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Veranstaltungen · Universität Innsbruck · Medizinische Universität Innsbruck

Dienstag, 13.03.2018

Vortrag und Diskussion

Maskulinitätskonstruktionen und restriktive Flüchtlingspolitik

19:00 - 21:00 Uhr
Hörsaal 3 (SoWi), Universitätsstraße 15, 6020 Innsbruck


Anmeldung ist nicht erforderlich

Eintritt / Kosten: Eintritt frei

Vortragende/r

Univ.-Ass. Dr. Paul Scheibelhofer

Paul Scheibelhofer ist Sozialwissenschaftler und Geschlechterforscher. Er ist Universitätsassistent am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck und ist dort Sprecher des Lehr- und Forschungsbereichs Kritische Geschlechterforschung. Er befasst sich in Forschung, Publikationen und Lehre mit den Themen: Kritische Männlichkeitsforschung; Geschlechterverhältnisse und Sexualität; Migration und Rassismus sowie emanzipatorische Pädagogik und Sexualpädagogik.

Weitere Informationen

Der Vortrag ist Teil der interdisziplinären Vorlesungsreihe "Die Dynamik der gegenwärtigen Rechten".

"Maskulinitätskonstruktionen und restriktive Flüchtlingspolitik"

Referent: Ass.-Prof. Dr. Paul Scheibelhofer (Institut für Erziehungswissenschaft / Uni Innsbruck)
Moderation: Katharina Lux, M.A. (Doktoratskolleg Geschlechterforschung / Uni Innsbruck)

In diesem Vortrag werden aktuelle Repräsentationen von Flucht und Männlichkeit und deren Verwendung für die Legitimation migrationspolitischer Maßnahmen in Österreich analysiert und kritisch hinterfragt. Die Analyse verbindet Zugänge kritischer Männlichkeitsforschung und Migrationsforschung und zeigt, dass die Darstellungen widersprüchlich, umkämpft und wandelbar sind. Als eine große Anzahl Geflüchteter 2015 eigenwillig Grenzen überschritten, verschoben sie etablierte Kontrollverhältnisse und lösten eine politische Krise in Europa aus. In dieser krisenhaften Situation und der darin entstehenden Solidaritätsbewegung entstanden einerseits neue und emanzipatorische Räume der Repräsentation von Migration und Männlichkeit. Andererseits zeigt sich, dass seither im Zuge der politischen Bearbeitung der Krise insbesondere auch Bilder gefährlich fremder Männlichkeit aktiviert wurden, um Kontroll- und Handlungsmacht wiederzuerlangen und restriktive politische Maßnahmen zu legitimieren.

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Die gegenwärtigen Erfolge rechter Parteien in Europa, der Präsidentschaftswahlkampf in den USA, Österreich und Frankreich, der Aufklärungsprozess der Taten des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) und Morde von Seiten der „Reichsbürger“ in Deutschland – die Mobilisierung des Flüchtlingsthemas von diversen rechten Akteur_innen in Europa – machen das Thema „Rechtsextremismus“ derzeit aktueller denn je. Der Zusammenhang von Prekarisierung und Rechtspopulismus wird in der Forschung rege diskutiert. Die empirischen Daten deuten jedoch daraufhin, dass ökonomische Prekarisierung für eine Erklärung nicht trägt, sondern Männlichkeitskonstruktionen, ein produktivistischer Arbeitsbegriff sowie soziale und kulturelle Verunsicherungsgefühle und Angst vor dem Verlust von Privilegien für rechte Orientierungen maßgeblich sind.

Terror entsteht nicht von heute auf morgen, sondern basiert auf längerfristigen Sozialisationen von Menschen mit einem bestimmten Welt- und Gesellschaftsbild und den Gelegenheitsstrukturen, Diskursräumen und rechtlich-politischen Ordnungen von Gesellschaften. Ethnopluralismus, Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus, Autoritarismus, Antiindividualismus und Anti-genderismus sind dabei Hauptbestandteile rechten Denkens. Charakteristisch für diese Ideologie ist die Konstruktion einer völkischen „Wir-Gruppe“ und die daraus resultierende Ausgrenzung und Abwertung spezifischer Fremdgruppen und Lebensweisen: Migrant_innen, Sinti und Roma, Juden und andere, die zu „Fremden“ gemacht werden (Arbeitslose, Wohnungslose, LGBT etc.).

Nicht nur an den repräsentativen Einstellungsforschungen wird deutlich, dass es sich beim Rechtsextremismus nicht um ein marginales Phänomen an den Rändern handelt, sondern rechte Einstellungen auch in der Mitte der Gesellschaft Zustimmung finden und von ihr ermöglicht werden.

Einblicke in rechtes Handeln und Denken

Die Vorlesungsreihe möchte interdisziplinäre Einblicke in rechtes Denken und Handeln geben, sowohl begrifflich-theoretisch als auch anhand empirischer Forschungen in unterschiedlichen Ländern und sozialen Gruppen, sowie sozialwissenschaftliche Erklärungen und Möglichkeiten des bildungspolitischen und pädagogischen Umgangs aufzeigen.


Organisation:
Ass.-Prof.in Dr.in Claudia Globisch, Institut für Soziologie der Universität Innsbruck
Manuel Mayrl, Grüne Bildungswerkstatt Tirol

Veranstalter

BaGru Gender, Kultur und Sozialer Wandel
Institut für Soziologie
Institut für Erziehungswissenschaft
Interfakultäre Forschungsplattform Geschlechterforschung
Forschungszentrum „Migration & Globalisierung“
Forschungsschwerpunkt „Kulturelle Begegnungen und kulturelle Konflikte“