1. Tag: MONTAG, 10. Juli 2000
Route: Stadtexkursion Lima
Themen: Stadtexkursion Lima, Entwicklungsprojekt Manzanilla
Protokoll: Elisabeth Johanna Aigner, Tanja Michaela Klambauer stark überarbeitet

Der erste Exkursionstag ist dem Kennenlernen der peruanischen Hauptstadt Lima gewidmet. Bereits am Vortag hatten sich die bereits angereisten Teilnehmer unter Leitung von Professor Stadel mit der Innenstadt vertraut gemacht, nun, wo die Gruppe vollständig ist, können sie bei den Besprechungsstopps im Zentrum ihr neues Wissen gleich inwertsetzen und an die anderen weitergeben. Der Tag beinhaltet aber nicht nur rein stadtgeographisch-stadthistorische Themen, vielmehr besuchen wir auch ein Projekt zur Stadtentwicklung in ärmeren Bezirken, das von der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) betreut wird. Insgesamt ergibt sich ein guter erster Einblick in die Probleme, mit denen wir uns auf der Exkursion immer wieder auseinanderzusetzen haben.
Ein Zitat aus einem Essay über Lima (vgl. Textkasten) bietet einen weiteren Einblick in die Themen des heutigen Tages. Von unserem im noblen Stadtviertel Miraflores gelegenen Hotel fahren wir zunächst der Küstenlinie entlang, dann wieter auf einer der Hauptstraßen von der pazifischen Küsten bis hin zum historischen Kern. In Miraflores wird die ältere Bausubstanz, meist Villen aus der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh., inzwischen vielfach von modernen Hochhäuser ersetzt. Die Grundstückspreise erreichen hier Spitzenwerte, so daß viele Bewohner bereit sind, ihre traditionellen Häuser zu verkaufen. Die Folge ist ein vertikales Wachstum des Stadtviertels.
Bei der Fahrt durch das morgendliche Verkehrschaos von Lima können wir auch zugleich eines der typischen Elemente der lateinamerikanischen Stadt, die Prachtstraßen, beobachten. Sie kamen zu Beginn des 19. Jh. mit dem Eindringen europäischen Lebensstils auf. Einwanderer aus v erschiedenen Nationen, vor allem aber Franzosen und Engländer brachten die damals modernen architektonischen und städtebaulichen Tendenzen nach Lima. Das traditionelle Patiohaus mit seinem nach innen gerichteten Lebensstil galt plötzlich als unmodern, "chic" war das Wohnen in einer europäischen Villa, die mit großen Fenstern zum grünen Garten, der das Wohngebäude nun umgab (statt, wie bei Patiohaus im Inneren verborgen zu sein) ausgerichtet war. Mit der Auflockerung der Gebäudedichte erfolgte nun die Ablösung der Kompaktheit der kolonialen Stadt, zugleich akzentuierten sich lineare Strukturen, die sich an den Paseos, Prados und Alamedas, den Prachtstraßen der Oberschicht, orientierten.
Heute sind aber Abwanderungstendenzen dieser Oberschicht zu beobachten, die zum Teil a uf die Verdrängung durch Hotels und andere hochwertige Dienstleistungen zurückzuführen sind. Angesichts der Zunahme des Verkehrs und seiner Emissionen sehnen sich aber viele Familien nach mehr Ruhe und Exklusivität, finden diese in den neuen Condominios (gated communities) am Stadtrand und verkaufen daher umso lieber die Villa, die ihre Großeltern oder Urgroßeltern einst errichtet haben.

Protokoll: Elisabeth Johanna Aigner, Tanja Michaela Klambauer
(Auschnitt aus Inngeo 10: Peru im Profil, S.7)