An der Universität Innsbruck hat sich erstmals eine Frau für das Fach Informatik habilitiert. Barbara Weber erwirbt damit die Lehrbefugnis für Informatik und trägt zukünftig den Titel Privatdozentin. Die 32-jährige Tirolerin forscht und lehrt als Universitätsassistentin im Arbeitsbereich "Quality Engineering" am Institut für Informatik.
 

"Die letzten fünf Jahre waren sicherlich sehr arbeitsintensiv und auch nicht immer ganz leicht", resümiert die frisch habilitierte Informatikerin Barbara Weber. "Allerdings habe ich auf meinem Weg auch viel Unterstützung erhalten, so etwa eine Nachwuchsförderung der Universität Innsbruck und Projektgelder des Tiroler Wissenschaftsfonds. Außerdem war es sicher von Vorteil in einer Arbeitsgruppe zu forschen, die von einer Frau geleitet wird", sagt Weber, die seit 2004 am Innsbrucker Institut für Informatik arbeitet. Dabei beschäftigt sie sich mit hochaktuellen Fragen wie der flexiblen IT-Unterstützung von Geschäftsprozessen. "Besonders in Zeiten der globalen Wirtschafskrise ist die laufende Verbesserung der geschäftlichen Abläufe unumgänglich. Konkret versuche ich Ideen und Konzepte der agilen Softwareentwicklung auf die Modellierung und Ausführung von Geschäftsprozessen zu übertragen und weiterzuentwickeln", sagt Barbara Weber über ihr Forschungsgebiet. Prof. Ruth Breu, die Leiterin der Arbeitsgruppe Quality Engineering am Institut für Informatik, freut sich für ihre Mitarbeiterin: "Sie ist unglaublich engagiert, arbeitet sehr eigenständig und kümmert sich auch intensiv um die Anliegen anderer."

 

Interesse wecken

Die Informatik ist noch immer ein Männerberuf, nur etwa ein Zehntel der Studierenden an der Uni Innsbruck ist weiblich. In anderen Ländern liegt dieser Anteil bereits bei einem Drittel. "Als Frau muss man sich den Respekt bei Studierenden und Kollegen laufend und immer wieder hart erarbeiten", sagt Weber. Dies sei bedauerlich, weil in der Wirtschaft gerade im IT-Bereich die sogenannten weiblichen Attribute wie Kommunikationsfähigkeit und Empathie zunehmend an Bedeutung gewinnen. "Das Interesse für technische Fächer muss weiter gehoben werden, und zwar bereits ab dem Kindergarten. Hier kann die kindliche Neugier genutzt werden, um Kindern zu zeigen, wie spannend und erfüllend Technik sein kann", sagt die Informatikerin. "In den Schulen sollte der Informatik und den Naturwissenschaften entsprechend Platz eingeräumt zu werden, um das Interesse der Schülerinnen und Schüler an diesen Fächern zu steigern." Neben den guten Berufschancen gelte es aber auch die große gesellschaftliche Bedeutung der Informatik aufzuzeigen. Mittlerweile ist sie aus keinem Lebensbereich mehr wegzudenken. Darüber hinaus sei es wichtig Frauen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und zu ermutigen, sich nicht durch Vorurteile abschrecken zu lassen. "Initiativen der Bundesregierung wie Sparkling Science und fForte spielen hier eine ganz entscheidende Rolle. Auch Events wie die Lange Nacht der Forschung tragen dazu bei, die Berührungsängste und die Scheu vor Wissenschaft und Technik abzubauen", sagt Weber.

 

Forscherinnenkarriere

Barbara Weber wurde 1977 geboren. Sie studierte an der Universität Innsbruck Betriebswirtschaftslehre und promovierte 2003 im Fachbereich Wirtschaftsinformatik. Seit 2004 arbeitet Barbara Weber am Institut für Informatik der Universität Innsbruck und leitet hier im Arbeitsbereich Quality Engineering einen eigenen Forschungsbereich zur flexiblen IT-Unterstützung von Geschäftsprozessen und Arbeitsabläufen. Künftig will sie weiterhin mit internationalen Spitzengruppen forschen und publizieren und die weltweiten Kooperationen intensivieren. Langfristiges Ziel ist eine Professur im In- oder Ausland. Frauen, die einen ähnlichen Weg einschlagen möchten, empfiehlt Barbara Weber: "Viel Durchhaltevermögen, nie aufgeben und immer an sich glauben. Darüber hinaus viel in die internationale Vernetzung investieren und möglichst früh Kontakte zu Spitzengruppen aufbauen", so Barbara Weber.

 

Innsbrucks Informatik: Eine Erfolgsgeschichte

Vor acht Jahren wurde an der Universität Innsbruck mit tatkräftiger Unterstützung des Wissenschaftsministeriums sowie von Land Tirol und Tiroler Zukunftsstiftung das Institut für Informatik gegründet, das seither als zentrale Schaltstelle für alle Fragen der Informationstechnologie in Westösterreich fungiert. Bachelor-, Master- und Doktoratsstudiengänge sowie ein Lehramtsstudium für Informatik und Informationsmanagement bieten jungen Menschen in Tirol die Chance, sich auf hohem wissenschaftlichem Niveau auf die Herausforderungen der modernen Wissensgesellschaft vorzubereiten. Schon während des Studiums können die Studierenden dabei in praxisnahen Projekten Erfahrungen sammeln und auch potentielle Arbeitgeber kennenlernen. Das Institut ist überdies an zahlreichen großen, internationalen Forschungsprojekten beteiligt und arbeitet intensiv an den neuesten Entwicklungen im Bereich der Informationstechnologien mit.

  

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