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Veranstaltungen · Universität Innsbruck · Medizinische Universität Innsbruck

Montag, 20.01.2020

Kolloquium

Erwerbsarbeit zwischen Entfremdung und Selbstverwirklichung – Arbeit neu denken im Zeitalter digitaler Transformation

17:15 - 18:45 Uhr
Hörsaal 5 3/4, Innrain 52d, 6020 Innsbruck


Anmeldung ist nicht erforderlich

Eintritt / Kosten: Keine

Vortragende/r

Prof. Dr. Thomas Kühn

Chair of Work and Organizational Psychology
International Psychoanalytic University Berlin (ipu)
und Erich Fromm Research Center, ipu

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Mit dem Vortrag soll begründet werden, dass eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe darin besteht, Arbeit im Zeitalter digitaler Transformation neu zu denken. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung damit, welchen Beitrag eine kritische Sozialpsychologie dazu leisten kann, indem sie sich der Bedeutung von Erwerbsarbeit zwischen Entfremdung und Selbstverwirklichung widmet.

Digitale Transformation und Beschleunigung führen dazu, dass sich die Arbeitswelt einschneidend verändert. Dass dies zu einem Bedeutungsgewinn künstlicher Intelligenz, zu neuen Formen des Verhältnisses von Mensch und Maschine sowie zu einem gesteigerten Bewusstsein rund um ethische Konsequenzen und drastische Gefahren eines wenig nachhaltigen Wirtschaftens führt, ist weithin bekannt und steht bereits im Mittelpunkt öffentlicher Debatten. Dabei wird zum Teil noch nicht deutlich genug erkannt, welche Schlüsselrolle der Psychologie zum Verständnis und zur Mitgestaltung dieses Wandels zukommt.

Bei der Einschätzung und Bewältigung der Folgen digitaler Transformation der Arbeitswelt sind psychologische Kenntnisse von zentraler Bedeutung, denn die menschlichen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und sozialer Identität bleiben bestehen. Insbesondere wenn die „neue Arbeitswelt“ bestehenden Strukturen diametral gegenübergestellt wird und in diesem Zusammenhang einseitig „neue“ Managementqualitäten des Selbst betont werden, wird zu wenig beachtet, dass die Bedeutung von Teamstrukturen und Führung in der Arbeitswelt weiter grundlegend sein wird. Deshalb ist es wichtig, die Bedeutung von Arbeit für eine sich wandelnde Gesellschaft zu überdenken. Im Rahmen des Vortrags stütze ich mich dafür auf humanistische und psychodynamische Überlegungen, die insbesondere in der Tradition des sozial-psychoanalytischen Ansatzes von Erich Fromm stehen. Wenn man aus dieser Perspektive davon ausgeht, dass Menschen schöpferisch und sozial sind, und die gemeinsame Auseinandersetzung mit und Gestaltung der Lebenswelt zu den zentralen menschlichen Aufgaben gehört, muss die Arbeitswelt auch weiterhin als ein zentraler Raum
der Gesellschaft begriffen werden, in dem menschliche Entwicklung möglich ist. Gleichzeitig müssen gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die entfremdend wirken, bei einer Reflexion der Bedeutung von Arbeit systematisch berücksichtigt werden. Auch der Diskurs um Selbstoptimierung und Selbstverwirklichung darf nicht losgelöst von Normen begriffen und weitergedacht werden, welche für zeitgenössische Gesellschaften prägend sind. Dafür bedarf es einer Verzahnung mit arbeitssoziologischen Betrachtungen etwa zu Entgrenzungs- und Beschleunigungstendenzen und zur Reproduktion sozialer Ungleichheiten.

Psychodynamische Ansätze sind von zentraler Bedeutung für das Verständnis und die Gestaltung einer sich wandelnden Arbeitsumgebung. Denn sie nehmen erstens systematisch die Beziehungen zwischen Menschen in den Blick und betrachten den Menschen in seinem Gewordensein aus einer biografischen Perspektive. Um das zu veranschaulichen, werden im Vortrag Beispiele aus dem Forschungskontext des Referenten im Kontext beruflicher Sozialisations- und Lebenslaufforschung angeführt.

Veranstalter

Institut für Psychologie