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Management und Design von digitalen Plattformen - Antrittsvorlesung Univ.-Prof. Dr. Steffen Zimmermann

Der Rektor gratulierte Professor Zimmermann und bezeichnete ihn als schon immer sehr weit vorausschauenden Wissenschaftler, dessen Karriere er schon seit einigen Jahren verfolge. Zimmermann sei durch seine herausragenden Leistungen in den vergangenen Jahren immer wieder positiv aufgefallen und ein Vordenker im Bereich Wirtschaftsinformatik geblieben.

Die Universität Innsbruck sei nur so gut, wie die einzelnen Kolleg*innen, erklärte der Rektor. Märk schloss seine Ansprache mit dem Appell, dass die Universität Innsbruck herausragende Kolleg*innen wie Zimmermann brauche und wünschte ihm weiterhin alles Gute für seinen Karriere.

Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft, Univ.-Prof. Dr. Matthias Bank betonte, dass er sich sehr über die fast vollständige Anwesenheit der Fakultät freue und mit Steffen Zimmermann die sehr dynamische Entwicklung der Fakultät weiter vorangetrieben werde. Man habe mit ihm eine Kernprofessur im Bereich Digitalisierung besetzen können. “Mit Steffen Zimmermann begrüßen wir einen Kollegen an der Fakultät, der sich engagiert, mitdenkt und vordenkt und da ist, um Sachen umzusetzen”, so Bank.

Roland Meier übernahm die persönliche Vorstellung und skizzierte in sehr humorvoller und wertschätzender Weise die Vita des Neuberufenen. Er freue sich, einen langjährigen Kollegen und auch Freund vorstellen zu dürfen. Zimmermann schlage die inhaltliche Brücke, die die Fakultät im Rahmen der Digitalisierungsoffensive brauche. “Wir schätzen uns glücklich, dich als Kollegen und Freund an unserer Seite zu haben”, schloss Meier seine Ansprache.

Zimmermann gab einen ersten Überblick über das Gebiet der Wirtschaftsinformatik und erklärte mit Augenzwinkern: “Wir reparieren keine Computer”. Wirtschaftsinformatik beschäftige sich vor allem damit, Geschäftsprozesse in Unternehmen zu gestalten. Im Kerngebiet gehe es darum, diese Prozesse durch den Einsatz von Informationssystemen effizienter zu gestalten und damit bestehende Geschäftsabläufe zu optimieren. Im Unternehmen sei die Schlüsselstelle des Wirtschaftsinformatikers jene, Kommunikationsdefizite die oftmals zwischen IT und der Fachabteilung bestünden, zu überbrücken. Diese Kenntnisse hätten in der heutigen Wirtschaft eine sehr hohe Nachfrage. Die Tier-Ebenen müssen laut Zimmermann aufeinander abgestimmt werden und hierbei sei die Frage, wie diese durch Informationssysteme unterstützt werden könnten und welche Technologie dabei zum Einsatz komme. Die rasante Entwicklung der Technologien in den letzten Jahren habe dazu beigetragen, dass wir eine digitale Transformation erleben in der die Leistungsfähigkeit von künstlicher Intelligenz und Blockchains stark zugenommen habe. Damit werden neue Technologien, neue Produkte und damit auch neue digitale Geschäftsmodelle erzeugt. Diese verdrängen alte Geschäftsmodelle vom Markt und verändern die Wirtschaft. Damit sei die Wirtschaftsinformatik von einer  unternehmensinternen Perspektive zu einer Disziplin geworden, die untersuche, wie neue digitale Geschäftsmodelle sich auf Individuen, Gruppen, Gesellschaft und Umwelt auswirken. Zimmermann sieht die Aufgabe der Wirtschaftsinformatik hierbei in der Analyse und des Schaffens einer nachhaltigen Digitalisierung von Unternehmen und Gesellschaft.

Sein Kernthema seien jedoch digitale Plattformen. Zimmermann erläuterte den Unterschied zwischen traditionellen Unternehmen und digitalen Plattformen: Traditionelle Unternehmen entwickeln sich anhand einer linearen Wertschöpfungskette während eine digitale Plattformen, wie beispielsweise AirBnB, Wohnraum vermitteln und Anbieter und Nachfrage zusammenbringen und damit Transaktionen ermöglichen. Die Wetttreiber bei digitalen Plattformen seien andere, nämlich Netzwerkeffekte und eine größte Tendenz hin zu Marktmacht durch eben diese.

Die Frage, die sich also stelle, sei, wie solche Unternehmen gesteuert werden können. Die lineare Wertschöpfung habe als Ziel immer die Maximierung der Effizienz dieser Wertschöpfungskette während eine Plattform als zweiseitiger Markt anzusehen sei, deren Wert steige, wenn die jeweils andere Gruppe auf der Plattform größer werde. Nutzer und Transaktionen seien hierbei die wichtigsten Größen um ein plattformbasierter Geschäftsmodell zu steuern. Auch der Lebenszyklus sei ein anderer: Man unterschiede zwischen Startphase, Wachstumsphase, und Reifephase für die jeweils andere Kennzahlen gebe.

Ein anderer wesentlicher Schwerpunkt sei das Design von Plattformen, wobei insbesondere die Kundenrezensionssysteme elementar wichtig seien da mittlerweile 90% aller Kaufentscheidungen von Rezensionen beeinflusst würden. Die Produkteigenschaften und Unsicherheit werden erst bei Nutzung Erfahrungseigenschaften klar und eben durch Kundenrezensionen sichtbar gemacht. Die Literatur habe sich bis jetzt sich vor allem die ökonomischen Auswirkungen angeschaut. Der zweite Block schaue die Treiber an und damit auch wer warum welche Rezensionen gebe.Es gibt laut Zimmermann viel Literatur zu den ökonomische Auswirkungen auf den Umsatz, aber die Forschungslücken seien vor allem das Design und insbesondere die Frage danach, welche Features das  Rezeptions,- und Kundenverhalten auf solchen Plattformen beeinflussen.

In diesem Bereich arbeitet Zimmermann zurzeit unter anderem Themen wie der  Implementierung eines Belohnungsprogramms (Local Guides) und dessen Wirkung auf den Kunden und hervorgehobene Kundenrezensionen und die Frage danach, wie diese das Kaufverhalten beeinflussen. Als Hauptfrage ergebe sich daher, wie solche Rezensionssysteme zu gestalten ohne dass sie an Aussagekraft verlieren. Die Grundlagen seien gut erforscht, der  Bedarf an weiterführenden Untersuchungen liege in der Frage wie man diese auf Plattformen umsetzen könne und damit auch das Kaufverhalten beeinflussen könne.

 
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