Neue Dimensionen symbolischer Ethnizität. Eine komparative Analyse am Beispiel ethnolinguistischer Minderheiten im alpinen Friaul

Neue Dimensionen symbolischer Ethnizität. Eine komparative Analyse am Beispiel ethnolinguistischer Minderheiten im alpinen Friaul

Für die komparative Studie, welche kürzlich in der Zeitschrift "Österreich - Geschichte, Literatur, Geographie" (65) erschien, untersuchten die Autorinnen neue Dimensionen symbolischer Ethnizität in den deutschen Sprachinseln Tischlbong, Zahre und Plodn* sowie mehreren Ortschaften im Kanaltal. Dabei hat sich gezeigt, dass sich im Kanaltal ein soziales Geflecht der „gemeinsamen Besonderheiten“ anstelle sich ausschließender Grenzen gebildet hat. Es bedeutet keinen Widerspruch mehr, als italienischer Staatsbürger den Stolz auf die eigenen ethnolinguistischen und ethnokulturellen Wurzeln zu zeigen; im Gegenteil: Man möchte die Besonderheiten erhalten, ist sich der Unterschiede zu anderen Regionen bewusst und insbesondere die junge Generation schätzt es, diese Vielfalt ohne Abgrenzungen anzunehmen. Auch in den Sprachinseln zeigt sich die starke Verhaftung zu lokalen Besonderheiten. Zwar definiert sich die Bevölkerung – anders als die autochthonen KanaltalerInnen – klar als ItalienerInnen, die symbolischen kulturlandschaftlichen und linguistischen Elemente tragen aber maßgeblich dazu bei, den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Gemeinden zu stärken und die kollektive und individuelle Identität als TischlbongerIn, PloderIn oder ZahrerIn mitzuprägen. Auch hier zeigt sich kein Widerspruch: Man sieht sich nicht (mehr) zwischen mehreren Welten, sondern als eine gelungene Mischung derselben.

 

Der vorliegende Beitrag ist ein Teilergebnis des Projekts P32500, das vom österreichischen
„Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ (FWF) gefördert wird.

 

HASENAUER, L.; PLAUTZ, A.-M. (2021): Neue Dimensionen symbolischer Ethnizität. Eine komparative Analyse am Beispiel ethnolinguistischer Minderheiten im alpinen Friaul. In: Österreich - Geschichte, Literatur, Geographie (65), 3: 289-309.

 
 

* Hinsichtlich der Toponyme werden sowohl in den Sprachinseln als auch im Kanaltal unterschiedliche Bezeichnungen und Schreibweisen gebraucht:

Tischlbong = Timau
Zahre = Sauris
Plodn = Sappada

weitere Toponyme: siehe Anhang des Artikels

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