Gendersensibilität im Bereich E-Learning

Im alltäglichen Handeln und Sprechen ordnen wir quasi unvermeidlich die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, in „weiblich“ bzw. „männlich“ ein. Annahmen über Geschlechterstereotypen spielen dabei meist unbewusst eine bedeutende Rolle. Dies trifft auch auf den Lehralltag zu.

Die verstärkte Aufmerksamkeit dieser Thematik ist eingebettet zum einen in das gesamt-universitäre Ziel einer humaneren und geschlechtergerechteren Gesellschaft (§ 1 UG 2002), zum anderen in das Bekenntnis der LFU zum Grundsatz des Gender Mainstreamings. Beides ist konkret ausgeführt im geltenden Frauenförderungsplan der Universität Innsbruck (siehe www.uibk.ac.at/leopoldine/).

Universitäre Lehre wird zwar oft für geschlechtsneutral gehalten, ist im Allgemeinen jedoch geschlechterunsensibel, da zumeist genderspezifisches Wissen nicht ausreichend vorhanden ist. Prinzipiell geht es darum, in der eigenen Lehrtätigkeit Geschlechteraspekte zu erkennen und in das Handeln einzubeziehen. Dies ist ein lang dauernder Prozess, der immer wieder – am besten im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen – zu hinterfragen und zu reflektieren ist. Ziel ist der anerkennende und gleichberechtigte Umgang mit der Vielfalt von Menschen; Geschlecht ist dabei nur ein Faktor, der jedoch als „eye-opener“ für die Wahrnehmung anderer Unterschiede wirken kann.

Gender-Aspekte im Bereich E-Learning fließen auf mehreren Ebenen ein:

  • als „außerfachliches Lehr- und Lern-Element“, das das Kommunikationsverhalten, den Sprachgebrauch, die Beispielwahl zur Veranschaulichung von Lehrinhalten, die Bedachtnahme auf geschlechterausgewogenen Literaturangaben, u.ä.…
  • als explizit fachimmanente Lehrinhalte, die als "Querschnittsperspektive" bzw. durchgängiges Lehrprinzip überall berücksichtigt werden, jedoch nicht den eigentlichen Fokus einer Lehrveranstaltung darstellen;
  • als explizit fachimmanente Lehrinhalte, bei denen die jeweiligen Gender-Theorien samt den fachlichen Ergebnissen der Frauen- und Geschlechterforschung zentral in der jeweiligen Lehrveranstung behandelt werden.

Was könnte nun konkret eine bewusste und verstärkte Bedachtnahme der genderspezifischen Dimension im E-Learning bedeuten? Welche relevanten Aspekte tun sich bei der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen im E-Learning-Bereich auf?

Zum Beispiel Fragen wie...

  • Werden Rollenklischees verwendet?
  • Werden die Geschlechter gleichermaßen repräsentiert (in Bild und Sprache)?
  • Werden die Geschlechter auch in ungewohnten Rollen präsentiert?
  • Welche Themen betreffen Männer/Frauen in welcher Weise?
  • Gibt es in den Themenbereichen geschlechtsspezifisch unterschiedliche Betroffenheiten?
  • Werden Beispiele gewählt, die aus möglichst unterschiedlichen Lebenszusammenhängen stammen?
  • Werden Zitate / Literaturhinweise sowohl von männlichen als auch von weiblichen AutorInnen ausgewogen angeführt?
  • Wo gibt es im Themenbereich Sexismen (Zuschreibungen allein aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit) – versteckt oder auch offen?
  • Werden bei Gruppendiskussionen die Rollen gleichermaßen von Frauen und Männern übernommen?

E-Learning Projekte

Bei der Einreichung von E-Learning Projekten sind auch Genderaspekte zu berücksichtigen. Was dies jeweils konkret bedeuten kann, hängt natürlich vom jeweiligen Projekt ab. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, gleich zu Beginn der Projektentwicklung daran zu denken. Später diese Anforderung einzuflechten ist erfahrungsgemäß mit Mehraufwand verbunden. Bei Bedarf wird Unterstützung angeboten.

Angaben zu weiterführender Lektüre

Präsentation „Gender und e-Learning“ im Rahmen des Delta3 ExpertInnen Workshops von Britta Schinzel, April 2006
http://www.slideshare.net/jakob/egender-britta-schinzel

Gendersensitive Gestaltung von Lernmedien und Mediendiaktik: von den Ursachen für ihre Notwendigkeit zu konkreten Checklisten
http://mod.iig.uni-freiburg.de/fileadmin/publikationen/users/schinzel/publikationen/Info%2BGesell/PS/BMBFGenderNM.pdf

Leitfäden, Checklisten u.ä. zum Thema Genderaspekten im E-Teaching
http://e-skills.at/GeT/linx.html

 

Ansprechpartnerin: Mag.a Elisabeth Grabner-Niel
Tel. +512 507 9810
elisabeth.grabner-niel@uibk.ac.at
http://www.uibk.ac.at/leopoldine/gender-studies/