FSP-Forschungsstipendien

Der Forschungsschwerpunkt schreibt  mit Unterstützung des International Relations Office jährlich drei Forschungsstipendien aus, die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern einen vierwöchigen Forschungsaufenthalt in Innsbruck ermöglichen. Ziel des Programms ist es, die geförderten Promovierenden und/oder Post-Docs mit Innsbrucker Forschenden in einen intensiven Austausch zu bringen. Die Stipendien weisen jährlich wechselnde Themensetzungen auf, die mit konkreten Forschungsinteressen, Projekten und Einrichtungen innerhalb unseres Verbundes verschränkt sind. Integraler Bestandteil jeden Jahrgangs ist ein Workshop, in dem die Stipendiatinnen und Stipendiaten ihre Forschungsvorhaben vorstellen und mit anderen eingeladenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Austausch treten.

Die Stipendien in Höhe von 1.000 € kommen für Unterkunfts- und Verpflegungskosten auf, zusätzlich werden die Reisekosten übernommen. Zudem stellen wir einen Arbeitsplatz zur Verfügung und sind  bei der Wohnungssuche behilflich.

Die Ausschreibung für das Jahr 2019/2010 folgt voraussichtlich im Herbst 2019.

2018/2019 | Mehrsprachigkeit

Mehrsprachigkeit als Thema der Forschung hat sich in den letzten Jahren in vielen geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen deutlich intensiviert, verdichtet und ausdifferenziert und spielt nicht zuletzt im Forschungsschwerpunkt eine wichtige Rolle. Die wahrgenommene Beschleunigung von Globalisierung durch Urbanität, Migration und mediale Vernetzung sowie die damit einhergehende zunehmende Flexibilität und Pluralität sozialer Zugehörigkeiten sind zentrale gesellschaftliche Auslöser des steigenden Forschungsinteresses. Mehrsprachigkeit als beobachtbares Phänomen in religiösen, politischen, administrativen, wissenschaftlichen und literarischen Texten und anderen kulturellen Zeugnissen hingegen hat eine lange Geschichte. Entsprechend notwendig ist es, Fragen der Mehrsprachigkeit über Disziplinengrenzen hinweg zu diskutieren.

Die diesjährigen Stipendien stehen im Kontext der multidisziplinären Veranstaltungsreihe „Mehrsprachigkeitsmai“, die das einschlägige Kolloquium ausrichtet, und sind unter anderem mit dem Workshop „Mehrsprachigkeit“ verbunden.

Unsere diesjährigen Stipendiatinnen sind: 

  • Roswitha Kersten-Pejanić (Universität Rijeka) | „Linguistic landscapes at the margins: Performativity of ethnic belonging and memory politics in Croatian postconflict border regions“
  • Jana Maria Weiß (FU Berlin) | „‚Eins und Tausend‘. Paul Celans Poetik der Mehrsprachigkeit“
  • Gina Wrobel (Ohio State University) | „Beyond (and in) the Classroom: Exploring Refugees’ Multilingual Literacy Practices in Germany“

2017/2018 | Superdiversität

Im Kontext von Migration und Mobilität kam und kommt es zu einem vielschichtigen und mehrfach ungleichen Zugang zu materiellen und immateriellen Ressourcen wie der Teilhabe am öffentlichen Diskurs, aber auch sozialen Symbolen, Sprachen und Literatur. Gesellschaftliche Pluralität entwickelt sich somit entlang unterschiedlicher Kriterien und Differenzierungs­merkmale. Diese komplexe Situation hat sich zur postmigrantischen Normalität entwickelt, die nicht nur für die Migrantinnen und Migranten, sondern auch für die mitteleuropäischen Aufnahmegesellschaften konstitutiv geworden ist. Das Paradigma der Superdiversität – strukturell verwandt etwa mit dem der Intersektionalität – soll als konzeptioneller Bezugspunkt zur Diskussion dessen dienen, was Gesellschaft unter den Bedingungen von Grenz- und Migrationsregimen ausmacht.

Die Stipendien standen in Verbindung mit dem Workshop „Superdiversity and Transnational Capital: Current Debates and Tendencies in Migration Research“.

Unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten waren: 

  • Marlene Gärtner (Universität Konstanz) | „Narrating migration at home and abroad. Global power dynamics and their master narratives in Cameroon and the Cameroonian diaspora“
  • Miriam Gutekunst (LMU München) | „Das Regieren der Migration durch Heirat. Aushandlungen, Konflikte und transversale Bewegungen an Europas Grenzen“
  • Dillon Newton (University of Salford) | „Migration, Capital and Belonging: A Narrative Exploration of Longsight, Manchester“
  • Tanja Višić (Max-Weber-Kolleg Erfurt/Ludwig-Maximilians-Universität München) | „Ethnography of living arrangements, informal work and the transnational care: Experiences of domestic workers from the former Yugoslavia in Germany“

2016/2017 | Erzählen

Der Mensch ist ein „storytelling animal“. Erzählen ist auch soziales Handeln – und nicht zuletzt ein Akt der Selbstherstellung und Selbstdarstellung. Die Erzählung, so scheint es, herrscht in einem eigenen Reich; sie kann, muss sich aber nicht um Kongruenz mit der äußeren Wirklichkeit bekümmern. Dabei verfügt das Erzählen selbst über keine intrinsischen Wahrheitszeichen. Vielmehr mischen sich darin Elemente von Wahrheit, Anschein, Hörensagen, Unwissenheit, Irrtum und Lüge. Wer vom ‚homo narrans‘, vom erzählenden Menschen spricht, denkt den Menschen in seinem Vermögen, zu der Wirklichkeit, in der er lebt, sowohl ja als auch nein sagen zu können, moralisch gewendet: zu lügen. Oder genauer: die Differenz zwischen real und irreal, wahr und falsch auszusetzen, aufzuheben, mit ihr zu spielen.

Die Stipendien standen in Verbindung mit dem Workshop „Erzählen zwischen Fakt und Fiktion“.

Unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten waren:

  • Mario Huber (Universität Graz) | „Von gefühltem Unbehagen bis zur juristischen Krise: Erzählen zwischen Faktualem und Fiktion in der Weimarer Republik“
  • David Schmiedel (Universität Magdeburg) | „Analysing Beliefs Religion And Hallowing Attributions in Modern Society“
  • Franziska Stürmer (Universität Würzburg) | „Transkulturelle Identitätskonstruktion im Familienroman der Gegenwart“

2015/2016 | Theorie

In seiner vielbeachteten Studie „Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte“ (2014) beschäftigt sich Philipp Felsch mit einschlägigen Theorien des späten 20. Jahrhunderts nicht theoretisch bzw. diskursiv, sondern erzählt deren Rezeptionsgeschichte, transformiert Theorie mithin in ein Narrativ, das dieser keine überzeitliche Bedeutung, sondern eine spezifische Geschichtlichkeit zuschreibt. Auf diese Weise wird das zumeist im akademischen Umfeld angesiedelte, aber keineswegs auf die Universitäten beschränkte Interesse (auch) für (unverständliche) Theorien zeit- und verlagsgeschichtlich kontextualisiert. So wird deutlich, dass und wie Theorie in einem bestimmten Milieu zu einer bestimmten Zeit nicht nur das Denken, sondern auch die Einstellungen und die Identitätspolitik vieler Einzelner prägte. Diesen Ansatz nehmen wir zum Anlass, den gegenwärtigen Stellenwert von Theorie im akademischen und außerakademischen Umfeld genauer zu erkunden.

Die Stipendien standen in Verbindung mit dem Workshop „Nun sag, wie hast du’s mit der Theorie?“.

Unsere Stipendiatinnen waren: 

  • Nora Bischoff (FU Berlin) | „‚Mein sehnen war ganz for anders.‘ – Wanderschaft als alternativer Lebensentwurf im 20. Jahrhundert?“
  • Katharina Kreuzpaintner (HU Berlin) | „‚Ideologie der Ideologiefreiheit‘. Theoriebildung von der Germanistik zur Medienwissenschaft am Beispiel des Deutschen Seminars der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 1960–1990“
  • Eva-Maria Müller (GCSC Gießen) | „Othering Mountains: Postcolonial Perspectives on Literatures of the Canadian Rockies and the Austrian Alps“


Zu früheren Forschungsstipendiatinnen und Forschungsstipendiaten (2011–2014) 

Stipendien 2014

  • Edith Lupprich (Universidad Nacional de Tucumán) | „Nation, Stereotyp und Macht in zeitgenössischen Diskursen zwischen Argentinien, Deutschland und Österreich“
  • Mateusz Orszulak (LMU München) | „Representations of the Ottoman Turks – the Question of Cultural Identity in Travel Accounts of the Sixteenth Century: Italy and the Habsburg Empire in the Context of Early Modern Globalization“
  • Franka Schneider (Humboldt-Universität zu Berlin) | „Urbane Folklore. Volkskunde als Wissensgeschichte des Populären? Das Beispiel Tracht in Berlin 1889–1945“

Stipendien 2013

  • Fabio Guidali (Università degli Studi di Milano) | „Intellektuelle Vereine, interkulturelle Wahrnehmungen und die Konstruktion einer europäischen Identität am Beispiel der Société européene de culture und der Zeitschrift ‚Comprendre‘ (1950–1960)“
  • Mirjam Neusius (Friedrich-Schiller-Universität Jena) | „Die deutsche Kultur im Widerstreit der Interessen im Mailand der Restauration (1815–1830)“

Stipendien 2012

  • Katherine Roy (University of Liverpool) | „1001 Retellings: Emily Ruete’s Memoiren einer arabischen Prinzessin in a literary context“
  • François Dupuy (Universität Cheikh Anta Diop Dakar) | „Interkulturelle Vermittlung zwischen dem gegenwärtigen Afrika und Europa. Schwerpunkt: literarische Übersetzung“

Stipendien 2011

  • Nadja Thoma (LMU München) | „Zugehörigkeitskonstruktionen Jugendlicher und deren sprachliche Implikationen am Beispiel der Rezeption des deutschsprachigen islamischen Rappers Ammar114 in Youtube“
  • Paul Bauer (Karls-Universität Prag) | „Territory and social memory in western Bohemian Borderlands after 1990. The post socialist management of tangible and intangible heritage of czechoslovakian German“
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