Zusatzmaterial zum Artikel "ROUND TABLE" -
Intrinsisch motiviert

Zwei junge Forscherinnen und zwei Nachwuchswissenschaftler der Universität Innsbruck über ihre Karrierewege, unterschiedliche Arbeitsweisen und nächtliche Arbeitszeiten sowie die Probleme, ihre Fachgebiete am Stammtisch zu erklären.

Herr Danzl, Sie haben sowohl Medizin als auch Physik studiert. Nun denkt man bei einem Medizinstudium doch an eine anschließende Karriere als Arzt, Sie sind jetzt aber wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Experimentalphysik. Wie kam es dazu?

Johann G. Danzl: Ich hatte schon immer ein starkes Interesse an fundamentalen Zusammenhängen. Begonnen habe ich mit dem Medizinstudium, das auf der einen Seite den Arztberuf möglich macht, auf der anderen aber auch eine breite Ausbildung in biomedizinischen und humanwissenschaftlichen Bereichen bietet. Nach zwei Jahren entstand der Wunsch, tiefer in die naturwissenschaftlichen Grundlagen zu gehen, und so begann ich, parallel Physik zu studieren. Nach dem Abschluss des Medizinstudiums wollte ich mir eine solide Grundlage in den experimentellen Methoden und der Denkweise der Physik erarbeiten, die Wahl fiel auf die Quantenphysik im Rahmen einer Diplomarbeit. Daraus ergab sich ein wissenschaftlich sehr spannendes Projekt. Diese Herausforderung wollte ich dann auch annehmen, das musste ich machen. Vielleicht werde ich auch die beiden Disziplinen in zukünftigen Forschungsprojekten kombinieren.

Sie haben ein Projekt erwähnt, an dem Sie mitgearbeitet haben. Projekte, die für Sie alle wichtig sind – entweder um in einem unterzukommen oder um selbst welche an Land zu ziehen. Ist eine wissenschaftliche Karriere für junge Forscher ohne diese Projekte eigentlich möglich?

Florian Schaffenrath: In meinem Fall wäre es ohne die Möglichkeit, über Projekte an der Uni zu bleiben, nicht gegangen. Wir sind ein kleines Institut, das ist aber kein Innsbrucker Phänomen, sondern Latinisten und Gräzisten haben weltweit kleine Institute. Insofern ist der Pool an zur Verfügung stehenden Stellen gering. In meinem Fall war dann das FWF-Projekt „Geschichte der lateinischen Literatur in Tirol“ sozusagen der Startschuss. Ich konnte publizieren, war auf Kongressen und Tagungen und bin langsam in den Wissenschaftsbetrieb hineingewachsen. Ohne das Projekt wäre es nicht möglich gewesen, denn zu meiner Zeit gab es keine Aussicht auf eine reguläre Universitätsstelle.

Im Gegensatz zu Herrn Schaffenrath kommen Sie aus einer Studienrichtung, die sehr viele Studierende hat. War es dort schwieriger, im Wissenschaftsbetrieb Fuß zufassen?

Julia Hautz: Auch bei uns sind die Ressourcen relativ beschränkt. Die meisten meiner bisherigen Stellen waren Stipendien- und Drittmittelstellen. Auch in der Zukunft wird viel davon abhängen, ob ich weiter Drittmittel generieren kann. Vom Verlauf her war es aber auch auf der SoWi ähnlich – ein sehr interessantes Diplomarbeitsprojekt, bei dem es durch den Betreuer ermöglicht wurde, weiter daran zu arbeiten. Das konnte ich mit der Dissertation verbinden, während dieser Zeit haben sich neue Projektmöglichkeiten ergeben usw. – von Stufe zu Stufe also.

Ist bei einem Massenstudium nicht die Konkurrenz größer?

Julia Hautz: Im wissenschaftlichen Betrieb habe ich nicht das Gefühl. Wenn man ein Interesse hat und zeigt, dass man an einem Projekt arbeiten möchte, gibt es Möglichkeiten, am Institut zu bleiben. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die Drittmittelfinanzierungen suchen, negative Rückmeldungen bekommen und dann in die Wirtschaft gehen.

Wie ist das bei den Pharmazeuten?

Daniela Schuster: Pharmazeuten haben oft die Apotheke im Hinterkopf, vor allem zu Studienbeginn, da viele nicht wissen, was im Forschungsbereich möglich ist. Spätestens im letzten Studiendrittel öffnen sich viele Türen. Für mich war es nicht so schwierig, in die Wissenschaft hineinzukommen. Es gab viele Projekte, die Konkurrenz war aber auch nicht so groß, da eben viele in die Apotheke gehen. Insofern bleiben uns weniger Wissenschafter als wir gerne hätten.

Johann G. Danzl: Das ist ein wesentlicher Punkt – die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Schon auf der Ebene eines Nachwuchswissenschaftlers, der Mitarbeiter akquirieren muss, ist es einer der wichtigsten Punkte für den Erfolg. Und da ist es nicht so, dass die guten Leute Schlange stehen. Gute Leute, die begeistert sind, Ideen haben, etwas weiterbringen wollen, sind immer willkommen.

Kann es auch daran liegen, dass man heute für eine wissenschaftliche Karriere von sich aus aktiv sein muss, einmal bei diesem Projekt, einmal bei einem anderen ist – und dass dies junge Leute abschreckt?

Daniela Schuster: Das Problem ist sicher der Einstieg, bis ein Projekt genehmigt wird. Ein Projekt wird eingereicht, dann wird es genehmigt oder nicht, wenn es genehmigt wird, gibt es eine Frist, bis es los geht. Da muss man sozusagen Stand-by stehen, muss auch spontan sein. Wenn ein Projekt läuft, sich neue Ressourcen auftun, dann geht es besser.

Julia Hautz: Der Einstieg wird auch schwieriger. Bei uns wurde vom Doktoratsstudium auf das PhD-Programm umgestellt. Das ist ein Vollzeitstudium, für zusätzliche Projektarbeiten bleiben da nicht mehr viele Möglichkeiten, da das Studium aufwändig ist. Das schreckt sicher noch dazu ab. Jetzt muss die Entscheidung, in der Forschung zu bleiben, bewusster getroffen werden.

Kamm man heute noch von einer klassischen wissenschaftlichen Laufbahn sprechen?

Johann G. Danzl: In den Naturwissenschaften ist es gang und gäbe und auch sinnvoll, dass man sich unterschiedliche Dinge anschaut. Eine durchgängige Karriere von Diplomarbeit, Dissertation usw. an einem Institut ist bei uns nicht mehr die Regel, die Laufbahn spielt sich auf verschiedenen Instituten ab. Daher ist es wichtig, dass diese eine gute Ausgangslage für zukünftige Aufgaben bieten. Es ist eine wichtige Zeit,  sich in eine gute Position zu bringen, um später eigene Dinge erforschen zu können. Daher ist es sinnvoll, sich gute Gruppen, gute Universitäten auszusuchen. Es ist auch für unsere Uni und die österreichischen Universitäten wichtig, dass man sich an den besten orientiert, um für sehr gut qualifizierte (Nachwuchs-)Forscher attraktiv zu sein. Denn diese müssen sich in der Zeit, in der sie in Innsbruck sind, ihre Zukunft aufbauen – der Qualitätsanspruch ist daher wichtig.

Florian Schaffenrath: Natürlich ist es wichtig, sich zu überlegen, was mir später etwas bringt – welche Gruppe, welche Universität. Ein wesentlicher Unterschied aber zwischen dem natur- und dem geisteswissenschaftlichem Betrieb ist der, dass bei den Naturwissenschaften die Eingliederung in eine Forschungsgruppe sehr wichtig ist. In den Geisteswissenschaften ist es doch immer noch die Einzelleistung – ich kann mir kein Team anstellen, das für mich ein Buch liest. Lesen muss ich es selbst.

Johann G. Danzl: Bei uns ist es die Kombination. Natürlich kann ich mir niemanden anstellen, der eine Sache für mich versteht. Gleichzeitig kann man komplexe Fragestelllungen nicht im Alleingang bewältigen.

Florian Schaffenrath: Natürlich. Auch in den Geisteswissenschaften wird es immer wichtiger, wie viele Drittmittel man einwirbt, wie viele Projekte man zustande bringt, wie viele Leute man anstellt. Dieses System, das aus den Naturwissenschaften kommt, ist zum System der gesamten Universität geworden. Das hat große Vorteile – es kommen viele junge Forscher in den Wissenschaftsbetrieb hinein, der Personalstand erweitert sich. Auf der anderen Seite gibt es für den Geisteswissenschaftler nach dem Doktorat eigentlich nur eine Aufgabe – die Habilitation. Auch wenn es in vielen Ausschreibungen inzwischen heißt „Habilitation oder vergleichbare Leistung“, de facto braucht es die Habilitation. Und diese eigentliche Aufgabe macht man nicht mit einem Team, das macht man in den Nachtstunden allein.

Johann G. Danzl: Trotzdem ist es wichtig, dass man gute Rahmenbedingungen, starke Diskussionspartner, eine intellektuell stimulierende Umgebung hat – und da ist die Parallelität gegeben.

Sind Sie mehr Einzel- oder Teamarbeiter?

Julia Hautz: Bei uns ist eine Habilitation kaum zu schaffen, wenn man alleine arbeitet. Der Trend geht weg von der Monografie hin zu kumulativen Arbeiten, auch die Doktoranden schreiben schon kumulative Dissertationen. Es geht darum, eine Anzahl von Journal Papers zu erreichen – wenn man das in einer gewissen Zeit schaffen will, geht es nicht ohne Team. Leute, die andere Methoden, einen anderen Zugang zu Daten oder einen anderen Theorieansatz haben. Wir arbeiten daher sehr stark in Teams. Dazu kommt noch die internationale Vernetzung, man schaut weltweit, wer am besten weiterhelfen kann. Daher ist es wichtig, ins Ausland zu gehen, internationale Konferenzen zu besuchen usw.

Daniela Schuster: Im Bereich der Life Sciences ist es innerhalb der Arbeitsgruppe wichtig, dass man zusammenarbeitet und sich Methoden beibringt. Fast noch wichtiger aber ist die interdisziplinäre Schiene. Die einen machen bestimmte Messungen im Labor, im nächsten Labor werden andere Messungen durchgeführt. Die Ergebnisse fließen zusammen, werden gemeinsam ausgewertet, man tritt in einen regen internationalen Dialog mit anderen Arbeitsgruppen. Das ist notwendig, um sinnvoll Forschung zu betreiben.

Johann G. Danzl: Bei uns ist die Teamarbeit das Um und Auf – wir publizieren auch gemeinsam mit den Theoretikern. Wir holen uns dort auch zusätzliche Expertise für unsere Experimente – bei mir sind es Kollegen aus Frankreich, England und den USA. Eine sehr gute Zusammenarbeit besteht mit den Theoretischen Physikern in Innsbruck – man bespricht zum Beispiel vorab Ideen oder interpretiert experimentelle Ergebnisse gemeinsam.

Sie waren fast alle während des Studiums im Ausland. Ist das heute notwendig für eine spätere wissenschaftliche Laufbahn?

Daniela Schuster: Ich war während des Diplomstudiums nicht im Ausland, beim Pharmaziestudium ist das auch nicht leicht, da wir einen relativ verschulten Studienplan mit wenigen Wahlmodulen haben – da gibt es häufig Probleme mit der Anrechenbarkeit. Mit ausländischen Universitäten ist es noch schwieriger. Im Fall der Pharmazie verliert man daher wahrscheinlich nur Zeit. Es ist aber ein spezielles Problem in unserem Studium.

Florian Schaffenrath: Ich kann es nur unterstützen. Es bringt sehr viel, wenn man schaut, wie der Betrieb woanders funktioniert. Es relativiert auch sehr viel. Ich gebe dir aber recht. Es ist immer mit einem Zeitverlust im eigentlichen Studium verbunden. Wenn ich in Innsbruck studiere und ein, zwei Jahre weggehe, beschleunigt das das Studium nicht. Früher hatte man auch noch eine relevantere Anrechenmethode, inzwischen ist die Verschulung, glaube ich, ziemlich vorangeschritten, ganz besonders krass ist es bei den Lehramtsstudien, die einen begleitenden pädagogischen Teil haben, der vom ersten bis zum letzten Semester einzuhalten ist. Das korrespondiert nicht mit dem sinnvollen Wunsch, sich andere Institutionen anzuschauen.

Julia Hautz: Bei mir war der Auslandsaufenthalt mit keinem Zeitverlust verbunden, das war aber der Spezialfall von „Internationale Wirtschaftswissenschaften“ mit einem Pflichtjahr im Ausland. Ein Grund für mich, das IWW-Studium zu wählen, und ich kann es nur jedem empfehlen. In unserem Studium ist das Auslandsjahr sehr gut eingebettet, die Anrechenbarkeiten mit den Partnerunis funktionieren sehr gut. Man hat dadurch eine super Chance, andere Blickwinkel und Kulturen kennen zu lernen. Es ergeben sich dadurch auch oft Zusammenarbeiten, die sich dann später fortsetzen.

Fällt es Ihnen eigentlich schwer, am Stammtisch zu erklären, was Sie arbeiten ist?

Florian Schaffenrath: Es ist nicht so, dass die Leute mit Latein und Griechisch nichts anfangen können. Das Problem ist aber oft, dass es mit Schule und dem früheren „Disziplinierungsfach“ Latein verbunden wird. Es taucht auch oft die Frage auf, ob denn nicht schon alle Texte übersetzt sind. Dass es ein Forschungsfach ist, in dem man neue Gebiete entdecken kann, mit neuen Theorien an die Texte herangeht, ist schwerer zu vermitteln, besonders am Stammtisch. Es hängt auch von der Uhrzeit ab, aber es geht.

Julia Hautz: Es ist auch zu einer frühen Uhrzeit schwierig zu erklären. Der Beruf an der Uni wird allgemein zuerst stark mit Lehre assoziiert. In meinem speziellen Fall geht es in der Forschung viel um Innovationsmanagement und Kundenintegration in Innovationsprozesse. Da kann man ganz gut mit Beispielen arbeiten: Zum Beispiel gibt es im Internet Tools, mit denen man sich Turnschuhe selbst designen kann – und wir untersuchen dann, wie sich das für Kunden und Unternehmen auswirkt.

Daniela Schuster: Früher war es schwieriger, heute geht es besser – es gibt ja CSI. Wenn ich sage, dass ich Computermodelle zur Vorhersage von bestimmten Aktivitäten von Molekülen erstelle, kann man sich das wie bei CSI vorstellen: Computersimulation, bei denen in den Menschen hineingezoomt wird. Bei mir sind die Untersuchungsobjekte halt kleiner. Mehr ins Detail gehe ich dann aber nicht mehr.

Johann G. Danzl: In der Regel stoße ich auf sehr gute Resonanz. Die Menschen sind fasziniert, wenn man sagt: Man schaut, was möglich ist, versucht neue Systeme für die Untersuchung zu erschließen, um zu testen, ob unsere Modelle von der Wirklichkeit stichhaltig sind. Natürlich liefere ich Beispiele. Wozu braucht es die Kontrolle von Quantenzuständen schon heute – z. B. für moderne Atomuhren, die auch die Grundlage für GPS-Systeme darstellen.

Florian Schaffenrath: Ihr habt es etwas leichter. Die Naturwissenschaften, speziell die Physik, und die Ökonomie sind in unserer Gesellschaft die Leitwissenschaften – sie sind in keiner Verteidigungssituation.

Johann G. Danzl: Man muss aber schon erklären, dass es etwas bringt. Sonst heißt es: Warum soll unser wertvolles Geld in etwas investiert werden, das weit weg von einer Anwendung ist? Warum nicht industriegetriebene Forschung machen? Wesentlich ist hier auch der Ausbildungscharakter. Wenn wir innovationsfreudige Betriebe haben wollen, brauchen wir bestens ausgebildete Arbeitskräfte, die es gewohnt sind, innovativ zu denken. Das werden sie zum Beispiel durch ein Doktorat in einer Arbeitsgruppe, die Spitzenforschung auf internationalem Niveau betreibt.

Auffallend bei Wissenschaftlern ist, dass Sie sehr viel in der Nacht arbeiten. Ist das bei Ihnen auch so?

Daniela Schuster: Da hat man Ruhe. Untertags am Institut hat man viele Besprechungen, man macht Lehre.

Julia Hautz: Wenn es Deadlines gibt, ist es egal, ob man schon 40 Stunden gearbeitet hat – auch wenn Wochenende ist, es muss fertig werden. Und es hört nicht auf. Wenn eine Deadline vorbei ist, kommt die nächste. Man sagt zwar immer, jetzt kommt eine ruhigere Zeit, ich schraube etwas zurück – nur kommt sie dann meistens doch nicht.

Florian Schaffenrath: In einem forschenden Umfeld ist die 40-Stunden-Woche vollkommen nebensächlich. Im Büro verwaltet man, beantwortet Emails, man wird angerufen, es kommt jemand auf Besuch, man hat eine Besprechung – zur Forschung kommt man da nicht. Daher verlagert man diese Arbeit in die Abend- und Nachtstunden, da hat man am Stück mehrere Stunden, um einen Gedanken zu fassen, ihn zu formulieren, ihn abzuwägen. Auf diese Zeit ist man angewiesen, und das ist auch gut so, wir arbeiten nicht nach einer Stechuhr.

Johann G. Danzl: Es ist ja auch die Frage, wie man bei einem Forscher die Arbeitszeit quantifiziert. Wenn ich irgendwo sitze und nachdenke – das ist ja de facto Arbeitszeit wie im Labor. Es kommt darauf an, die Freiheit zu haben, um kreativ zu sein. Schließlich ist jeder so begeistert von seiner Arbeit, dass man sie nicht in Stunden fassen will.

Die Begeisterung am jeweiligen Fach ist die also die Triebfeder. Passt auch das Umfeld?

Julia Hautz: Ich weiß nicht, wie die Situation bei anderen ist. Wir sind ein Massenstudium, die Betreuungsverhältnisse werden schwieriger und es bleibt weniger Zeit für Forschung. Man muss dann in der Zeit- und Ressourceneinteilung konsequent sein. Es ist nicht einfach, zwischen Forschung und Lehre so zu balancieren, dass man den Standard halten kann, den man halten möchte.

Johann G. Danzl: Wir haben den Anspruch, uns wissenschaftlich international zu messen. Da ist man natürlich desto besser, je besser das Umfeld ist. Wenn die Universität als gesamte diesen Anspruch hat, wird es leichter, gute internationale Leute herzubringen.

Julia Hautz: Wir hatten an der Betriebswirtschaftlichen Fakultät vor kurzem eine internationale Evaluierung, die Kollegen waren aus der Schweiz, aus England und Deutschland. Ein Kommentar der Kommission nach der Evaluierung war, dass die Mitarbeiter an der Fakultät unglaublich intrinsisch motiviert sein müssen, wenn man die Budgetsituation mit dem Output vergleicht.

Florian Schaffenrath: Das sollte man aber durchaus auch etwas kritisch sehen. Natürlich sind wir motiviert. Es ist aber verlockend, und es wird auch getan, statt eine Stelle zu vergeben, diese zu teilen und somit zwei Leute zu unterstützen. Die verhalten sich dann aber nicht so, dass sie 20 Stunden an der Uni arbeiten und 20 Stunden woanders. In den meisten Fällen sind die Leute so begeistert und so motiviert – weil es toll ist, was man machen kann –, dass man mit einer halben bezahlten Stelle mehr herausholt. Das kann sich unter Umständen Richtung Prekariat entwickeln.

Johann G. Danzl: Die Motivation, sich voll einzubringen, kommt aus der Begeisterung. Im Gegenschluss heißt das aber nicht, dass man sagen kann, Forscher arbeiten sowieso. Es macht daher für die Gesellschaft und die Universitäten sehr Sinn, dass man Karrierewege vorzeichnet, möglich macht – und diese sollten für die Leute attraktiv sein. Nur darauf zu vertrauen, dass Wissenschaftler aus Freude arbeiten, könnte unter Umständen zur falschen Selektion führen. Es könnte passieren, dass die Leute, die sehr gute Angebote aus anderen Bereichen bekommen, für den akademischen Bereich verloren gehen. Und das wäre sehr schade, wenn gut qualifizierte Leute abwandern – zum Nachteil der Gesellschaft und der Uni.

Daniela Schuster: Man darf nicht vergessen, dass wir noch jung sind. Irgendwann will oder kann man nicht mehr 60 Stunden arbeiten – irgendjemand zieht die Bremse.

Julia Hautz: Die Menschen werden heute auch immer flexibler und mobiler. Österreich ist mehr das einzige mögliche Umfeld für einen Arbeitsplatz. Man hat die Möglichkeit festzustellen, wo es in seinem Fachbereich die besten Bedingungen gibt und dann dorthin zu gehen – denn irgendwann ist intrinsische Motivation allein nicht mehr genug.

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