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Kulturlandschaftswandel in Südtirol seit 1950

Christine Wanker, Alexander Dusleag

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Besiedelte Flächen

Das Siedlungsbild von Martell ist vom Einzelhof geprägt und die bevorzugte Siedlungsseite ist der Sonnenhang. Diese Siedlungsform ermöglichte es, die Dauersiedlung bis an die klimatische Siedlungsgrenze auszudehnen. Der Paarhof, bestehend aus dem Wohnhaus und dem Wirtschaftsgebäude, kommt am häufigsten vor. Charakteristisch für das Martelltal ist zudem eine unregelmäßig kleinparzellierte Blockflur. (Istel 1967, S. 46-48)

Aus einer Kartierung aus Orthofotos geht hervor, dass sich die Siedlungsfläche in einigen Fraktionen der Gemeinde Martell seit dem Jahr 1954 mehr als verdoppelt hat. Bereits zwischen 1954 und 1985 hat es in Meiern nahezu eine Verdoppelung der Siedlungsfläche gegeben: Pro Jahr kamen in dieser Zeitspanne ca. 830 m² Siedlungsfläche dazu. Seither ging die Siedlungsentwicklung schneller voran: zwischen 1985 und 2006 wuchs Meiern um ca. 1400 m² pro Jahr. Aus historischen Bildern geht hervor, dass auch in der Gand, in der früher vorwiegend Kleinhäusler sowie Tag- und Handwerker lebten, eine starke Bautätigkeit stattgefunden hat. Heute ist die Gand die größte Siedlung im Tal.

Siedlungsentwicklung - Gand, Meiern und Ennewasser
Siedlungsausdehnung
Bearbeitung: Dusleag & Wanker; Datengrundlage: Autonome Provinz Bozen - Südtirol, Raumordnung; Informationen zur Siedlungskartierung (html | pdf)

Ausgehend von der kartierten Siedlungsausdehnung stieg die Siedlungsfläche pro Einwohner von ca. 70 m² im Jahr 1954 auf ca. 170 m² im Jahr 2006 an. Dies entspricht einer Zunahme um etwa 140 %. Nach wie vor ist die Bevölkerungsdichte in der Gemeinde Martell mit 0,06 Einwohnern pro Hektar sehr gering. Da im Martelltal aber sehr wenig besiedelbare Fläche zur Verfügung steht, konzentrieren sich die Siedlungen auf den unteren Talbereich. Im Jahr 2002 waren 0,46 % der Gemeindefläche besiedelt.

Das Siedlungswachstum ist nicht auf positive demographische Veränderungen zurückzuführen, da die Bevölkerung seit 1951 um 5,4 % geschrumpft ist, sondern viel mehr auf die Zunahme der Haushaltszahl um 64 % seit 1971. Dies ist auf die Abnahme der Haushaltsgröße von 4,9 Einwohnern pro Haushalt im Jahr 1971 auf 2,8 im Jahr 2001 zurückzuführen. Die Zahl der Haushalte mit fünf oder mehr Personen hat stark abgenommen, während jene der Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte stark zugenommen hat. Zudem besteht ein Wohngebäude im Schnitt nur aus 1,4 Wohnungen. Der Ausbau der touristischen Infrastruktur sowie die Ansiedlung mehrerer kleiner einheimischer Handwerker- und Gewerbebetriebe zwischen Ennewasser und Gand haben seit den 1980er Jahren zur Siedlungsausdehnung beigetragen.

In den letzten Jahren wurde viel Wohnkubatur in der Zone E (landwirtschaftliches, alpines Grün und Wald) sowie auch in der Zone C (Erweiterungszone) realisiert. Aufgrund der hohen Bautätigkeit im landwirtschaftlichen Grün, ist der Anteil der Einzelhäuser an der Gesamtzahl mit knapp 37 % sehr hoch. Dies weist auf eine starke Zersiedelung hin.


Verkehr

Nachdem die Marteller Straße zwischen 1913 und 1915 bis Gand ausgebaut und im Jahr 1926 von Gand bis Zufritt verbreitert wurde, folgte erst durch den Stauseebau eine weiterer Ausbau, um die Erreichbarkeit der Baustelle zu verbessern. In den 1960er Jahren folgte in mehreren Baulosen ein weiterer Ausbau und eine Begradigung der Strecke Goldrain bis Gand. Zwischen 1955 und 1956 wurde von der Gemeinde die Straße Gand – Meiern realisiert. Bis zu diesem Zeitpunkt war keine Straßenverbindung zwischen Gand und Meiern vorhanden. Im Laufe der Jahre entstanden zudem mehrere neue Straßenstücke, andere wurden ausgebaut und mit Gehsteig und Straßenbeleuchtung versehen. (Perkmann-Stricker 1985, S. 126) Auch die Höfe wurden mit Zufahrtswegen erschlossen.

Nach der Wasserkatastrophe in den späten 1980er Jahren wurde die Straßenverbindung ins hintere Martelltal wieder hergestellt und zum Teil auch gegen Lawinenabgänge verbaut.

© Universität Innsbruck | Impressum | Aktualisiert am: 22.12.2008

Einzelhäuser

Darunter versteht man über das Gemeindegebiet verstreute Häuser, die so weit auseinander liegen, dass sie nicht einmal als Weiler gelten können.  Astat 2006c

Wohngebäude

Unter Wohngebäude versteht man ein Gebäude oder einen Teil davon, das ausschließlich oder vorwiegend zu Wohnzwecken dient.  Astat 2004b

Fraktion

Eine Fraktion ist ein von der Gemeinde für Verwaltungszwecke definierter Teil des Gemeindegebietes. Eine Fraktion kann bewohnt oder unbewohnt sein. Die Bevölkerung einer bewohnten Fraktion ist die Summe der Bevölkerung der bewohnten Ortschaften und Weiler und der Bewohner der Einzelhäuser auf dem Gebiet der Fraktion.  Astat 2006c