Alpine Kulturlandschaften neu gedacht

Alpine Kulturlandschaften neu gedacht

Während die „moderne“ deutschsprachige Geographie ihre klassische Domäne der Kulturlandschaft immer mehr vernachlässigt, haben andere Disziplinen, allen voran die Ökologie, diese als Forschungsrichtung neu entdeckt. Die Innsbrucker Arbeitsgruppe Demographic Change of the Alps (DCA) versucht mit ihren Grazer Kollegen dagegen die geographische Tradition der Kulturlandschaftsforschung weiterzuführen und in ihren Studien die Auswirkungen des aktuellen demographischen Wandels auf die alpine Kulturlandschaft miteinzubeziehen. Dabei war es zweifellos notwendig, alte Wege zu verlassen und neue Ansätze zu entwickeln. Peter Čede, Gerhard Deissl und Ernst Steinicke zeigen in ihrem Beitrag, der auf dem Konzept der Amenity Migration beruht, dass die neue Zuwanderung in alpine Peripherregionen im Osten der österreichischen Alpen kaum Fuß fassen kann. Der Grund liegt u.a. in der Persistenz einer – im Gegensatz zum übrigen Alpenraum – anderen Kulturlandschaft, die stark vom Großgrundbesitz geprägt ist. Leonie Hasenauer und Anna-Maria Plautz erweitern wiederum den Begriff der Kulturlandschaft, indem sie die Dimension der Linguistic Landscape miteinbeziehen und damit auch das Feld der regionalen Identitätsforschung betreten. Nachdem sie dieses neue Konzept im amerikanischen Journal National Identities am Beispiel des Kanaltals vorgestellt haben, erweitern sie hier die theoretische und empirische Perspektive mit Einbeziehung der von Tiroler und Kärntner Kolonisten im Hochmittelalter besiedelten deutschen Sprachinseln in Friaul.

 

Der vorliegende Beitrag ist ein Teilergebnis des Projekts P32500, das vom österreichischen
„Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ (FWF) gefördert wird.

 

ČEDE, P.; DEISSL, G.; STEINICKE, E. (2021): Entvölkerung und Großgrundbesitz. Die Sonderstellung des alpinen Ostens Österreichs. In: Österreich - Geschichte, Literatur, Geographie (65), 3: 272-288. 

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