen ableiten lassen und was der Begriff Entwicklung ganz allgemein umfasst. Folglich spannen wir in dieser Vertiefungsrichtung den Bogen von Theorien der Entwicklung und den mit diesen einhergehenden Problematiken sowie Rollenzuschreibungen in Nord-Süd Beziehungen, über postkoloniale Ansätze bis zu empirischen Fallbeispielen von Pionier:innen alternativer Entwicklungspfade im Sinne einer sozial-ökologischen Transformation des Ernährungssektors in Argentinien. Die Studierenden erschließen sich hierbei ihre Fallbeispiel-Schwerpunkte (unter Begleitung der Lehrveranstaltungsleiter:innen) in Gruppenarbeit und entsprechend ihrer Interessen. Besonderer Wert wird dabei auf das Ausprobieren qualitativer Methoden der empirischen Sozialforschung, insbesondere visueller, partizipativer und multi-sensorischer (viszeraler) Ansätze gelegt.

Theoretisch-konzeptionelle Verankerung

  • Theorien (nach) der Entwicklung/Post-Colonial studies
  • Postwachstumsgeographien
  • Sozial-ökologische Transformation
  • Food Geographies

Weitere Informationen

  • Die Vertiefungsrichtung wird in Kooperation mit dem FWF Zukunftskollegsprojekt „foodalternatives.at“ sowie dem EU-Horizon2020 „Projekts Highlands.3“ durchgeführt. Gemeinsame internationale Projektworkshops (auf Deutsch, Englisch, Spanisch) sind dabei vorgesehen.
  • Die Feldarbeiten finden im Februar 2024 in Argentinien statt und werden primär auf Spanisch durchgeführt.
  • Die Einreisebestimmungen von Argentinien bezüglich COVID-Impfungen sind in jedem Falle einzuhalten. Wir werden mit zahlreichen unterschiedlichen Akteur:innen in Kontakt sein, COVID-Impfungen sind hierbei zentral.

Andockung an aktuelle Forschungsprojekte


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