Celebrating New Zealand oder Aotearoa? Politische Rituale und Postkolonialismus

 Gastvortrag: Celebrating New Zealand

Gastvortrag von Prof. Brigitte Bönisch-Brednich (Victoria University of Wellington, Neuseeland), Visiting Fellow am FSP Kulturelle Begegnungen - Kulturelle Konflikte

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Neuseelands Bevölkerung stark verändert: das Land ist so multikulturell wie nie zuvor. Gleichzeitig hat sich der politische Einfluss der indigenen Maori verstārkt und damit einen intensiven politischen und kulturellen Prozess von postkolonialen und dekolonialen Verhandlungen eingeleitet. Das Land ist gleichzeitig bi-kulturell und multikulturell, was Spannungen auslöst und intensive Diskussionen zur nationalen Identität erfordert. Einerseits wird es als ein Beispiel für Superdiversity (Spoonley/Vertovec) verhandelt, andererseits als ein Vorbild für ein dekoloniales Politikverständnis in sogenannten Settler Societies. Ein Ergebnis davon ist, dass das Land zunehmend als Aotearoa New Zealand bezeichnet wird, um den offiziellen Status einer bikulturellen zweisprachigen Nation auszudrücken. Diese Veränderungen bilden sich in einer Reihe von offiziellen und inoffiziellen Repräsentationen ab. Der Vortrag wird diese kulturellen und politischen Spannungen am Beispiel der beiden Natonalfeiertage von Aotearoa Neuseeland analysieren.  

Eine Ritualanalyse ermöglicht tiefe Einsichten in das kollektive Projekt, Neuseelands Identität und postkoloniale Realität neu abzubilden, zu feiern und zu würdigen. Dieses Projekt erzeigt grosse politische Spannungen und Verunsicherungen, die bei offiziellen Anlässen rituell aufgefangen werden müssen. Nationale Feiertage können im Sinne von Clifford Geertz als Gelegenheiten betrachtet werden, an dem ein Land Geschichten über sich selbst, für die eigene Bevölkerung erzählt. Bei Settler Societies (Kanada, USA, Australien und Neuseeland) geht es an diesen Tagen immer darum, die Geschichte und bleibenden Auswirkungen einer intensiven Kolonisation auf einer öffentlichen Platform zu verhandeln. Anhand von Waitangi Day und ANZAC Day, und ihren wichtigsten politischen Ritualen können wir diese Prozesse nachvollziehen und veranschaulichen.

Organisatorisches

Zeit: 17.10.2022, 18:00 Uhr

Ort: New Orleans Saal, Innrain 52 (Hauptgebäude), 1. Stock

Um Anmeldung bis zum 14. Oktober 2022 per Mail an fsp-kultur@uibk.ac.at wird gebeten. 

Vortragende

Prof. Dr. Brigitte Bönisch Brednich lehrt und forscht als Kulturanthropologin an der Victoria University of Wellington – Te Herenga Waka, Neuseeland. Ihre Forschungsinteressen sind First World Migration, Narrative Analyse, Ethnographisches Schreiben und die Kultur(politik) Neuseelands. Zuletzt zu diesem Thema erschienen ist Reconciliation, Representation and Indigeneity: ‚Biculturalism‘ in Aotearoa New Zealand (2016 mit Adds et al.). Brigitte Bönisch-Brednich ist Visiting Fellow am FSP Kulturelle Begegnungen - Kulturelle Konflikte. 

 

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