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Veranstaltungskalender
Veranstaltungen · Universität Innsbruck · Medizinische Universität Innsbruck

Donnerstag, 03.10.2019

Tagung

Tagung: „Fest“ – Feiern zwischen Kulturphänomen, sakralem und profanem Ereignis

09:30 - 17:00 Uhr
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Museumstraße 15, 6020 Innsbruck


Anmeldung ist nicht erforderlich

Eintritt / Kosten: Keine

Weitere Informationen

350 Jahre Universität Innsbruck!? Ja vielleicht, so etwa ungefähr – die Geschichte gibt keinen genauen Anfang vor, er liegt in unseren Kriterien. Bis 1677 war keine volle Rechtsstruktur gegeben, dann hatte sich die Universität in ein Lyzeum verwandelt, in ‚dunklen‘ Zeiten 1810 abgeschafft, weil sich die Studierenden am Aufstand gegen die Bayern beteiligt hatten. Wiedergeboren oder doch auferstanden aus Ruinen 1826 entwickelte sie sich relativ ‚normal‘ im Schatten der deutschen Universitätsgründungen, die vom preußischen Berlin aus vorangetrieben wurden. Die tatsächlich dunkelste Zeit unserer Universität wurde auch von Berlin aus eingeleitet und danach lange verdrängt. Nach 1945, damals mit 4185 Studierenden, expandierte sie in jeder Hinsicht; ein Parameter darunter: 1974/75 erstmals mehr als 10.000 Studierende.
Die letzten Jahrzehnte sind uns vertrauter, besonders die Implementierung des UG 2002 mit der Verwandlung der Medizinischen Fakultät in eine eigene Universität. Parallel dazu – vielleicht eine Tiroler Eigentümlichkeit – der „Campus Tirol“, mit dem die universitäre Einheit in neuer Form und gleichsam durch die Vordertür in neuem Kleid erscheint. In der Tat ein eigentümliches Geburtstagskind mit einer bewegten Geschichte, das hier gefeiert wird.

Was aber ist ein Fest? Nicht nur ‚wann‘, sondern auch ‚warum‘ wird es gefeiert? Wozu dient es, welche Ziel hat es: der Strukturierung der Vergangenheit und Orientierung in der Gegenwart; dem Bedürfnis nach Distanzierung zum Alltag durch das Konstrukt einer Ausnahmesituation; der Einpassung in eine Erinnerungskultur, die zur Instrumentalisierung der Vergangenheit wird? Der Selbstdarstellung und Selbervergewisserung der Institution? Wie feiert man ein Fest? Mit welchen Sprachen, Riten und weiträumigen Inszenierungen werden Partys, Feierlichkeiten zu Festen? Wie wird ein Jubiläum, das nicht Teil eines der das Menschenleben oder den Jahresverlauf gliedernden Ereignisse ist, zum Fest? Die Feiern von Menschen sind uns geläufig, wir feiern einen anderen in der Gemeinschaft und freuen uns dabei. Was feiern wir aber, wenn eine Institution, ‚unsere‘ Institution ein Fest begeht? Und weil ja schon fast ein Jahr im nächsten Oktober gefeiert sein wird mit dem Höhepunkt in diesem Monat, können auch wir darüber nachdenken, was bis dahin geschehen sein wird.

Auf alle gestellten Fragen, gibt es vielfältige Antworten. Unabhängig, wie diese ausfallen – es ist von grundlegender Bedeutung zu reflektieren, in welcher Weise wir in die Feier ‚unserer Universität‘ eingebunden sind, ob wir das sein wollen oder eben nicht. Wir meinen, dass der FSP wie geschaffen dafür ist, darüber nachzudenken, andere als die ‚offiziellen‘ Blicke zu wagen, die verschiedensten Facetten von Verhaltensformen unter die Lupe zu nehmen. Wofür steht die Forderung nach der Dekonstruktion des Festes und seiner Entmythologisierung? Ist das mehr als der bloße Aufbau einer Projektionsfläche für eine nicht weiter definierte oder definierbare Unbehaglichkeit über die Teilnahme der Universität am Wettbewerb um die öffentliche Aufmerksamkeit – einer Institution, der wir uns zugehörig fühlen und von der wir auch leben, aber nicht so? Oder dürfen wir uns darüber freuen, wofür die Universität und wir als Teil davon in diesem Land und weltweit stehen? Was ist nötig, damit das Feiern ein Fest wird, das uns freut, und nicht als eine Inszenierung wahrgenommen wird, die wir nur ertragen (können)? Mit solchem Nachdenken gewinnen wir die Chance, selbst ein Thema zu setzen – auch im konstruktiven Dialog mit der Öffentlichkeit.

Veranstalter

FSP Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte


Matthias Hoernes
0512 507 39820
fsp-kultur@uibk.ac.at