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Kulturlandschaftswandel in Südtirol seit 1950

Christine Wanker, Alexander Dusleag

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Besiedelte Flächen

Landschaftsszene Bildvergleich Point of View

Blick auf St. Ulrich aus dem Süd-Westen der Gemeinde (1954-1956) Bearbeitung: Dusleag & Wanker; Datengrundlage: Autonome Provinz Bozen - Südtirol, Raumordnung

Topographische Karte Fotostandort

In den ersten Nachkriegsjahren war die Baulust gröߟer als je zuvor. Binnen etwa eines Jahrzehnts wurde der gesamte Mittelstrich, der untere Teil des Col de Flam und das Gelände auߟerhalb des alten Bahnhofes verbaut. In den 1960er Jahren erreichte die Siedlungserweiterung Außerwinkel und Pescosta. St. Jakob und Oberwinkel waren noch unberührt geblieben. Das Zentrum beschränkte sich auf den Talraum. Das Gebiet entlang der Talstraߟe war am dichtesten verbaut aber auch entlang anderer Wege erstreckten sich bereits damals dicht bebaute Zonen. (Lutz 1958, S. 63)

Durch die rege und ungeregelte Bautätigkeit ist ein vollkommen unorganisches Siedlungsbild entstanden. Darauf reagierte die Gemeinde im Jahre 1955 mit der Ausarbeitung eines €žRegulierungsplanes€œ (Lutz 1966, S. 307) und schlieߟlich im Jahre 1973 mit dem ersten Bauleitplan (mündliche Mitteilung Herr L. Moroder).

Aus der Kartierung der Siedlungsausdehnung auf Grundlage der Orthofotos geht hervor, dass die besiedelte Fläche in der Gemeinde St. Ulrich zwischen 1954 und 1985 um 116 Prozent im Vergleich zum Jahr 1954 zugenommen hat. Dies entspricht einem durchschnittlichen Zuwachs der Siedlungsfläche von 16.100 m² pro Jahr. In den folgenden zwei Jahrzehnten wurde die bereits besiedelte Fläche stark verdichtet, sodass der Zuwachs der neu besiedelten Fläche im Vergleich zur vorhergehenden Zeitspanne verhältnismäßig gering erscheint: Die Siedlungsfläche wuchs zwischen 1985 und 2006 um 13 Prozent im Vergleich zum Jahr 1985 an. Dies entspricht einem jährlichen Zuwachs von etwa 5.600 m². Die Verdichtung der bereits vorhandenen Siedlungsfläche wurde nicht kartiert.

Siedlungsentwicklung - St. Ulrich
Siedlungsausdehnung
Bearbeitung: Dusleag & Wanker; Datengrundlage: Autonome Provinz Bozen - Südtirol, Raumordnung; Informationen zur Siedlungskartierung (html | pdf)

Zwischen 1961 und 1991 gab es einen rasanten Wohnungszuwachs, der mit 114,7 % das Bevölkerungswachstum von 32,1 % deutlich überschritt. Dieser Zuwachs an Wohnungen ist auf den Bau vieler Ferienwohnungen zurückzuführen. In diesem Zusammenhang ist die Zweitwohnungswelle zu nennen, die in den 1970er Jahren zu einem großen Verbrauch von Boden, zu einem Anstieg der Bodenpreise sowie zur Zersiedlung und Verstädterung beigetragen hat. Betrachtet man nur den Zuwachs der ständig bewohnten Wohnungen, so ergibt dies einen Wert von 107 %. (Sullmann 1999, S. 67-68, 113) Trotzdem übersteigt das Wohnungswachstum bei weitem den Einwohnerzuwachs. Dies kann dadurch erklärt werden, dass sich die durchschnittliche Einwohnerzahl pro Wohnung in den letzten Jahrzehnten verkleinert hat und dass die Zahl der Haushalte zugenommen hat.

Diagramm
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Betrachtet man die Bautätigkeit zwischen 1995 und 2005 nach Bauzonen wird ersichtlich, dass ein Großteil der Wohnkubatur in den Wohnbauzonen B (Auffüllzone) und C (Erweiterungszone) realisiert wurde. Auch in der Zone E (landwirtschaftliches, alpines Grün und Wald) wurden regelmäߟig Wohnhäuser neu gebaut oder erweitert. In den letzten Jahrzehnten entstanden zudem einige Gewerbezonen im Südwesten der Gemeinde, in denen sich Gewerbe-, Handwerks- und auch Dienstleistungsbetriebe niedergelassen haben. Im Durchschnitt arbeiten zwei Beschäftigte pro Arbeitsstätte. Dies zeigt, dass die Wirtschaft durch eine kleinbetriebliche Struktur gekennzeichnet ist.

Verkehr

Das Grödnertal besaߟ bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine gute Verkehrsanbindung an das Eisacktal. Dadurch war eine gute Erreichbarkeit gegeben, was bereits früh eine touristische Erschlieߟung ermöglichte. Nach der Einstellung der Grödnerbahn im Jahre 1960, wurden erste Pläne zum Bau einer zweiten Verbindung mit dem Eisacktal geschmiedet. Die Straߟe sollte im Wesentlichen der Trasse der Eisenbahn von Klausen ausgehend folgen. Sie wurde im Jahre 1976 fertiggestellt. (Perathoner u. Moroder 2007, S. 444)

Aufgrund der großen Verkehrsbelastung im Zentrum von St. Ulrich wurde im Jahre 1978 mit dem Bau einer Umfahrungsstraße entlang des Grödnerbaches begonnen. Nach der Fertigstellung wurde der Bereich entlang der Talstraߟe dicht verbaut. (Perathoner u. Moroder 2007, S. 444) Die einstige Talstraߟe, die durch das Ortszentrum von St. Ulrich führt, ist nun bereits seit einigen Jahren für den Verkehr gesperrt und dient als Fuߟgängerzone. Für die Zukunft gibt es ein Projekt, das die Verlängerung dieser verkehrsberuhigten Zone vorsieht. Zudem wird seit einiger Zeit auch über die Realisierung einer weiteren Umfahrungsstraߟe diskutiert, da das Verkehrsaufkommen in den touristischen Hochsaisonen beachtlich ist und von der bereits bestehenden Umfahrungsstraße kaum noch aufgenommen werden kann.

Ein weiteres Problem stellt die Anordnung der dorfinternen Straߟen dar. Es handelt sich hier fast ausschlieߟlich um konzentrische Straßen, die von der Peripherie ins Zentrum führen. Zwischen den einzelnen Straßen gibt es aber kaum Querverbindungen. Dies führt dazu, dass das Verkehrsaufkommen im Zentrum hoch ist und dass weite Strecken zurückgelegt werden müssen, um einen nahen Ort zu erreichen.

© Universität Innsbruck | Impressum | Aktualisiert am: 22.12.2008

Wohnung

Aus einem einzigen Raum bzw. aus mehreren Räumen (Zimmer und Nebenräume) bestehende Unterkunft, die den Erfordernissen entspricht, um als ständiger Wohnort zu dienen. Eine Wohnung muss sich in einem Gebäude befinden, durch Wände von anderen Wohneinheiten getrennt sein und einen eigenen Zugang besitzen.  Astat 2005

Bauzonen

Unter Bauzone versteht man jenen Teil eines Gemeindegebietes, in dem das Bauvorhaben durchgeführt wird und der im Gemeindebauleitplan für Bauzwecke ausgewiesen wurde.

 Astat 1999

Beschäftigte

Beschäftigte sind die in einer rechtlich-wirtschaftlichen Einheit lohnabhängig oder nicht lohnabhängig angestellten Personen (Vollzeit, Teilzeit oder mit Arbeits- und Ausbildungsvertrag), auch wenn sie zeitweise von der Arbeit fern bleiben.  Astat 2004b