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Kulturlandschaftswandel in Südtirol seit 1950

Christine Wanker, Alexander Dusleag

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Der Wandel aus der Sicht der Einheimischen

Die Kulturlandschaft der Gemeinde Schenna hat sich seit den 1950er Jahren stark verändert. Die Auslöser des Wandels waren in erster Linie der Aufschwung des Tourismus und die Marktorientierung der Landwirtschaft.

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Schenna (1931-1939) © Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Abt. 14, Amt für audiovisuelle Medien, Fotograf Leo Bährendt

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Bis in die 1950er Jahre lebte ein Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Alle Landwirte besaßen Vieh, bauten gleichzeitig aber auch Getreide und Obst in den sogenannten Streuobstwiesen an. Die Wiesen zwischen dem Streuobst wurden gemäht. Durch die positive Entwicklung des Tourismus wurde die Viehwirtschaft im Dorf Schenna aufgelassen und folglich viele Wirtschaftsgebäude in Beherbergungsbetriebe umgebaut. Zudem ersetzte der intensive Obstbau ab den 1960er Jahren die Streuobstwiesen und das Getreide verschwand komplett aus der Landschaft. Durch den intensiven Obstbau wurde auch der Weinbau zurückgedrängt. Auffällig sind heute die vielen Hagelnetze, die die Apfelernte vor Hagelschlag schützen.

Ab 800-1000 Metern Meereshöhe wird Grünlandwirtschaft betrieben.

Viele Landwirte gehen einer Arbeit außerhalb der Landwirtschaft nach, vermieten ein paar Zimmer oder betreiben einen Buschen- oder Hofschank. Trotzdem hängt das Überleben vieler Landwirte nach wie vor stark von der finanziellen Unterstützung des Landes und der Europäischen Union ab.

Nicht nur die Bodennutzungsarten haben sich verändert, sondern auch die Anbaumethoden. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Arbeiten wird heute maschinell ausgeführt. Auch die Bewässerung erfolgt nicht mehr durch die Waale, das traditionelle System der Berieselung, sondern über künstliche Bewässerungsanlagen oder Tröpfchenbewässerung. Der intensive Apfelanbau aber auch die qualitativ hochwertige Infrastruktur für den Tourismus ließen den Wasserverbrauch stark ansteigen.

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Obertall (2008) © Christine Wanker

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Der rasante Anstieg der Nächtigungen seit den 1950er Jahren löste einen Bauboom aus, im Zuge dessen sehr viele Hotels, Pensionen oder Garnis gebaut wurden. Dabei wurden viele landwirtschaftliche Flächen vor allem in der Nähe der Dörfer Schenna und Verdins verbaut. Viele Hotels wurden im sogenannten "Alpenstil" gebaut, einer Architektur die nicht dem Ort angepasst ist. Auch der private Wohnbau hat zum Siedlungswachstum beigetragen. Seit dem Jahr 1973 wurden mit dem Bauleitplan erste Wohnbauzonen ausgewiesen.

Heute sind vor allem die Ortskerne von Schenna und Verdins dicht verbaut. Im Umland sind aber nach wie vor viele Freiflächen vorhanden.

(Zusammengefasst Aussagen der befragten Personen W. Innerhofer, M. Innerhofer und F. Klotzner)

© Universität Innsbruck | Impressum | Aktualisiert am: 22.12.2008

Beherbergungsbetriebe

Zu den Beherbergungsbetrieben zählen all jene Unternehmen, die den Touristen Unterkunft bieten. Man unterscheidet zwischen gastgewerblichen Beherbergungsbetrieben (Hotels, Gasthöfe, Pensionen, Garnis, Residences, Motels und Hoteldörfer) und nicht-gastgewerblichen Beherbergungsbetrieben (Privatquartiere, Campingplätze, Feriendörfer, Berggasthäsuer, Schutzhütten, Ferienheime, Jugendferienheime und -herbergen). Zu den Privatquartieren zählen jene Betriebe, die möblierte Zimmer oder Wohnungen an Feriengäste vermieten. Als Privatquartieren gelten auch jene Betriebe, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten, die im entsprechenden Landesverzeichnis eingetragen sind.  Astat 2007b