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Wer darf Teil der Social Media Community sein?

Über die Verhandlung von Normen und Stigma auf Instagram. Wie sieht eine vielfältige, authentische und sichere Community in sozialen Netzwerken aus? Obwohl soziale Plattformen als Orte mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten gelten, ist dieser Raum von Regeln und Normen geprägt.

Instagram moderiert Inhalte seiner NutzerInnen und definiert so, was auf der Plattform als (un)angemessen gilt. Diese Entscheidung und deren Umsetzung durch Moderation von Inhalten sind geprägt von Heteronormativität, Sexismus, und einer allgemeinen Abneigung gegenüber Sexualität. In seinen Community Guidelines schreibt Instagram: „Wir möchten, dass Instagram ein authentischer und sicherer Ort bleibt, der inspiriert und persönlichen Ausdruck ermöglicht. Trage dazu bei, diese Gemeinschaft zu fördern. [...] Respektiere alle Personen auf Instagram, sende keinen Spam an Personen und poste keine Inhalte, in denen Nacktheit dargestellt ist“. Warum Nacktheit an sich eine Gefahr für die Gemeinschaft darstellt und welche Art von Nacktheit untersagt ist, wird nicht näher definiert. NutzerInnen bleiben im Unklaren und erfahren vor allem dann von ihren „Verstößen“, wenn ihre Inhalte seitens der Plattform gelöscht werden.

Nachdem diese Art von Inhaltsmoderation nicht alle NutzerInnen gleichermaßen trifft, sondern beispielsweise Gruppen, die mit einem Stigma der Sexarbeit assoziiert werden (z.B., Pole Dancer, SexarbeiterInnen), queer sind oder nicht die von Instagram gewünschte Körpereigenschaften mitbringen verhältnismäßig oft trifft, sprechen wir hier von Stigmatisierung in Form von verzerrter Moderation.

 

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Milena Leybold & Monica Nadegger

Wir beschäftigen uns im Rahmen zweier Forschungsprojekte mit dem Phänomen der Moderation von Inhalten auf Instagram und unterstreichen die gesellschaftlichen Auswirkungen, die diese Moderation mit sich bringt: Gruppen, die auf Social-Media-Plattformen nicht sichtbar sein dürfen, laufen Gefahr in unserer Gesellschaft ebenfalls weiter an den Rand gedrängt zu werden. Dennoch sehen wir Initiativen auf Instagram, die die in Moderationspraktiken inskribierten Normen und Stigmata hinterfragen und aktiv Widerstand leisten. In unserem Artikel mit dem Titel „Overcoming communicative separation for stigma reconstruction: The pole dancers’ fight against the shadows of Instagram” betrachten wir, wie Pole Dancer auf Instagram durch die Verbindung unterschiedlicher Stigma-Management-Strategien gegen ihre eigene Stigmatisierung kämpfen und nach einer Entschuldigung seitens Instagrams in Solidarität mit anderen stigmatisierten Gruppen das der Moderation zu Grunde liegenden Sex Work Stigma rekonstruieren.

 

Das zweite Forschungsprojekt mit dem Titel „“Your very existence goes against our Community Guidelines” - queering norms of contributorship through poetic speech on Instagram“, an welchem wir gemeinsam mit unserem Kollegen Sean Kenney (University of Colorado, Boulder) arbeiten, befasst sich mit der Frage, wie der Inhaltsmoderation zugrundeliegende Normen in einzelnen Posts verhandelt werden. Wie zeigen hierbei drei Praktiken auf, die Normen bezüglich Nacktheit kritisieren und es dennoch eindrucksvoll schaffen, eine Moderation der Inhalte zu umgehen.

Beide Forschungsprojekte tragen zu einem kritischen Verständnis von Normen, Regeln, aber auch Machtverhältnissen auf sozialen Netzwerken bei und beleuchtet deren Auswirkungen auf ohnehin marginalisierte, vulnerable oder stigmatisierte Gruppen. Diese Erkenntnisse sind nicht nur für die betroffenen Personen von Bedeutung. Sie schaffen neue Einblicke über systematische Ungleichheiten auf sozialen Netzwerken, zeigen aber auch, wie diese hinterfragt und neu verhandelt werden können.

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