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Kulturlandschaftswandel in Südtirol seit 1950

Christine Wanker, Alexander Dusleag

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Besiedelte Flächen

Aus einer Kartierung aus Orthofotos geht hervor, dass die Siedlungsfläche in der Gemeinde Schenna seit 1954 um knapp 260 % zugenommen hat. Dies obwohl die Bevölkerung seit 1951 nur um etwa 42 % gewachsen ist. Ausschlaggebend für die starke Siedlungsausdehnung war der starke Aufschwung des Fremdenverkehrs seit den 1950er Jahren: unzählige Hotels, Garnis und Pensionen sowie Ferienwohnungen und Privathäuser wurden gebaut. Dies zeigen die folgenden Zahlen sehr eindrücklich: Allein zwischen 1966 und 1975 entstanden 131 Neubauten und außerdem viele Zu- und Umbauten und bereits im Jahr 1980 hat es 170 gewerbliche Beherbergungsbetriebe gegeben. Durch die Bestimmungen zum Bauleitplan sind seit 1973 sogenannte Wohnbauzonen ausgewiesen worden, durch deren Verbauung zum Teil neue Siedlungskerne entstanden sind. Hinzu kam seit den 1970er Jahren auch noch der verstärkte Ausbau und Bau öffentlicher Einrichtungen: verschiedene Sport-, Bildungs- und Kulturstätten genauso wie Straßenverbindungen und Seilbahnen wurden realisiert. (Innerhofer 2002, S. 577)

Siedlungsentwicklung - Schenna
Siedlungsausdehnung
Bearbeitung: Dusleag & Wanker; Datengrundlage: Autonome Provinz Bozen - Südtirol, Raumordnung; Informationen zur Siedlungskartierung (html | pdf)

Zudem hat auch die Abnahme der Haushaltsgröße von 4,5 Einwohnern pro Haushalt im Jahr 1971 auf etwa drei im Jahr 2000 zur Ausdehnung der Siedlungsfläche beigetragen. Durch diese Entwicklung stieg die Anzahl der Haushalte bei gleichzeitigem Wachstum der Bevölkerung um knapp 74 % an.

Aufgrund des enormen Siedlungswachstums nahm die Siedlungsfläche pro Einwohner zwischen 1954 und 2006 sehr stark zu. Von ca. 150 m² Siedlungsfläche pro Einwohner im Jahr 1954 stieg sie bis in das Jahr 2006 auf knapp 400 m² an. Dies entspricht einem Anstieg um etwa 160 %. Das stärkste Wachstum hat dabei in der Fraktion Schenna zwischen 1954 und 1985 stattgefunden. In dieser Zeitspanne wuchs die Siedlungsfläche um knapp 20.000 m² pro Jahr. Dies bedeutet, dass die Fraktion Schenna zwischen 1954 und 1985 um etwa 310 % gewachsen ist und sich somit mehr als vervierfacht hat. Auch in Verdins hat sich die Siedlungsfläche im selben Zeitraum mehr als verdoppelt. Seit 1985 verlangsamte sich das Wachstum. In Schenna kamen aber trotzdem pro Jahr etwa 3.000 m² und in Verdins 1.400 m² Siedlungsfläche dazu.

In den letzten Jahren wurde vor allem im Landwirtschaftsgebiet viel Wohnkubatur realisiert. Die Bautätigkeit im landwirtschaftlichen Grün trägt zur Zersiedelung bei, wenn außerhalb der geschlossenen Dorfstrukturen neue Gebäude dazu gebaut werden. Ein Indikator für die Zersiedelung ist der Anteil der Einzelhäuser an der Gesamtzahl der Häuser. Dieser ist mit etwa 40 % in der Gemeinde Schenna sehr hoch, was für eine ausgeprägte Zersiedelung spricht. Zudem wurde auch in der Zone B (Auffüllzone) und C (Erweiterungszone) seit 1995 relativ viel Wohnkubatur gebaut.


Verkehr

Die erste richtige Straßenverbindung ab Obermais wurde in den Jahren 1957 bis 1959 inklusive eines Gehsteiges gebaut. 1969 folgte eine Straßenbeleuchtung im Dorf Schenna.

Für die Erschließung der Berghöfe waren vor allem die Seilbahnen und später auch die Straßenverbindungen von großer Bedeutung. 1963 wurde die neue Seilbahn Schenna - Taser in Betrieb genommen. Eine Schwebebahn, die Verdins mit Obertall verbindet und über die Masulschlucht verläuft, wurde 1968 errichtet. Zuvor erreichten nur ein Fußweg und eine Materialseilbahn die Bergregion Tall. Heute gibt es neben der Bahn auch noch zwei Straßenverbindungen, eine vom Passeiertal aus und seit einigen Jahren auch eine direkt von Schenna.

Seit 1985 überquert eine neue Brücke die Masulschlucht und verbindet so die Fraktion Untertall mit Verdins. Durch die rege Bautätigkeit entstanden viele weitere Straßen, andere hingegen wurden ausgebaut.

Auch die Wald- und Almregion wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte erschlossen. Durch neue Regional- und Landesgesetze wurde die Finanzierung neuer Forststraßen ermöglicht. Folglich wurden in der Gemeinde Schenna Waldwege mit einer Gesamtlänge von 31 km erbaut. Die Erhaltung all dieser Forststraßen ist aber sehr kosten- und zeitaufwändig. (Innerhofer 2002, S. 536, 574)

© Universität Innsbruck | Impressum | Aktualisiert am: 22.12.2008

Einzelhäuser

Darunter versteht man über das Gemeindegebiet verstreute Häuser, die so weit auseinander liegen, dass sie nicht einmal als Weiler gelten können.  Astat 2006c

Fraktion

Eine Fraktion ist ein von der Gemeinde für Verwaltungszwecke definierter Teil des Gemeindegebietes. Eine Fraktion kann bewohnt oder unbewohnt sein. Die Bevölkerung einer bewohnten Fraktion ist die Summe der Bevölkerung der bewohnten Ortschaften und Weiler und der Bewohner der Einzelhäuser auf dem Gebiet der Fraktion.  Astat 2006c

Beherbergungsbetriebe

Zu den Beherbergungsbetrieben zählen all jene Unternehmen, die den Touristen Unterkunft bieten. Man unterscheidet zwischen gastgewerblichen Beherbergungsbetrieben (Hotels, Gasthöfe, Pensionen, Garnis, Residences, Motels und Hoteldörfer) und nicht-gastgewerblichen Beherbergungsbetrieben (Privatquartiere, Campingplätze, Feriendörfer, Berggasthäsuer, Schutzhütten, Ferienheime, Jugendferienheime und -herbergen). Zu den Privatquartieren zählen jene Betriebe, die möblierte Zimmer oder Wohnungen an Feriengäste vermieten. Als Privatquartieren gelten auch jene Betriebe, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten, die im entsprechenden Landesverzeichnis eingetragen sind.  Astat 2007b

Gebäude

Als Gebäude bezeichnet man einen Bau, der im Regelfall als Einheit geplant und errichtet wurde und über eine eigenständige Struktur verfügt. Ein Gebäude besteht aus Räumen und ist von durchgehenden Außen- oder Trennwänden und einem Dach begrenzt. Es verfügt über mindestens einen Zugang von außen. Das Gebäude kann von Personen zu Wohnzwecken und/oder zur Erzeugung von Gütern bzw. Erbringung von Dienstleistungen benutzt werden. In die Statistik fließt die ursprüngliche Zweckbestimmung und nicht die tatsächliche Nutzung ein.  Astat 2005