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Veranstaltungskalender
Veranstaltungen · Universität Innsbruck · Medizinische Universität Innsbruck

Donnerstag, 17.01.2013

Vortrag und Diskussion

Prof. Dr. Joachim Fischer

18:30 - 20:30 Uhr
SOWI, SR 2, Universitätsstraße 15, 6020 Innsbruck


Anmeldung ist nicht erforderlich

Eintritt / Kosten: Keine

Vortragende/r

Prof. Dr. Joachim Fischer (Dresden)

Vortragstitel:
"Vervielfachung der Verfeindung. Zu einer realistischen Theorie sozialer Differenzierung gegenwärtiger Gesellschaften"

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Abstract:
Ein gravierendes Resultat der soziologischen Forschung und Theoriebildung aus den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts ist, dass es neben der klassischen vertikalen Differenzierung in Schichten/Klassen und der auffälligen „funktionalen Differenzierung“ in Teilsysteme nach wie vor weitere verschiedene, nicht aufeinander rückführbare soziale Differenzierungsachsen gibt, entlang derer sich Gegenwartsgesellschaften strukturieren: Geschlechter; Generationen; Gesunde/Kranke; Einheimische/Fremde; segmentäre Differenzierungen (Stadt-, Regionen-, Nationenkonkurrenzen). Eine neue, weil realistische soziale Differenzierungstheorie, die keine der sozialen Differenzierungen übersieht, keine als Nebenschauplatz kennzeichnet oder gar als überholt verabschiedet, geht über die bekannte Theoriedebatte zwischen stratifikatorischer und funktionaler Differenzierung hinaus. Sie ist auch nicht zu verwechseln mit der Intersektionalitätstheorie, die die Überschneidung verschiedener Differenzlinien nur kritisch analysieren, aber in ihren Konsequenzen nicht realistisch beobachten kann.
Es lassen sich - so die erste These - entlang der heterogenen Differenzierungsachsen sich verselbständigende Verfeindungen zwischen den Generationen, aber ebenso zwischen den Geschlechtern, zwischen Klassen, mitten in der Moderne zwischen Regionen, zwischen Ethnien, aber eben auch zwischen den Funktionssystemen der Moderne konstatieren. Da - so die zweite These - für die jeweils zu untersuchende Gesellschaft gar nicht von vornherein klar ist, welche soziale Differenzierungsachsen in der sozialen Struktur und im sozialen Wandel das Primat haben, tobt parallel zu den Verfeindungen entlang der jeweiligen Differenzierungsachsen ein zu beobachtender Kampf in der Gesellschaft insgesamt, welche Differenzierungsachse den Ausschlag geben soll, die Letztentscheidung in der Gestalt des Lebens haben soll, in welcher Hierarchie die Differenzierungen über die Aufmerksamkeits- und materiellen Ressourcen verfügen sollen.

Veranstalter

Institut für Soziologie