Struktureller Ausdruck von großen Rotationen in den Alpen

Orogene werden meist in Querprofilen parallel zur Einengungsrichtung studiert. Dabei werden Bewegungen aus der Profilebene und damit auch Rotationen um vertikale Achsen außer acht gelassen. In den Alpen spielen solche Rotationen um vertikale Achsen in den letzten 35 Millionen Jahren eine bedeutende Rolle. Zwischen 35 und 30 Millionen Jahren wurden die Alpen um 60 Grad im Uhrzeigersinn gedreht, und zwischen 30 und 15 Millionen Jahren um 30 Grad im Gegenuhrzeigersinn, wie in den vorangegangenen Projekten gezeigt werden konnte. Große Rotationsbewegungen um vertikale Achsen sind wahrscheinlich nur an der aktiven basalen Überschiebung der Alpen möglich und müssen an der nördlichen Front der Alpen in verschiedenen Zeiten zu stark unterschiedlicher Verkürzung geführt haben. Auch die Verkürzungsrichtung sollte sich, abhängig von der Rotationsbewegung ändern. In diesem Projekt untersuchen wir zum einen die paläomagnetische Aufzeichnung der Rotationen in entsprechend jungen Sedimenten der Südalpen, wo vollständige Sedimentabfolgen über den kritischen Zeitraum vorhanden sind, zum anderen den strukturellen Ausdruck der Rotationen an der nördlichen Stirn der Alpen. Die Einheiten, die tektonisch unter den nördlichen Kalkalpen liegen, wurden zwischen der Oberkreide (ca. 80 Millionen Jahre) und dem Miozän (ca. 15 Millionen Jahre) von ihrer Unterlage abgeschert und sollten die Rotationen des alpinen Orogens ab dem Zeitpunkt ihres Einbaus in das Orogen mitgemacht haben. Das kann paläomagnetisch nachgewiesen werden. Die Konsequenz großer tertiärer Rotationen sind sich in der Zeit ändernde Verkürzungsrichtungen und unterschiedliche Verkürzungsbeträge an der Front des alpinen Orogens. Wir werden den Stil der Verformung an den Grenzen zwischen und in den tektonischen Einheiten untersuchen, und versuchen, mit Hilfe von Profilen, Einengungsbeträge abzuschätzen. Aus der Kombination von paläomagnetischen und strukturgeologischen Daten kann auch der Anteil der Rotation bei der Translation der Alpen bestimmt werden.

Leitung: Ortner, Hugo

MitarbeiterInnen: Thöny, Wolfgang; Aichholzer, Silvia; Fischer, Monika; Pilser, Roland; Zerlauth, Michael

Finanziert durch: Fonds zur Förderung der wissenschaften (FWF), Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF)

Laufzeit: 2005 - 2008

Kooperationspartner: Robert Scholger, Department Angewandte Geowissenschaften und Geophysik, Lehrstuhl Geophysik, Montanuniversität Leoben