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Kulturlandschaftswandel in Südtirol seit 1950

Christine Wanker, Alexander Dusleag

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Land- und forstwirtschaftliche Nutzung

Betrachtet man die Entwicklung der Landnutzung in der Gemeinde Kaltern, wird deutlich, dass der Weinbau bereits in den 1950er Jahren große Flächen eingenommen hat. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben sich auch Obstwiesen vor allem im Bereich der Talsohle und im Süden des Kalterer Sees stark ausgedehnt und somit den Maisanbau fast vollständig verdrängt. Im Laufe der Jahre wurde der Anbau von Obst und Wein intensiviert. Das Streuobst wurde durch kleinwüchsige, dicht aneinander gepflanzte Apfelbäume ersetzt, die Sortenvielfalt hat abgenommen. Im Weinbau wird die traditionelle Pergel seit einigen Jahrzehnten immer öfter vom Drahtrahmen ersetzt.

Seit den 1970er Jahren geht die Entwicklung der Landnutzung auch aus den Daten der Landwirtschaftszählungen hervor. Die Obstfläche hat zwischen den Jahren 1970 und 2000 um 56 % von 464 auf 726 ha zugenommen. Im selben Zeitraum hat der Wein an Bedeutung verloren: Die Anbaufläche sank von knapp 800 auf 657 ha ab. Lediglich in den 1970er Jahren hat die Weinbaufläche noch zugenommen. In diesem Jahrzehnt wurden nämlich große Waldflächen im Osten der Gemeinde für den Weinbau gerodet (mündliche Mitteilung Herr Andergassen, Herr Atz). Trotz dieser Rodungen hat der Wald bis in das Jahr 1990 einen leichten Zuwachs erfahren. Seither wurde eine leichte Abnahme verzeichnet. Im Jahr 2000 erreichte der Wald mit etwa 2500 ha eine ähnliche Flächenausdehnung wie im Jahr 1970. Ungenutztes Land kam im Jahr 2000 keines mehr vor. Sonstige Flächen nahmen 42 ha ein und sind seit 1970 stark zurückgegangen.

Dauerwiesen und Weiden sowie Ackerland sind fast vollständig aus dem Landschaftsbild verschwunden. Nachdem das Ackerland bereits im Jahr 1970 nur noch zehn Hektar einnahm, verzeichneten die Grünflächen seit dem Jahr 1970 einen rasanten Rückgang von 122 ha auf 9 ha im Jahr 2000. Dies ist ein Beleg dafür, dass der Obst- und Weinbau die flächenmäßig alleinige Dominanz erreicht haben, während die Grünlandwirtschaft fast vollständig verschwunden ist. Am Kalterer See wurden früher die Flächen südlich des Sees gemäht, ansonsten wuchsen im Umkreis des Sees vor allem Sträucher. Heute werden die Flächen am Nord-, West- und Ostufer touristisch und landwirtschaftlich genutzt, am Südufer wurde das Feuchtgebiet durch die Ausweisung des Biotops geschützt.

Bis gegen Ende der 1960er Jahre besaß jeder Landwirt Vieh. Die Wiesen zwischen dem Streuobst wurden gemäht sowie auch jene auf der Kalterer Höhe und auf der Mendel. Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft wurden die Zugtiere überflüssig. Zudem gingen viele Wiesen durch die Intensivierung und Ausdehnung des Obst- und Weinbaus für die Heunutzung verloren. Aus diesen Gründen hat die Viehwirtschaft stark an Bedeutung verloren. Die Zahl der Rinder ist seit dem Jahr 1959 von 403 auf 16 im Jahr 2000 zurückgegangen. Noch stärker ging im selben Zeitraum die Anzahl der rinderhaltenden Betriebe zurück: von 330 auf fünf. Der Anteil der rinderhaltenden Betriebe an der Gesamtzahl ist somit von 26 % im Jahr 1959 auf 0,6 % im Jahr 2000 gesunken.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist um knapp 33 % von 1275 im Jahr 1961 auf 859 im Jahr 2000 gesunken. Dabei hat kein kontinuierlicher Rückgang stattgefunden, eine starke Abnahme war bereits früh zwischen 1961 und 1982 zu verzeichnen. Seither blieb die landwirtschaftliche Betriebszahl in etwa unverändert.

Die Landwirtschaft in der Gemeinde Kaltern ist sehr kleinstrukturiert. Im Jahr 2000 besaß zwar nur ein Betrieb keine landwirtschaftliche Nutzfläche, aber erstmals überwog im Jahr 2000 die Zahl der Betriebe mit bis zu einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Dies wirkt sich auch auf die sozioökonomische Struktur der Betriebe aus: Der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe betrug im Jahr 2000 60 %, jener der Vollerwerbsbetriebe ist deutlich niedriger, hat aber seit 1982 wieder von 20 % auf knapp 37 % zugenommen.

Trotz dieser Entwicklung hat die Zahl der Erwerbstätigen im primären Sektor von 61 % im Jahr 1951 auf 15 % im Jahr 2000 abgenommen.

Eine wichtige Einkommensquelle stellt für viele landwirtschaftliche Betriebe der Urlaub auf dem Bauernhof dar. Im Zuge der Landwirtschaftszählung aus dem Jahr 2000 wurden 70 Betriebe mit Urlaub auf dem Bauernhof erfasst. Seither gewann dieses touristische Angebot weiter an Bedeutung (mündliche Mitteilung Herr Angonese, Herr Andergassen, Herr Atz).

© Universität Innsbruck | Impressum | Aktualisiert am: 22.12.2008

Dauerwiesen und Weiden

Grasfutterkulturen ohne Wechselwirtschaft, die den Boden für einen längeren Zeitraum als fünf Jahre belegen. Bei Dauerwiesen wird das Futter in der Regel nur durch Mähen geerntet. Bei Weiden hingegen wird es in der Regel durch weidendes Vieh genutzt.  Astat 2002

Rinder

Als Rinder gelten männliche und weibliche Zucht- und Schlachttiere, Milchkühe sowie andere Kühe, die als Masttiere und/oder Arbeitstiere gehalten werden.  Astat 2002

Wald

Als Wald gelten von forstwirtschaftlichen Bäumen oder Sträuchern bedeckte Flächen, deren Hauptprodukt das Holz ist. Dazu gehören auch jene mit Forstpflanzen bedeckten Flächen, auf denen zusätzlich oder nebenbei auch Grünpflanzen gedeihen. Darunter fallen auch die forstwirtschaftlichen Baumschulen, die für den Betriebsbedarf bestimmt sind. Auszuschließen sind die Edelkastanien und die Pappelhaine.  Astat 2002

Erwerbstätige

Personen mit 15 oder mehr Jahren aus der Wohnbevölkerung, welche selbstständig oder in einem Dienstverhältnis einer Tätigkeit nach gehen, durch die sie einen Ertrag oder eine Vergütung erhalten. Als erwerbstätig gelten auch jene, die ohne einen geregelten Arbeitsvertrag mit einem Familienmitglied mitarbeiten, welches eine selbstständige Tätigkeit ausübt (mithelfendes Familienmitglied).  Astat 2006b