Naturgefahren Risikoanalyse - Sulden (Südtirol)

Matthias Huttenlau, Gertraud Meißl, Rudolf Sailer, Katrin Schneider

Vertiefungsrichtung Naturgefahrenforschung (SS12 bis SS13)

Ziel der dreisemestrigen Lehrveranstaltung ist es, das von Steinschlag, Lawinen und Wildbächen ausgehende Gefahrenpotential zu erheben und darauf aufbauend eine auf dem 'Südtrioler Gefahrenzonenkonzept' basierende Risikoanalyse und -bewertung durchzuführen. Als Untersuchungsgebiet wurde Sulden (Gemeinde Stilfs, Südtirol, Italien; http://www.gemeinde.stilfs.bz.it/) gewählt. Die Fraktion Sulden (1840 m) liegt mitten im Nationalpark Stilfserjoch und bietet aus Physiogeographischer Sicht einige besonders interessante Aspekte. Darüber hinaus bietet das Untersuchungsgebiete ein breites Spektrum naturgefahren relevanter Prozesse. Aus diesem Grund wurden am Institut für Geographie immer wieder Forschungsarbeiten in und um Sulden durchgeführt. Aus Sicht unseres Lehrveranstaltungszyklus ist insbesondere die Risikoanalyse, die von Fuchs et al. (2001) für das Obere Suldental durchgeführt wurde, von Interesse und Basis weiterführende Erhebungen und Analysen.

Die Ergebnisse des Archivstudiums, der Kartierung und Geländebegehung (erstes Projektsemester) sollen sowohl als Eingangsgrößen für die Prozessmodellierung (zweites Semester) als auch zur Überprüfung der Modellergebnisse dienen. Sogenannte 'regionale' Modelle werden dazu verwendet, jene Gebiete zu identifizieren, die einer möglichen Gefährdung ausgesetzt sind. Im Bereich dieser 'Hot Spots' wird auf Basis von Detailmodellen (Steinschlag, Mure, Hochwasser, Lawine) eine Aussage über mögliche Prozessfolgen ermöglicht. Darüber hinaus werden hydraulische Auswirkungen von hydrologischen Lastfällen auf den Suldenbach vereinfacht rasterbasiert modelliert.

Ein zentraler Teil der Lehrveranstaltung wird der Analyse und der kritischen Interpretation der Simulationsergebnisse gewidmet sein. Dazu und zur Stärkung des Modellverständnisses werden auch analytisch/statistische Modelle angewandt. Sowohl die erworbenen Gebietskenntnisse (Kartierung, Expertenbefragung) als auch die Modellergebnisse werden in Verbindung mit dem Bauleitplan der Gemeinde Stilfs zu einem - dem Südtiroler Gefahrenkonzept entsprechenden - Risikozonenplan zusammengeführt (drittes Semester). Darüberhinaus können möglich klimabedingte Veränderungen im Gefahrenprozessmuster analysiert werden.

Die Projektergebnisse werden Vertretern der an der Südtiroler Gefahrenzonenplanung beteiligten Ämter vorgestellt und diskutiert.

Literatur: Sven Fuchs, Margreth Keiler, Andreas Zischg, 2001. Risikoanalyse Oberes Suldental, Vinschgau - Konzepte und Metdoden zur Erstellung eines Naturgefahrenhinweis-Informationssystems. Innsbrucker Geographische Studien, 31, 182 S.

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