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Veranstaltungskalender
Veranstaltungen · Universität Innsbruck · Medizinische Universität Innsbruck

Dienstag, 05.06.2018

Vortrag und Diskussion

Antisemitismus, Israel und die FPÖ - (Die Dynamik der gegenwärtigen Rechten)

19:00 - 21:00 Uhr
Hörsaal 3 (SoWi), Universitätsstraße 15, 6020 Innsbruck


Anmeldung ist nicht erforderlich

Eintritt / Kosten: Eintritt frei

Vortragende/r

Andreas Peham

arbeitet am DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes) in Wien und forscht dort unter anderem zu den Themen Rechtsextremismus und Neonazismus (unter Jugendlichen), Burschenschaften, Antisemitismus und Rassismus und Holocaust-Education.

Weitere Informationen

Der Vortrag ist Teil der interdisziplinären Vorlesungsreihe "Die Dynamik der gegenwärtigen Rechten".

"Antisemitismus, Israel und die FPÖ"

Referent: Andreas Peham (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes)
Moderation: Dr. Klaus Hagen (Institut für Zeitgeschichte / Uni Innsbruck)

Mit dem Skandal um die antisemitischen Liederbücher wurde einmal mehr deutlich, welches Gedankengut im Dritten Lager nach wie vor gedeiht. Der freiheitliche Antisemitismus ist kein Beiwerk der Agitation, sondern schon in der Programmatik – und hier vor allem im Bekenntnis zur (deutschen) „Volksgemeinschaft“ – eingeschrieben. Mit ihren demonstrativen Solidaritätsbekundungen zu Israel und seiner Sicherheit versucht die FPÖ aber seit 2010, von dieser Tatsache und den zahllosen antisemitischen „Einzelfällen“ abzulenken. Leider mit Erfolg, viel zu wenige sind heute noch bereit oder fähig, den – oft auch codierten – Antisemitismus aus den Reihen der Freiheitlichen zu erkennen und als das zu bezeichnen, was er ist – ein Skandal, der durch die Regierungsbeteiligung dieser Partei noch vergrößert wird.
Im Vortrag soll gezeigt werden, dass zwischen völkischen Traditionen und pro-zionistischen Bekundungen kein Widerspruch besteht und in welchen Transformationen sich der freiheitliche Antisemitismus heute artikuliert.

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Vorlesungsreihe "Die Dynamik der gegenwärtigen Rechten"

Die gegenwärtigen Erfolge rechter Parteien in Europa, der Präsidentschaftswahlkampf in den USA, Österreich und Frankreich, der Aufklärungsprozess der Taten des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) und Morde von Seiten der „Reichsbürger“ in Deutschland – die Mobilisierung des Flüchtlingsthemas von diversen rechten Akteur_innen in Europa – machen das Thema „Rechtsextremismus“ derzeit aktueller denn je. Der Zusammenhang von Prekarisierung und Rechtspopulismus wird in der Forschung rege diskutiert. Die empirischen Daten deuten jedoch daraufhin, dass ökonomische Prekarisierung für eine Erklärung nicht trägt, sondern Männlichkeitskonstruktionen, ein produktivistischer Arbeitsbegriff sowie soziale und kulturelle Verunsicherungsgefühle und Angst vor dem Verlust von Privilegien für rechte Orientierungen maßgeblich sind.

Terror entsteht nicht von heute auf morgen, sondern basiert auf längerfristigen Sozialisationen von Menschen mit einem bestimmten Welt- und Gesellschaftsbild und den Gelegenheitsstrukturen, Diskursräumen und rechtlich-politischen Ordnungen von Gesellschaften. Ethnopluralismus, Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus, Autoritarismus, Antiindividualismus und Anti-genderismus sind dabei Hauptbestandteile rechten Denkens. Charakteristisch für diese Ideologie ist die Konstruktion einer völkischen „Wir-Gruppe“ und die daraus resultierende Ausgrenzung und Abwertung spezifischer Fremdgruppen und Lebensweisen: Migrant_innen, Sinti und Roma, Juden und andere, die zu „Fremden“ gemacht werden (Arbeitslose, Wohnungslose, LGBT etc.).

Nicht nur an den repräsentativen Einstellungsforschungen wird deutlich, dass es sich beim Rechtsextremismus nicht um ein marginales Phänomen an den Rändern handelt, sondern rechte Einstellungen auch in der Mitte der Gesellschaft Zustimmung finden und von ihr ermöglicht werden.

Einblicke in rechtes Handeln und Denken

Die Vorlesungsreihe möchte interdisziplinäre Einblicke in rechtes Denken und Handeln geben, sowohl begrifflich-theoretisch als auch anhand empirischer Forschungen in unterschiedlichen Ländern und sozialen Gruppen, sowie sozialwissenschaftliche Erklärungen und Möglichkeiten des bildungspolitischen und pädagogischen Umgangs aufzeigen.


Organisation:
Ass.-Prof.in Dr.in Claudia Globisch, Institut für Soziologie der Universität Innsbruck
Manuel Mayrl, Grüne Bildungswerkstatt Tirol

Veranstalter

Institut für Zeitgeschichte
Institut für Soziologie
Fachschaft Politikwissenschaft und Soziologie