Geographischer Exkursionsführer Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino

Band 4: Spezialexkursionen im Trentino und in Ladinien

»Der neue Exkursionsführer der Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino«

Innsbrucker Geographische Studien Band 33/4


Mit der Herausgabe des vierten Bandes Trentino und Ladinien liegt der geographische Exkursionsführer „Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino“ nunmehr in kompletter Form vor. Namhafte Autoren haben darin ihre landeskundlichen Kenntnisse bereitgestellt und so die Grundlage für dieses regionalgeographische Projekt geschaffen, das sich mit Tirol in seinen alten Grenzen auseinander setzt. Insgesamt verfassten 33 verschiedene Autoren aus Deutschland, Österreich, Italien, der Schweiz und den USA 42 Beiträge, wobei das Untersuchungsgebiet – der ursprünglichen Planung entsprechend – nicht flächendeckend, sondern in beispielhafter Form vorgestellt wird. Allen Mitwirkenden sei hier herzlich gedankt!

Wie im Vorwort zum dritten Band schon angesprochen, erschien es mitunter zweckmäßig, von der im Band 1 angeführten Grundkonzeption des Gesamtwerkes leicht abzugehen. Dies betrifft in erster Linie den Beitrag über Ladinien, der vom dritten in den vierten Band rückte. Damit wurde der gesamte sich auf die Provinzen Bozen-Südtirol, Belluno und Trient erstreckende dolomitenladinische Raum in einem Band dargestellt. Außerdem erwies es sich als vorteilhaft, den Begriff „Spezialexkursion“ nicht eng auf die Behandlung eines bestimmten Themas oder eines kleineren Gebietes einzuschränken, sondern ihn im Sinne der exemplarischen Ergänzung und Vertiefung der im Band 1 erörterten N-S oder W-E Durchzugsrouten zu verwenden. Vereinzelt notwendig gewordene Ausnahmen (z.B. Pustertal im Bd. 3 oder Valsugana im Bd. 4) wirken sich auf das Gesamtwerk gewiss nicht störend aus.

Bisher eingegangene Rückmeldungen belegen, dass der Exkursionsführer in der Öffentlichkeit gut angenommen und als Basisliteratur für universitäre Lehrveranstaltungen, Exkursionen, Schulausgängen und für Bildungsfahrten von Privaten herangezogen wird. In dieser Weise ist er als wichtige Ergänzung des analogen Tirol-Atlas bzw. des im Internet frei zugänglichen digitalen Tirol Atlas , die ebenfalls am Institut für Geographie der Universität Innsbruck ihre Heimatstätte haben, zu sehen.

Der nun - um ein paar Monate später als ursprünglich geplant - erschienene vierte Band ähnelt im Layout dem dritten Band, enthält allerdings noch mehr Illustrationen, v.a. Farbfotos, und ist dementsprechend umfangreich ausgefallen. Die hohe Seitenanzahl ergibt sich aber in erster Linie durch die genannte Aufnahme des Beitrags Ladinien . Was die technischen Hinweise zur Benützung des Gesamtwerks betrifft, so sei auf Band 1 verwiesen. Neu hinzugekommen ist das Ortsregister im Anhang, das sich auf alle vier Bände erstreckt.

Im vorliegenden vierten Band treten zwei Autoren besonders hervor. Gemeinsam beanspruchen ihre Beiträge über zwei Drittel der Gesamtseitenzahl. Zum einen handelt es sich dabei um Prof. Wilhelm Lutz, der als fundierter Kenner des dolomitenladinischen Raumes gilt. Auf über 80 Seiten lieferte er den umfangreichsten Einzelbeitrag des Gesamtwerks. Der andere Autor, Prof. Hugo Penz, fiel bereits in den übrigen Bänden durch seine Vielzahl an Beiträgen auf. Diesen Band prägte er aber in bemerkenswerter Weise: Die Hälfte der Exkursionsbeschreibungen entstammen seiner Feder und bei einer weiteren zeichnet er als Mitautor. Die von Koll. Penz beschriebenen Routen bilden die Zusammenfassung aller Trentino-Exkursionen, die er im Laufe seiner Lehrtätigkeit am hiesigen Institut angeboten hat. So lässt sich ohne Übertreibung behaupten, dass die Herausgabe eines geographischer Exkursionsführer über das Trentino ohne seine fachliche Unterstützung nicht in dieser Form möglich gewesen wäre. Der Herausgeber ist ihm daher zu großem Dank verpflichtet.

In regionaler Hinsicht erscheint das Trentino als sehr gut abgedeckt. Die in diesem sowie im Übersichtsband (Band 1) beschriebenen Routen führen nur an ganz wenigen trentinischen Talschaften vorbei. Besonders ausführlich behandelt ist der dolomitenladinische Raum; abgesehen von Cortina d’Ampezzo nähert man sich hier sogar einer flächendeckenden Perspektive. Erwartungsgemäß stand dabei der Hochgebirgstourismus im Mittelpunkt der Betrachtungen, daneben gehen die einzelnen Beiträge - in relativ ausgewogenem Verhältnis - sowohl auf periphere, von der Abwanderung gekennzeichnete Gebiete als auch auf zentrale Gunsträume ein. Wieder wurde darauf geachtet - und das bietet sich beim Trentino mehr als anderswo an -, die verschiedenen Höhenstockwerke von der kollinen bis zur nivalen Stufe ausreichend zu berücksichtigen.

Nachdem Innsbruck und Bozen in den vorhergehenden Bänden ausführlich dargestellt worden sind, darf in Band 4 die Hauptstadt des Trentino selbstverständlich nicht fehlen. Der erste Beitrag: Die Stadt Trient - Rundgänge in einem 2000-jährigen Stadtzentrum geht anhand mehrerer Routenvorschläge näher auf stadtgeographische Fragestellungen ein, wobei immer wieder Vergleiche mit den Landeshauptstädten von Tirol und Südtirol zur Sprache kommen. Von Trient ausgehend wird anschließend die nach Osten verlaufende Talfurche behandelt: Die Exkursion: Die Valsugana. Gegenwärtiger Strukturwandel im Längstal des südöstlichen Trentino befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Zentralraum um Pergine sowie mit dem Periphergebiet in der Umgebung von Borgo Valsugana.

Drei weitere Exkursionen stehen mit dieser Durchzugsroute in enger Verbindung: So hat das geographische Profil Karer Pass – Predazzo – Rollepass – Primiero. Aufstieg des Tourismus und Verfall der Berglandwirtschaft in den trentinischen Dolomiten in der Valsugana seinen Endpunkt. Auch hier werden tourismusintensive Dolomitenräume im Norden, wo die Ausführungen das Südtiroler Eggental einbeziehen, und Periphergebiete im Süden einander gegenübergestellt.

Die kulturlandschaftlichen und historisch-geographischen Erläuterungen zeigen aber, dass dieser Gegensatz erst mit dem modernen Wandel im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Die folgenden Darstellungen betreffen zwei deutsche Sprachinseln im Trentino, die nicht nur räumlich, sondern auch funktional mit der Valsugana verbunden sind: Bei Lusern - Entwicklungstendenzen der Kulturlandschaft in peripheren alpinen Bevölkerungsgemeinden am Beispiel einer deutschen Sprachinsel sowie Das Fersental - eine deutsche Sprachinsel im Trentino handelt es sich um problembezogene landeskundliche Beschreibungen, in denen zwar Genese, kulturelle Sonderstellung, gegenwärtige ethnopolitische Aktivitäten und Zukunftsaussichten von deutschsprachigen Gemeinden im Trentino im Vordergrund stehen, doch werden auch wirtschaftsräumliche Differenzierungen in gebührendem Maße diskutiert.

Die Skizze Arco und Riva. Durch den Tourismus transformierte alte Kleinstädte am Nordufer des Gardasees erweitert das stadtgeographisch ausgerichtete Themenspektrum. Die Rundgänge in den beiden Zentren im mediterranen Teil des Trentino haben das Ziel, die unterschiedlichen Phasen der Stadt- und Tourismusentwicklung nachvollziehbar zu machen, ferner wurden ebenso die pflanzengeographischen Eigenheiten des unteren Sarcatales berücksichtigt. Der im Süden anschließende westliche Gardaseeraum wird anhand einer Mountainbike-Exkursion erschlossen: Die Routenbeschreibung Von Riva nach Limone – Grenzerfahrungen mit dem Mountainbike nimmt darüber hinaus auch die im Südwesten des Trentino angrenzenden Brescianer Voralpen in die vorwiegend regionalgeographische Betrachtung hinein.

Reichhaltig ist das Informationsspektrum, die der Beitrag Die Judikarische Talflucht. Die Nord-Süd-Verbindung im Westen des Trentino vom Val di Sole nach Storo anbietet. Von der Diskussion naturräumlicher, agrarsozialer und siedlungsgeographischer Fragestellungen reicht die Themenpalette bis hin zu tourismus-, verkehrs- und historisch-geographisch orientierten Betrachtungen.

Das ladinische Siedlungsgebiet rund um den Sella-Stock wird, wie bereits erwähnt, besonders ausführlich dargestellt. In der Exkursion Ladinien - Einheit und Vielfalt des dolomitladinischen Raumes legt der Autor großen Wert auf allgemeine landeskundliche Erklärungen über das Untersuchungsgebiet. Daran fügen sich die Beschreibungen einer Reihe von Kleinexkursionen in Gröden sowie einer ganztägigen Exkursion in die dolomitenladinischen Gebiete Gadertal, Buchenstein und Fassa. Die zuletzt genannte Talschaft kommt aber auch in einer eigenen Exkursion zur näheren Betrachtung: Das Fassatal - im Zentrum der Westdolomiten versteht sich als Vertiefung und Ergänzung der Ausführungen über den ladinischen Teil des Trentino (Kleinexkursion im Beitrag Ladinien), wobei über die Tourismusdiskussion hinaus naturräumliche, landwirtschaftliche, siedlungsgeographische und raumplanerische Aspekte am Objekt aufgezeigt werden.

Gesamtwerk Exkursionsführer Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino

Band 1: Übersichtsrouten von Kufstein bis Ala
Band 2: Spezialexkursionen im Bundesland Tirol
Band 3: Spezialexkursionen in Südtirol
Band 4: Spezialexkursionen im Trentino und in Ladinien