Raum und Region im Kontext des Globalen Wandels (21S-22S)

Vertiefungsrichtung „Gesunde (digitale) Orte? Well-being an der Schnittstelle von Mensch-Technologie-Umwelt“
Katja Kaufmann, Simon Liegl und Tabea Bork-Hüffer

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Wie verändern digitale Technologien unsere Beziehung zur Natur, unsere Alltagsräume und -praktiken und unser affektiv-emotionales Erleben dieser Räume? Welche Effekte hat das auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden – physisch, sozial und mental? Die Vertiefungsrichtung „Gesunde (digitale) Orte“ geht von einem Verständnis der Geographie als Mensch-Technologie-Umwelt-Wissenschaft aus und ist angesiedelt an der Schnittstelle der Digitalen Geographie, Geographischen Gesundheitsforschung und Psychologie.

Im Vordergrund steht das Ausprobieren eines breiten Spektrums ungewöhnlicher Methoden(-Kombinationen) – von Ansätzen wie dem Go-Along und dem App Walkthrough über Mixed Methods-Designs, Experimente und Interventionen – im Rahmen eigenständiger studentischer Forschungsprojekte, die in Innsbruck und Umgebung durchgeführt und durch die Lehrpersonen individuell begleitet werden. Das Erlernen und Anwenden der Methoden beinhaltet dabei auch methodisch-forschungsethisches Reflektieren sowie Selbst- und Projektmanagement innerhalb der Teams während der selbstorganisierten Datenerhebungen.

Im Sommersemester 2021 sind im Rahmen der Vertiefungsrichtung vier studentische Forschungsprojekte zur Untersuchung der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Mensch-Natur-Beziehung, die Wahrnehmung von Orten und das Wohlbefinden an der Schnittstelle von Digitalen Geographien, Gesundheitsgeographie und Psychologie entstanden, die auf Basis von ausgearbeiteten Forschungsanträgen im Wintersemester 2021/22 umgesetzt und bis Ende des Sommersemesters 2022 ausgewertet und schließlich präsentiert werden sollen:

My Healthy Digital Place

Die Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit und das Erlernen von Achtsamkeit im digitalen Raum

Soziale Lifestyle-Medien prägen unseren Alltag und wirken sich auf unser Wohlbefinden aus. In unserem Forschungsprojekt beschäftigen wir uns mit der individuellen Nutzung und Gestaltung von sozialen Lifestyle-Medien und wie diese die physische, psychische, soziale und mentale Gesundheit von Erwachsenen unterstützen bzw. mindern. Fokussiert wird dabei ein Konsum sozialer Medien differenziert nach Geschlecht, Alter, Herkunft und Lebensrealität.

Es wird analysiert, inwiefern mithilfe von Methoden der Achtsamkeitsforschung Healthy Digital Places geschaffen werden können. Weiterhin soll miteinbezogen werden, wie der digitale Lifestyle in die Praktiken im privaten und öffentlichen Raum übertragen werden kann.

Wie wirkt sich die Nutzung der App „Strava“ auf das Konkurrenzverhalten aus?

Eine Untersuchung des Self-Trackings von Rad-, Lauf- und Skitourensport in der Innsbrucker Bergregion

Aufgrund der Corona-Pandemie sind Sportaktivitäten im Freien immer beliebter geworden und gehören nun für noch mehr Menschen zum Alltag. Viele Sportbegeisterte nutzen Outdoorapps wie beispielsweise Strava, um Aktivitäten und persönliche Fortschritte zu verfolgen sowie die eigene Leistung mit anderen zu messen. Ob und wie die Nutzung von Strava Einflüsse auf das Kompetitivitätsverhalten der Nutzenden und damit verbunden auf deren psychische Gesundheit hat, wollen wir im Zuge dieser Vertiefungsrichtung erforschen. Räumlich bewegt sich die Forschung im alpinen Raum um Innsbruck mit einem Fokus auf die Sportarten Laufen, Fahrradfahren und Skitouren.

Instagrammable Spots als (un)healthy spaces in Tirol

Dieses Projekt beschäftigt sich mit den instagrammable spots Tirols und befasst sich hauptsächlich mit den physischen, psychischen und sozialen Auswirkungen auf die NutzerInnen der Social Media Plattform Instagram. Auch wird untersucht, wie jene NutzerInnen die in user-generated-contents vermarkteten Orte digital wahrnehmen, wie sie diese vor Ort erleben und was sie dazu bewegt, jene Orte aufzusuchen. Neben den Instagram-NutzerInnen werden auch private und öffentliche Stakeholder in die Forschung miteingebunden. Der Hauptfokus liegt aber auf der Untersuchung der Risiken und Gefahren, die dieser instagram tourism für Mensch und Natur mit sich bringt und auf der Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen.

Planungs- und Gefahrenwarndienst-Apps, Risikowahrnehmung und Selbsteinschätzung

Wintersportarten abseits der Piste, wie Skitouren gehen und Freeriden, erfahren immer mehr Zuwachs und größere Beliebtheit. Durch zahlreiche Planungs- und Gefahrenwarndienstapps werden diese Sportarten leichter zugänglich, wodurch auch unerfahrene Outdoorsportler*innen die Möglichkeit dazu bekommen, diese auszuüben. In dieser Hinsicht stellt sich die Frage, ob der vermehrte Einsatz von Tourenplanungs- und Gefahrenwarndienstapps das Verlernen von essenziellen Verhaltensregeln im Gelände fördert. Des Weiteren soll untersucht werden, welchen Einfluss die Erfahrung der einzelnen Individuen auf das Nutzverhalten von den Apps hat. Das Untersuchungsgebiet beschränkt sich auf den Raum Innsbruck und Umgebung.


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