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Geographischer Exkursionsführer Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino

Band 3: Spezialexkursionen in Südtirol

»Vorwort«

Innsbrucker Geographische Studien Band 33/3


Im Rahmen des Exkursionsführerprojekts "Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino" sind im Jahr 2002 die ersten zwei Bände erschienen: Übersichtsrouten von Kufstein bis Ala (Band 1) sowie Spezialexkursionen im Bundesland Tirol (Band 2). Mit den Spezialexkursionen in Südtirol liegt nunmehr auch der dritte Band vor.

Dass er umfangreicher geworden ist als jener über das Bundesland Tirol hat nichts damit zu tun, dass von geographischer Seite Südtirol mehr Bedeutung beigemessen wird, sondern hängt im Wesentlichen mit zwei redaktionellen Gegebenheiten zusammen: Da im ersten Band, der sich mit der Darstellung der großen Nord-Süd- und West-Ost-Linien in der Europaregion befasst (Überblicksexkursionen), das Pustertal nicht behandelt wurde, war es notwendig, diese Talschaft in vorliegendem Band aufzunehmen. Die höhere Seitenzahl ergibt sich andererseits auch auf Grund eines verbesserten Layouts mit mehr farbigen Abbildungen und veränderter Schriftgröße.

In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass Grundkonzipierung sowie die das Gesamtwerk betreffenden technischen Hinweise in Band 1 angeführt sind.

Zwölf Spezialexkursionen, die für die verschiedenen Südtiroler Talschaften typische natur- und humangeographische Fragestellungen zum Inhalt haben, sollen den Lesern und Leserinnen das "Land im Gebirge" südlich des Brenners näher bringen. Rücksicht wurde auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bus-/Pkw- und Wanderexkursionen gelegt; manche Teilexkursionen lassen sich zudem problemlos mit dem Fahrrad (Mountainbike) erschließen. Auf eine flächenhafte Abdeckung des Gesamtexkursionsgebietes wurde wieder bewusst verzichtet. In regionaler Hinsicht achtete man stattdessen darauf, dass sowohl ländliche als auch urbane Gebiete sowie die verschiedenen Höhenstockwerke von der kollinen bis zur nivalen Stufe - also Berg und Tal - vertreten sind.

Das Grundkonzept für Band 3 sah u.a. die Darstellung des Siedlungsgebietes der Dolomitenladiner vor, das sich im Süden der Sella auch auf bellunesisches sowie Trentiner Gebiet erstreckt. Um diesen attraktiven Raum in ausreichendem Maße präsentieren zu können - ohne den Südtirol-Band zu überladen -, erschien es zweckmäßig, von der ursprünglichen Planung abzugehen und den Beitrag über Ladinien in den vierten Band zu stellen (Spezialexkursionen im Trentino und in Ladinien). Dieses Vorgehen lässt sich trotz all der historischen Zusammenhänge mit Südtirol insofern begründen, als etwa knapp die Hälfte der Dolomitenladiner sowie - mit Cortina d’Ampezzo - drei der fünf traditionellen dolomitenladinischen Talschaften nicht zu Südtirol gehören.

Wie im Band über das Bundesland Tirol stand es den Autoren und Autorinnen frei, den Begriff "Spezialexkursion" in regionaler oder in fachlich-thematischer Hinsicht aufzufassen. In der Regel wird ein bestimmtes Gebiet in einem großen Maßstab betrachtet, wobei die meisten Ausführungen landeskundlich-problembezogen angelegt sind, d.h. neben einem allgemeinen regionalgeographischen Abriss kommen gewisse Themenkreise schwerpunktmäßig zur Abhandlung. Manche Darstellungen gewinnen aber gerade dadurch, dass sie eine breite Palette an landeskundlich relevanten Themen beinhalten, die an den einzelnen Haltepunkten angeboten werden. In diesem Fall gibt der Untertitel den eingrenzenden Rahmen vor.

Die Verfasser des ersten Beitrags Das Pustertal. Geographische Profile im Raum von Innichen und Bruneck mussten allerdings von der einer Spezialexkursion zugrunde liegenden Perspektive etwas abrücken und die Präsentationsform an eine Überblicksexkursion annähern. Da - wie oben angesprochen - eine Beschreibung der West-Ost-Route zwischen Brixen und Lienz in Band 1 fehlt, erfolgt zunächst eine ausführliche regionalgeographische Skizze über das östliche Südtirol und das Osttiroler Oberland, in der immer wieder Vergleiche mit dem Unterinntal zur Sprache kommen. Anhand zweier Profile stellt man anschließend das Hochpustertal näher vor. Hauptschwerpunkt bildet dabei der Tourismus in den östlichen Dolomiten, was als geeignete Ergänzung zu dem im 4. Band erscheinenden Beitrag über das Siedlungsgebiet der Dolomitenladiner gesehen werden kann. Profil 3 über das Brunecker Becken ist in seiner Grundorientierung hingegen mehr stadtgeographisch angelegt.

Der Beitrag Bozen. Entwicklung und räumliche Differenzierung der Südtiroler Landeshauptstadt geht explizit auf stadtgeographische Fragestellungen ein. Die Südtiroler Landeshauptstadt wird dabei anhand eines ausführlichen Stadtrundgangs sowie einer Rundfahrt durch die Viertel am Stadtrand mit Fahrrädern erkundet. Auf den ausgesprochen ländlichen Raum konzentriert sich dagegen die Exkursionsbeschreibung Das Ahrntal - ein hochalpiner Peripherraum . Die regionalgeographische Abhandlung setzt einen Schwerpunkt im historischen Bergbau sowie in der Darstellung des modernen Strukturwandels, die sich beide in diesem Tal gut aufzeigen lassen. Vielfältig präsentiert sich auch der Beitrag Die Stadt Brixen und ihr Umland. Persistente Raumstrukturen und moderne Veränderungen in einer durch den Bischofssitz geprägten Kulturlandschaft . Neben einen Rundgang durch eine der ältesten Städte Tirols beschreibt der Autor ferner eine Rundfahrt durch die ländlichen Siedlungen im nördlichen Brixner Becken und fügt überdies noch eine landeskundlich orientierte Mittelgebirgswanderung auf den Spuren alter Bischofssitze von Feldthurns nach Klausen hinzu. Als Ergänzung zur Bozen-Exkursion kann die Darstellung Siedlungsentwicklung rund um Bozen. Die Gemeinden Jenesien und Eppan an der Weinstraße aufgefasst werden. Wanderungen in der überaus attraktiven Mittelgebirgslandschaft sollen die markanten baulichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte am Rand der Stadtregion Bozen vor Augen führen. Besonders reichhaltig ist das Informationsspektrum, die der Beitrag Kulturlandschaft des Ötztaler Gebirgsraumes. Das Schnalstal anbietet. Von naturräumlichen Fragestellungen über siedlungsgeographische Probleme reicht es bis hin zu tourismus-, verkehrs-, historisch-demographisch- und landwirtschaftlich orientierten Betrachtungen.

Vorwiegend geomorphologische Einblicke vermittelt wiederum die Wanderexkursion Der Ritten. Die Erdpyramiden und andere landschaftliche Besonderheiten nordöstlich von Bozen. Diese Darstellung fasst die neuesten Erkenntnisse über Werden und Vergehen der viel beschriebenen Rittner Erdpyramiden in verständlicher Form zusammen. Einen aktuellen Beitrag verkörpert die Exkursion Oberes Suldental - eine Hochgebirgsregion im Zeichen des Klimawandels. Er folgt dem Konzept der “Hazard Geography“, in dem die Gefährdung von Mensch und Kulturraum durch Naturereignisse im Mittelpunkt steht. Anschließend geht es in das oberste Höhenstockwerk der Alpen: Die Wanderexkursion Hinteres Ultental / Weißbrunnferner führt uns in die Gletscherwelt. Die Autoren diskutieren dabei u.a. Massenbilanzmessungen, Blockgletscher und wasserwirtschaftliche Fragen.

Mit der Skizze Die Stadt Meran. Alte Landeshauptstadt - "Modekurort" - Touristenzentrum schließt sich daran eine weitere stadtgeographisch ausgerichtete Exkursion. Der Rundgang hat das Ziel, die unterschiedlichen Phasen der Stadtentwicklung in der gebauten Umwelt nachvollziehbar zu machen, wobei auf die Funktion Merans als Kurstadt ausführlich eingegangen wird. Die Dorfbeschreibung Planai - Siedlung und Landwirtschaft in einem Obervinschgauer Hochtal ist hier zwar als Kurzexkursion verfasst, der Autor zeigt aber gerade in dieser Fraktion (der Marktgemeinde Mals) eine Reihe von beachtlichen Forschungsergebnissen am Objekt vor. Die Beitragsserie endet mit der Exkursion Altrei - Truden. Wanderungen im Gebiet des Naturparks Trudner Horn. Das besuchte Gebiet eignet sich hervorragend, um wirtschaftsräumliche Differenzierungen an der Grenze zum Trentino zu diskutieren, ferner um Fragen zum modernen Wandel der Kulturlandschaft nachzugehen.

Mit dem reichhaltigen Angebot an naturräumlichen, kulturlandschaftlichen, historischen, demographischen, raumplanerischen, wirtschaftlichen oder sozialräumlichen Informationen bzw. Forschungsergebnissen, die sich vor Ort erkunden lassen, wendet sich auch dieser Band nicht nur an den Fachgeographen und an die Fachgeographin allein, sondern darüber hinaus an die gesamte landeskundlich interessierte Öffentlichkeit. Was diese zuletzt genannte Adressatenorientierung betrifft, so ist einzuräumen, dass manche Textpassagen für geographische Laien nicht immer leicht verständlich gehalten sind. Hier gilt aber zu bedenken, dass – wie es landeskundlich-geographischen Darstellungen eigen ist – Natur- und Kulturraum integrierende Inhalte von unterschiedlichen Seiten beleuchtet werden müssen und daher die Verwendung von Fachtermini mehrerer Disziplinen bisweilen unumgehbar ist.

Bei den bisher vorgelegten Bänden hat sich gezeigt, dass der Exkursionsführer auch als wichtiges Nachschlagswerk sowohl für allgemein landeskundliche als auch für spezielle raumbedeutsame Fragestellungen herangezogen wird. Dies wäre auch für den Südtirol-Band zu wünschen.

Gesamtwerk Exkursionsführer Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino

Band 1: Übersichtsrouten von Kufstein bis Ala
Band 2: Spezialexkursionen im Bundesland Tirol
Band 3: Spezialexkursionen in Südtirol - Erscheinungstermin: 2003
Band 4: Spezialexkursionen im Trentino und in Ladinien
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