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Call for Papers: Zibaldone „Matera und die Basilikata“

Die Herbstausgabe der Zeitschrift „Zibaldone“ widmet sich Matera, Kulturhauptstadt Europas 2019, und der süditalienischen Basilikata.

Matera und die Basilikata – Kulturhauptstadt Europas 2019

Zibaldone. Zeitschrift für italienische Kultur der Gegenwart 66/2018


Die Nominierung Materas zur Kulturhauptstadt Europas 2019 ist Anlass, die Herbstnummer 2018 von Zibaldone der Basilikata zu widmen. Die dünn besiedelte Region ist für ihr UNESCO-Weltkulturerbe der Sassi, die Höhlensiedlungen und Felsenkirchen, sowie abwechslungsreiche karstig-bergige wie fruchtbar-mediterrane Landschaften bekannt.

Spätestens Ernesto de Martinos anthropologische Studien haben die für Zentraleuropäer archaisch anmutende Volksfrömmigkeit, Armut und Epidemien aufgearbeitet. Heute gehören die Pilgerfahrten der schwarzen Madonna zum Monte di Viggiano, mittelalterliche Klöster wie jenes in Anglona und v.a. archäologische Museen zu touristischen Attraktionen.

Von Interesse ist aber auch die neuzeitliche Literatur-, Musik- und Sprachgeschichte, etwa von Venosa und Valsinni (Gesualdo, Isabella Morra), den arbëreshë-Gemeinden der Provinz Potenza (albanische Minderheit) und rund um populare Traditionen der cupa cupa (Stabreibtrommel) und Tarantella (lucana), die heute bei Folk- und Rockbands wie Ragnatela oder Le Mani zum Einsatz kommen. Nicht zu vergessen sind die Mythen der in den Hochebenen umherziehenden Hirten und Briganten sowie eine massive Emigration (u.a. nach dem Erdbeben von Montemurro, 1857), die die Popularliteratur prägen, aber auch wichtige Intellektuelle wie der poeta ingegnere Leonardo Sinisgalli, der Soziologe, Poet und Politiker Rocco Scotellaro oder der Italianist Giuseppe De Robertis.

Nicht zuletzt dieses Erbe hat, lange nach Carlo Levis Verbannung (1935/36) bzw. Literarisierung der Basilikata (Cristo si è fermato a Eboli, 1945), die Aufwertung der Region geprägt, wenn auch im Schatten des benachbarten Apulien. Die Mythen, bäuerlichen Traditionen und kleinteiligen Strukturen der Basilikata passen in den Geist der Zeit rund um Themen der Nachhaltigkeit. Diese Linie macht auch die Kulturhauptstadtinitiative stark, die im Vergleich zu anderen Antragstellern weniger auf große internationale Namen als auf einen hohen Prozentsatz von Kulturprojekten aus der Region setzt (50%).

Freilich ist die Basilikata mit ihrem baulichen Erbe nicht nur Anreiz für Literatinnen (Maria Pina Ciancio, Rosa Maria Fusco, lucaniart.wordpress.com) und Künstler (Teatro dei Sassi, Krikka Reggae) in und aus der Region. Vor einigen Jahren hat gar Francis Ford Coppola in Bernalda, dem Ort seiner Vorfahren, ein Luxushotel eingerichtet und auch die Lucana Film Commission zielt mit dem Projekt Terramare, Cinecamp Euromediterraneo auf ein reiselustiges Publikum, u.a. mit (Musik-)Komödien wie Basilicata coast to coast (2010) und Wine to Love (2018) oder Mafiafilmen wie Terra bruciata (1999), die mit Alessandro Gassman, Ornella Muti und Michele Placido nationale Casts aufweisen. Dies gilt wohl klassischerweise auch für Kriminalromane von lokalen Autoren, etwa Giuseppe Colangelos Creta rossa (2014) und Giuseppe Ruggieros Viale dei Giardini (2018).

Die Basilikata steht für ein spannungsreiches Verhältnis mit der Mediengeschichte: Dem Erdbeben von Irpinia (1980) mit Tausenden Opfern wurde in Form zahlreicher künstlerischer Bearbeitungen gedacht, u.a. von Gianni Amelio und Mario Trufelli. Die Anzahl an Produktionen des Autorenkinos, die die Basilikata zur Protagonistin machen, sind begrenzt: Neben Francesco Rosis Cristo si è fermato ad Eboli (1979) und Tre fratelli (1981) sowie Lina Wertmüllers I Basilischi (1963), zeigen weniger kanonische Filme wie Luigi Zampas Gli anni ruggenti (1962), Brunello Rondis Il demonio (1963) oder Carlo Di Palmas Qui comincia l’avventura (1975) einen latent archaischen Süden. Viele andere hier gedrehte Filmen repräsentieren gleich das ‚Andere‘: Lattuada, die Brüder Taviani, Tornatore und Placido imaginieren das Sizilien oder Russland von einst. Legion sind v.a. Filme, die rund um Matera christlich-biblische Themen umsetzen, neben Pasolinis Vangelo secondo Matteo (1964) u.a. Gibsons The Passion (2002) und Bekmambetovs Ben Hur (2016).

Für Zibaldone 66/2018 sind Beiträge erwünscht, die vor dem Hintergrund des skizzierten Panoramas direkt die Kulturhauptstadt matera-basilicata2019.it oder aber die Region im Kontext ihrer Kulturgeschichte beleuchten. Dies kann in Form von Essays, Interviews, künstlerischen Beiträgen, Reportagen oder Rezensionen geschehen. Vorschläge sind in Form eines kurzen Resümees (max. 1500 Zeichen) bis zum 15.03.18 an daniel.winkler@univie.ac.at zu schicken; die fertigen Texte (lange Beiträge max. 18.000, kurze bis 10.000 Zeichen) sind bis zum 15.07.18 abzugeben.