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Der zweifache Hausbau

Bei der dritten Auflage unserer Veranstaltungsreihe „Herausforderung Digitalisierung“ war am vergangenen Donnerstag Dr. Ing. Carsten Liesener, CEO von Siemens Building Technologies Europe, zu Gast an unserer Fakultät. In seinem Vortrag präsentierte er, wie sich das von ihm geführte Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung positioniert.

Siemens Building Technologies ist eine von mehreren Divisionen der Siemens AG, worin Produkte und Lösungen zur Gebäudetechnik gebündelt angeboten werden. Neben demografischen Trends und klimatischen Veränderungen, hat derzeit insbesondere auch die digitale Transformation starke Auswirkungen auf die Branche. Dr. Ing. Carsten Liesener nahm die Zuhörer im vollbesetzten Kaiser-Leopold-Saal mit auf die Reise ins digitale Zeitalter, zu der sein Unternehmen vor rund einem Jahr aufgebrochen ist. Gemäß den Schritten, in denen die digitale Transformation seines Unternehmens eingeleitet wurde, präsentierte Liesener zunächst die technologischen Aspekte der Digitalisierung und ging anschließend auf Kunden und Mitarbeiter ein.

 „Die Bauindustrie ist total ineffizient“

So stellte Liesener zunächst fest, dass sich die Entwicklungszyklen in seiner Branche beschleunigen, die Anforderungen an Sicherheit und Energieeffizienz stetig zunehmen und verschiedene Geräte immer stärker miteinander vernetzt sind. Damit verlagert sich jedoch auch die Wertschöpfung weg von den klassischen Produkten hin zu Daten. Während die Siemens Building Technologies und ihre traditionellen Wettbewerber über viel produktspezifisches Know-How verfügen, versuchen sich derzeit viele Anbieter im Bereich von Plattformlösungen zu etablieren, welche zwischen dem Know-How über die Geräte und dem IT-spezifischen Know-How angesiedelt sind. Moderne Gebäude werden heute demnach zweimal gebaut: einmal analog und einmal digital.

Kundenwerte schaffen

Aus Sicht von Liesener reicht es deshalb nicht mehr aus, nur über produktspezifisches Wissen zu verfügen. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil wird in Zukunft deshalb auch das Wissen darüber sein, wie die Daten gesammelt und vor allem auch strukturiert werden, die von den vernetzten Geräten gewonnen werden.

Dazu reicht es seiner Ansicht nach auch nicht mehr aus, eine rein technikorientierte Entwicklung zu forcieren. Stattdessen müssen verschiedene Stakeholder in den Entwicklungsprozess miteingebunden werden und Produkte in Zusammenarbeit mit dem Kunden entwickelt werden. Am Beispiel von Universitäten zeigte Liesener anschließend, wie digitalisierte Gebäudetechnik den Zugang, die Navigation im Haus, die Raumbuchung steuern kann, sowie zu einer höheren Luftqualität Aufmerksamkeit durch moderne Lichttechnik beitragen kann.

„VUCA world“

Die Digitalisierung des traditionellen Geschäftsmodells verlangt von den Mitarbeitern, dass sie sich neue Kompetenzen aneignen, welche bisher nicht benötigt wurden. Dies führt aber auch zu einer zunehmenden Verunsicherung unter den Mitarbeitern, welche gelegentlich mit dem Schlagwort „VUCA world“ zusammengefasst wird (das für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit steht). Für Führungskräfte bedeutet dies nach Ansicht von Liesener auch, dass sie nicht mehr nur Manager sind und Aufgaben zuteilen. Stattdessen müssen sie als „Leader“ agieren und dabei Vertrauen, Ehrlichkeit und Transparenz schaffen und den Mitarbeitern Sinn und Zweck der Digitalisierung klar kommunizieren.

Lessons learned

Zum Schluss seines Vortrags ging Liesener noch auf seine persönlichen „Lessons learned“ ein. Würde er, wie vor einem Jahr, nochmal den Prozess der digitalen Transformation in seinem Unternehmen anstoßen, würde er sich zwar wieder mit der Technologie, den Kundenbedürfnissen und den Mitarbeitern beschäftigen, jedoch in anderer Reihenfolge. Zu allererst würde er die Notwendigkeit der Digitalisierung gegenüber den Mitarbeitern kommunizieren, um unnötige Verunsicherungen zu vermeiden. Anschließend würde er die Kundenbedürfnisse analysieren und erst dann die technologischen Aspekte betrachten.

Dass der Vortrag von Dr. Ing. Carsten Liesener das Publikum zur Reflexion anregte, zeigte sich an der regen Diskussion und den vielfältigen Rückfragen im Anschluss an die Diskussion. Die Studierenden und Wissenschaftler sprachen dabei unter anderem datenschutzrechtliche Gesichtspunkte einer vernetzten Gebäudetechnik und die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie an.

Zur Person

Dr.-Ing. Carsten Liesener joined Siemens in 1998, working for Siemens Management Consulting as consultant, project manager and partner. In this role he was responsible for the divisions Building Technologies, Mobility and had a strong focus on Merger & Acquisition projects within Siemens. From 2008 – 2013 he took over the function of Head Fire Safety Building Technologies in Switzerland, International HQ. From 2014 – 2015 responsible for Global Product Sales as Head Sales & Operations. Since
November 2015 CEO of BT Europe.

Before he joined Siemens he worked 5 years for Bombardier Transportation (ADtranz that time). In this role he was responsible for Strategy and Business Development. He holds a Degree in Industrial Engineering from Technical University Berlin and has a PHD in Economics from University Mannheim. He likes snow boarding, marathon and traveling.

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