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Von wirtschaftlichen und politischen Risiken

Am vergangenen Donnerstag war Dr. Thomas Leissing von den Egger Holzwerkstoffen im Rahmen der vierten "Business Leaders Lecture Series" zu Gast an unserer Fakultät. In seinem Vortrag sprach er aus Sicht seines Unternehmens über die Auswirkungen wirtschaftlicher und politischer Risiken auf die Industrie.

Die vierte Ausgabe der „Business Leaders Lecture Series“ wurde vom Rektor der Universität Univ.-Prof. Dr. Tilmann Märk eröffnet, welcher den Gast begrüßte und die kooperative Zusammenarbeit zwischen den Egger Holzwerkstoffen   und der Universität Innsbruck hervorhob. Dem schloss sich auch der Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft, Univ.-Prof. Dr. Matthias Bank an, welcher in seiner Begrüßung den Werdegang des Managers vorstellte und dessen 13-jährige Tätigkeit im Vorstand der Egger Holzwerkstoffe hervorhob.

Von St. Johann in die Welt

Nach der Begrüßung stellte Leissing zunächst die Unternehmensgruppe der Egger Holzwerkstoffe vor, wo er als Finanzvorstand und Vorstandssprecher fungiert. Egger produziert Spanplatten und Fußböden für den Möbel-, Holz- und Innenausbau und ist damit insbesondere Zulieferer der Möbelindustrie, sowie von Baumärkten, Handwerksmanufakturen und Architekten. Leissing rekapitulierte dabei auch die Entwicklung des Unternehmens seit der Gründung im Jahr 1961 in St. Johann (Tirol) zum globalen Konzern mit einem Umsatz von 1,6 Mrd. Euro, 8.200 Mitarbeitern und weltweiten Produktionsstandorten, u.a. in der Türkei, Russland, Großbritannien und den USA.

Wirtschaftliche und politische Risiken

Anhand seines Unternehmens erörterte Leissing im zweiten Teil seines Vortrags die wirtschaftlichen und politischen Risiken, denen sich die Industrie derzeit gegenübersteht. So veranschaulichte er anhand mehrerer Beispiele einerseits das komplexe Zusammenspiel politischer und wirtschaftlicher Risiken und andererseits zur gleichen Zeit Gefahren und Chancen für das bestehende Geschäftsmodell darstellen.

Beispielsweise beflügeln die niedrigen Zinsen derzeit die Bauwirtschaft und den Konsum, was sich zumindest positiv im Geschäft des Unternehmens niederschlägt. Auch die günstigen Finanzierungsbedingungen sind für Egger als Großunternehmen ein Vorteil der niedrigen Zinsen. Leissing betonte aber auch, dass die Niedrigzinspolitik und die zunehmende Regulierung den Banken ihre Geschäftsgrundlage entzieht. Insbesondere kleineren Unternehmen werden zunehmend keine Kredite mehr gewährt, da sie die dafür notwendigen Sicherheiten nicht aufbringen können. Größere Unternehmen wie Egger sehen sich deshalb zunehmend gezwungen, Aufgaben des Finanzsektors zu übernehmen, in dem sie ihren Zulieferern kurzfristige Lieferantenkredite zur Verfügung zu stellen und damit auch das entsprechende Ausfallsrisiko zu übernehmen.

Langfristig könnte sich die aktuelle Niedrigzinspolitik auch insofern negativ auf die Industrie auswirken, als dass Investitionen und Konsumentscheidungen nur zeitlich vorgezogen werden und sich die Industrie bei einem Rückkehr zum gewohnten Zinsumfeld beispielsweise mit Überkapazitäten konfrontiert sieht.

Absolventen der Uni Innsbruck gefragt

Als weitere Beispiele nannte er den in den vergangenen Jahren gesunkenen Ölpreis, bestehende oder mögliche Sanktionen gegenüber Russland und der Türkei, sowie die Auswirkungen des Brexits und den demographischen Wandel. Dieser führe nicht nur zu einer langfristig sinkenden Nachfrage, sondern stelle die Unternehmen bereits heute vor die Herausforderung, den Personalbedarf noch decken zu können. In diesem Zusammenhang betonte Leissing auch die Bedeutung der Universität Innsbruck für die Egger Gruppe, wo viele Absolventen der Universität beschäftigt sind. In der Fragerunde im Anschluss an den Vortrag präsentierte Leissing in diesem Zusammenhang auch verschiedenen Möglichkeiten, während und nach dem Studium in sein Unternehmen einzusteigen oder dort Abschlussarbeiten schreiben zu können.

  Zur Person

Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien war Dr. Thomas Leissing ab 1993 zunächst Mitglied der Konzernsteuerabteilung einer großen, börsennotierten Industriegruppe. Anschließend war er für ein Jahr Mitarbeiter einer Wiener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, ehe er 1996 zur Wienerberger AG wechselte, wo er 1999 zum Leiter "Corporate Finance" ernannt wurde. 2005 wechselte er schließlich zur Firma Egger Holzwerkstoffe, wo er zum "Chief Financial Officer" berufen wurde und zudem seit 2009 als Sprecher der Gruppen Geschäftsführung fungiert.

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