Martha-Nelumbu

Gut regieren ohne Wahl

Esther Blanco erläutert die Ergebnisse ihres Forschungsprojekts, das Anfang des Jahres in der Zeitschrift "Science Advances" veröffentlicht wurde.

Das Hauptziel des Projekts bestand darin, die Führungseigenschaften von lokalen demokratisch gewählten Beamten mit denen von traditionellen Autoritäten zu vergleichen. Das Projekt kombiniert verschiedene Methoden und integriert Ergebnisse aus Verhaltensaufgaben und Fragebögen, die getrennt für die Führer (demokratische und traditionelle Autoritäten) sowie für die Dorfbewohner in den 32 Dörfern im ländlichen Namibia konzipiert wurden. Wir entwarfen die Aufgaben für die Führungspersonen um relevante Eigenschaften der Führung zu identifizieren, wie z.B. die Präferenz für inklusive Entscheidungsfindung in Gruppen oder die Gleichbehandlung der Dorfbewohner unabhängig von deren sozialen Verbindungen zu den Führern.

Die Feldarbeit fand 2014 zwischen Juli und September statt, also in der Winter- und Trockenzeit, da die Menschen in dieser Jahreszeit weniger beschäftigt sind und eher bereit sind sich an der Studie zu beteiligen. Namibia führte vor rund 20 Jahren basisdemokratische Institutionen ein, und in einigen Teilen des Landes, wie in der Region Ohangwena, in der wir die Studie durchgeführt haben, haben traditionelle Autoritäten und demokratische Beamte vor Ort Macht über verschiedene Themen, die das tägliche Leben der Dorfbewohner betreffen. In jedem der Dörfer, die an der Studie teilnahmen, erklärten sich beide Führertypen bereit, zusätzlich zu 12 Dorfbewohnern aus dem Dorf.

Im Allgemeinen bezieht sich die Studie auf mein Interesse am Verständnis der lokalen Regierungsführung, in Anlehnung an die Forschung der Ostrom-Schule, wie kollektives Handeln erleichtert werden kann. Mein Kollege Björn Vollan, der zu dieser Zeit ebenfalls an der Universität Innsbruck arbeitete, und ich verfolgten jahrelang die Erfahrungen mit kommunalen Schutzgebiete in Namibia als vielversprechendes Beispiel für lokale Regierungsführung. Dieses Programm basiert kurz gesagt auf der Übertragung einiger Eigentumsrechte an Wildtieren durch die Regierung an lokale Bevölkerung, die sich selbst organisieren müssen, um ihre Wildtiere zu verwalten. Angesichts der früheren Arbeit von Björn in Namibia wusste er, dass in einigen Regionen demokratisch gewählte und traditionelle Autoritäten in den selben Dörfern über verschiedene Themenbereiche entscheiden, und er schlug vor, die Führungsqualitäten in einem solchen Umfeld zu analysieren. Die Idee gefiel mir, und wir begannen dann mit der Konzeption des Projekts.

Die Auswirkungen der lokalen Demokratisierung sind ein relevantes Thema, und wir kombinierten verschiedene Methoden, um ein gesamtheitliches Bild zu erstellen. Wir ließen lokale Führungspersönlichkeiten Entscheidungen mit finanziellen Auswirkungen für sich selbst und andere Einwohner treffen, beurteilten soziale Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmale von Führungspersonen und Dorfbewohnern, befragten Führungspersonen und Dorfbewohner über das Funktionieren der lokalen Regierungsführung und verwendeten Daten aus dem Afrobarometer. Wir nutzen die Erkenntnisse aus all diesen Datenquellen, um unsere Schlussfolgerungen zu präsentieren.

Das meiner Meinung nach wichtigste Ergebnis ist, dass wir keine Beweise dafür gefunden haben, dass demokratisch gewählte Beamte bei der lokalen Regierungsführung besser abschneiden als traditionelle Autoritäten, wenn beide koexistieren. Die Meinung der Dorfbewohner über ihre Führungspersonen geht ebenso in diese Richtung wie die Erkenntnisse aus dem Afrobarometer.

Man sollte aus diesen Ergebnissen nicht den Schluss ziehen, dass Bemühungen um eine lokale Demokratisierung unnötig oder unerwünscht sind. Wir analysieren ein Umfeld, in dem sowohl demokratische als auch traditionelle Autoritäten koexistieren, und diese Koexistenz könnte beide Führertypen dazu veranlassen, sich nach höheren Standards zu verhalten. Unsere Ergebnisse basieren auf zwei relevanten Mechanismen: Die demokratischen Strukturen auf lokaler Ebene funktionieren oft unter den gewünschten Standards (z.B. gibt es oft keine geheimen Abstimmungen), gemeinsam mit traditionellen Autoritäten, die oft über den erwarteten Standards fungieren, sehr beliebt bei den Dorfbewohnern sind und hohe Legitimität und Verantwortung erfahren. In jedem Fall erfordern unsere Ergebnisse weitere Untersuchungen darüber, wie Demokratie vor Ort funktionieren, nachdem sie an den lokalen Kontext und die lokale Kultur angepasst wurden.

Unsere Ergebnisse konzentrieren sich auf die Entscheidungen, die lokale Führungspersonen treffen (die Ziele), und Demokratie kann aus der Perspektive der Fairness im Entscheidungsprozess (die Mittel) immer noch vorzuziehen sein. Die Wünschbarkeit der Demokratisierung an sich als ein fairer Prozess ist eine moralische Debatte, mit der sich Einzelpersonen und Gesellschaften auseinandersetzen müssen.

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