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Veranstaltungskalender
Veranstaltungen · Universität Innsbruck · Medizinische Universität Innsbruck

Freitag, 28.06.2019

Workshop

Cognitive Shakespeare: Attention and Mind-Wandering in Early Modern Theatre and Culture

09:00 - 15:00 Uhr
Universität Innsbruck, Hauptgebäude, SR 3114, Innrain 52, 6020 Innsbruck


Anmeldung ist erforderlich; Anmeldung beim Veranstalter bis 15.06.19

Eintritt / Kosten: Eintritt frei

Vortragende/r

Workshop-Leiter: Prof. Dr. Raphael Lyne

Raphael Lyne ist Professor in englischer Renaissance-Literatur an der Universität Cambridge und Fellow des Murray Edwards College. Zu seinen Veröffentlichungen zählen "Shakespeare, Rhetoric and Cognition" (2011) und "Memory and Intertextuality in Renaissance Literature" (2017). Gemeinsam mit Cathy Shrank ist er Herausgeber von "Shakespeare's Complete Poems" (2017).

Weitere Informationen

Die Aufmerksamkeitsforschung ist ein pluridisziplinäres Unterfangen, das Erkenntnisse aus unterschiedlichsten Forschungsbereichen und -richtungen bündelt und so fächerübergreifende Synergien anstrebt. Kognitionswissenschaftler*innen interessieren sich nicht nur für Prozesse und Situationen fokussierter Aufmerksamkeit, sondern verstärkt auch für die neuro-kognitiven Dimensionen und das heuristische Potenzial ungerichteter Aufmerksamkeit: Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir – zum Beispiel bei der Lektüre eines Buches oder bei einem Theaterbesuch – unsere Gedanken schweifen bzw. wandern lassen (engl. mind-wandering)? Welche Funktionen, welche kognitiven Auswirkungen – beispielsweise auf die Entscheidungsfindung – hat dieses teils unabsichtliche, teils intentionale mind-wandering? Lässt es sich epistemologisch verorten bzw. nutzbar machen? Mind-wandering bezeichnet Wahrnehmungs- und Kognitionsprozesse, die nicht unmittelbar mit den Anforderungen der äußeren Umgebung zusammenhängen. Als Schlüsselprozesse fungieren dabei einerseits die sogenannte perzeptuelle Entkopplung – die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit von sensorischen Informationen zu lösen – sowie andererseits die Schaffung und Stärkung eines Meta-Bewusstseins, wodurch laufende Kognitionsvorgänge bewusst zur Kenntnis genommen und reflektiert werden.
Auch in Literaturwissenschaft und Philosophie findet das Spannungsfeld von Aufmerksamkeit und Ablenkung verstärkte Beachtung, zuletzt in Michael Woods Habits of Distraction (2018). Jedoch ist die kritische Reflektion von Strategien der Aufmerksamkeitserzeugung bzw. der (gezielten) Ablenkung kein Phänomen des (Post-)Modernismus, sondern finden sich bereits verstärkt in frühneuzeitlicher Literatur und dort vor allem im frühneuzeitlichem Drama. Die jüngste Shakespeare- Forschung hat damit begonnen, sich diesen Diskursen von attention und mind-wandering verstärkt zu widmen. Im Fokus stehen hierbei vor allem Strategien, um das Publikum durch Indizien in Text und Aufführung auf eine ungesehene und unbesehene Welt sowohl auf wie auch jenseits der Bühne aufmerksam zu machen. Zudem wird die (individuelle wie kulturelle) Aufmerksamkeit, die mit der Faszination des Fremden verbunden ist und in der Konstruktion des ‚Selbst‘ bzw. des ‚Anderen‘ eine zentrale Rolle spielt, auf der Bühne kritisch hinterfragt. Darüber hinaus dient das ‚Theater der Aufmerksamkeit‘, das sich vor allem auf den Londoner Bühnen nachzeichnen lässt, dazu, ein Gegengewicht zu bieten zu den vielfältigen Unterhaltungs- und Zerstreuungsangebot der Metropole. Durch die Diskursivierung von Strategien der Aufmerksamkeit bzw. Ablenkung im Theater wirkt die frühneuzeitliche Bühne zudem antitheatralischen Strömungen entgegen, die das Theater als gefährliche Ablenkung begreifen.
Der geplante eintägige Workshop soll Kolleg*innen und fortgeschrittenen MA-und PhD-Studierenden aus unterschiedliche Disziplinen ein Forum bieten, über diese und weitere Aspekte der Dynamik von attention und mind-wandering zu diskutieren. Eine zentrale Forschungsfrage des Workshops widmet sich der in zahlreichen literarischen und philosophischen Texten aufgeworfenen Hypothese, dass sich einige unserer besten und produktivsten Überlegungen einstellen, wenn wir unsere Gedanken wandern lassen statt sie zu bündeln. Geleitet wird der Workshop von Dr. Raphael Lyne, Reader/Associate Professor an der Universität Cambridge, den wir als BRITINN-Fellow der Universität Innsbruck gewinnen konnten. BritInn fördert die Reise- und Aufenthaltskosten von Prof. Lyne, stellt jedoch keine Mittel für einen zusätzlichen Workshop zur Verfügung. Prof. Lyne ist einer der führenden Shakespeare-Forscher*innen und arbeitet zu Themen, die nicht nur für Anglist*innen interessant sind, sondern auch für Historiker*innen, kognitive Psycholog*innen, Soziolog*innen, etc.

Veranstalter

Institut für Anglistik, Universität Innsbruck


Univ.-Ass. Mag. Christof Diem
+43 512 507 4199
christof.diem@uibk.ac.at