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Veranstaltungen · Universität Innsbruck · Medizinische Universität Innsbruck

Dienstag, 27.10.2020

Vortrag und Diskussion  ONLINE

Die Postödipale Gesellschaft – Eine psychoanalytische Gegenwartsdiagnose

19:00 - 21:00 Uhr
Virtuell: https://lms.uibk.ac.at/bigbluebutton/2710, https://lms.uibk.ac.at/bigbluebutton/2710


Anmeldung ist nicht erforderlich

Eintritt / Kosten: [Keine]

Vortragende/r

Tove Soiland

Tove Soiland studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Zürich und promovierte zu Luce Irigarays Denken der sexuellen Differenz (2008, Universität Zürich). Sie hatte die Klara-Marie-Faßbinder Gastprofessur an der Hochschule Ludwigshafen inne (2016/17) und bietet bei der Gewerkschaft VPOD (Zürich) Seminare für Frauen an. Sieinitiierte 2003 den »Gender-Streit«, eine Kontroverse um die theoretischen Grundlagen des Gender-Begriffs und erhielt 2016 den Ida Somazzi-Preis.

Weitere Informationen

Die marxistisch orientierte Lacan-Rezeption der Schule von Ljubljana untersucht die ideologische Konstellation postfordistischer Gesellschaften unter dem Stichwort einer »postödipalen Gesellschaft«. Im Zentrum steht die These, dass sich die Über-Ich-Struktur der Subjekte in heutigen westlich-kapitalistischen Gesellschaften nicht länger entlang von Verboten herausbildet, sondern umgekehrt um ein paradoxes Gebot kreist, das uns zu genießen heißt. Weit davon entfernt, befreite Subjekte hervorzubringen, unterwirft das „Ende der Verbotsgesellschaft“ uns einer neuartigen »Biopolitik des Genießens«, die einen wissensgeleiteten Zugang zum Genießen für alle verspricht.
Die These einer postödipalen Gesellschaft ist auch für die feministische Theoriebildung von Bedeutung, galt ihr doch seit je her der Ödipuskomplex als Inbegriff jenes Mechanismus, der Frauen in die patriarchalen Zwänge der bürgerlichen Kleinfamilie einpasst. Sein Schwinden aber hat offenbar nicht die erwarteten Effekte gezeitigt, sondern Frauen einer neuartigen Form von Herrschaft unterworfen, die ohne »Patriarchen« auszukommen scheint –in deren Zentrum nicht mehr der »Herr«, sondern der »Diskurs der Universität« (Lacan) steht.

Veranstalter

LUF Psychoanalytische Erziehungs- und Bildungswissenschaft