Feldterrassenkulturen



Der gebräuchliche Begriff für Feldterrassen und Terrassenkulturen in Peru ist Andenes. "Feldterrassen sind an Berghängen unterschiedlicher Steigung stufenförmig angelegte, durch Mauern oder Erdwälle gestützte, relativ ebene Feldstreifen, die meist den Schichtenlinien folgen" (Vogl 1990, S. 76). Die Terrassierung von Gelände ist jedoch keine typische andine Entwicklung. In der ganzen Welt gibt es landwirtschaftlich genutzte Terrassenanlagen. In der Literatur wird t rotzdem oft auf Peru verwiesen, wo die Terrassen in Lateinamerika die größte Ausdehnung, Vielfalt und Perfektion erreichen. Schät-zungsweise stammen die ersten Terrassen in den Zentralanden aus einer Zeit um 1000 v. Chr.
Grundelemente einer Terrasse sind Stützmauer und die dahinter aufgeschüttete Plattform (Abb. 5/8) Die Stützmauer wird im allgemeinen ohne Verbindungsmaterial aus behauenem oder unbehauenem Naturstein errichtet. Die Höhen der Stützmauer kann, je nach Hangneigung, zwischen 0,5 m bis 5 m variieren. Das Fundament der Mauern liegt in Abhängigkeit von Mauerhöhe und Hangneigung, bis zu 1 m unter der Bodenoberfläche. Der Querschnitt der Mauern ist trapezoid. Die Stützmauern werden zum Hang hin geneigt angelegt (hierzu und im folgenden: Vogl 1990, S. 78).
Das Bodenmaterial der Plattform wird in verschiedenen Schichten angelegt. Am Grund der Plattform ermöglicht grobes Gesteinsmaterial die Entwässerung und gleichzeitig wird auch ein Wasserstau ver-hindert, der die Stabilität der Stützmauer und der gesamten Terrassenanlage gefährden könnte. Nach oben hin wird das Gesteinsmaterial kleiner. Die Plattform wird schließlich mit einer Humusschicht be-deckt. Bei Regenfeldbau ist die Oberfläche der Plattform meist leicht zum Hang geneigt. Handelt es sich aber um Bewässerungsfeldbau, dann wird die Oberfläche der Plattform horizontal oder leicht hangabwärts geneigt. Die Größe der Plattformfläche der Terrassen ist immer abhängig von Hangneigung, Stützmauerhöhe und nicht selten auch von der Verfügung über Arbeitskräfte bei der Errichtung. An steilen Hängen sind grundsätzlich schmale Terrassen mit niedrigeren Stützmauern zu finden.


Abb. 5/5: Felsterrassen am Cañon del Colca (Eigenentwurf)


Terrassenanlagen ermöglichen die intensive landwirtschaftliche Nutzung von Berghängen, die aufgrund des natürlichen Reliefs nicht nutzbar wären. Es können also Anbauflächen gewonnen werden und gleichzeitig kann die Landwirtschaft auch auf ökologische Stockwerke ausgedehnt werden. Eine zweite wichtige vorteilhafte Auswirkung der Terrassen ist die Verringerung der Bodenerosion. Die Terrassen verzögern die Abflußgeschwindigkeit des Niederschlagswassers am Hang und erhöhen die Infiltrationsrate und Wasserspeicherung im Boden.
In der Literatur wird häufig auch die Verbesserung des Mikroklimas als vorteilhafte Auswirkung von Terrassierungen genannt. Grundsätzlich wird der Anbau am Hang als günstig beurteilt, da den Kaltluftseen des Talbodens ausgewichen wird. Zusätzlich sind die Strahlungsverhältnisse an einem durch Terrassen strukturierten Hang bezüglich Aufnahme von Energie und Reflexion günstiger als an einem "glatten" Hang. Es bleibt mehr Energie im System, da weniger Strahlung reflektiert wird.

Protokoll: Dunja Baumgartner, Sieglinde Innerbichler, Barbara Rier
(Auschnitt aus Inngeo 10: Peru im Profil, S.65)