Ausschreibung

Doktoratskolleg Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation: Räume - Relationen - Repräsentationen 
01. Juni – 30. Juli 2020

Das Doktoratskolleg (DK) Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation: Räume – Relationen – Repräsentationen untersucht Transformationen von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen in ihren historischen, räumlichen und sozialen Beziehungen, Bedingungen und Wirkungen. Das DK-Programm ist auf drei Jahre ausgerichtet. Der nächste Durchführungszeitraum ist Oktober 2020 bis September 2023.

Wir laden interessierte Geschlechterforschende verschiedenster Fächer ein, sich für das Doktoratskolleg zu bewerben. Sie sollten über einen sehr guten Master- oder Diplom-Abschluss in einem der im DK vertretenen oder diesen nahestehenden Fächern verfügen und ein für die Ausschreibung einschlägiges Dissertationsprojekt verfolgen. Am Programm beteiligt sind Architekturtheorie, Betriebswirtschaft, Bildungs- und Erziehungswissenschaft, Gender Studies, Germanistik, Geschichte, Volkswirtschaft, Romanistik, Soziologie.

Das DK fokussiert auf die Untersuchung von mit Geschlecht und Geschlechterverhältnissen verbundenen Wandlungsprozessen, Veränderungs- und Beharrungsregimen einschließlich der sozialen Diskurse und zivilgesellschaftlichen Protestkonstellationen, durch die diese angestoßen, behindert, mobilisiert und moderiert werden. Notwendig für diese Forschungsunternehmung ist eine interdisziplinäre, intersektionale und transnationale / transregionale Analyseperspektive.

Räume werden dabei als geografische und insbesondere als soziale und kulturelle Handlungs- und Ereigniskoordinaten gefasst, aber auch als physische Orte des Aus- und Einschlusses sowie des Übergangs bestimmt, die als Grenzen, Barrieren und Ermöglichungsbedingungen von Teilhabe wirken. Relationen wiederum werden als Verbindungen realer Personen, Sich-Beteiligende und Beteiligt-Werdende ebenso verstanden wie als Zusammenhang individueller Subjektwerdung und gesellschaftlicher Subjektpositionierung, die alte wie neue Ungleichheiten, Hierarchien und Grenzziehungsprozesse sowie bestehende Handlungsfähigkeit stärken aber auch schwächen können. Repräsentationen werden schließlich als sinnstiftende, legitimierende und delegitimierende Symbolsysteme, diskursive Formationen und literarische oder mediale Narrative definiert, die das Potential besitzen, gewaltvolle Subjektivierungsformen, Sozialverhältnisse und Wissensordnungen zu schaffen, zu stabilisieren aber eben auch zu transformieren.

Doktoratskollegs verstehen sich als wissenschaftlicher Diskursraum für hoch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs. Sie bieten eine forschungsorientierte, curricular verankerte und koordinierte Betreuung der Dissertation, interdisziplinären Austausch sowie Zugang zu internationalen Netzwerken.

Ein Kooperationsvertrag mit InterGender – Consortium and Research School in Interdisciplinary Gender Studies http://www.intergender.net/ (koordiniert von der Universität Linköping) ist in Vorbereitung, um den internationalen Austausch der Phd-Studierenden und der Faculty des DK (2021-2023) zu stärken.

Als DK-Doktorierende haben Sie zudem Zugang zu Fördermitteln für Forschungsreisen, Konferenzteilnahmen und Veranstaltungen (z.B. Summer Schools, Methodenworkshops etc.), Bibliotheken und digitaler Infrastruktur. Auch können Sie sich nach der Inskription in das PhD Studium in Ihrem Dissertationsfach an der LFUI und der Vorlage eines Exposees für ein Dissertationsstipendium aus der Nachwuchsförderung der Universität Innsbruck bewerben. Erwartet werden die aktive Teilnahme an Veranstaltungen, Lehrangeboten und Gastvorträgen des DK, regelmäßige Diskussion des Arbeitsstandes mit DK-Doktorierenden und Faculty.

Das DK ist eng angebunden an die Forschungsplattform Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) 

Bewerbungen mit einem Motivationsschreiben (max. 2 Seiten), einer Skizze des geplanten Dissertationsprojektes (max. 8 Seiten), einem tabellarischen Lebenslauf, ggf. inkl. Publikationsliste, universitären Zeugnissen, der digitalen Version der Diplom- oder Masterarbeit, ggf. einem Empfehlungsschreiben oder Gutachten der Diplom-oder Masterarbeit sind ausschließlich digital zu richten an dk-gender@uibk.ac.at Bewerbungsfrist ist der 30. Juli 2020. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Univ.-Prof. Dr. Maria A. Wolf .

Die Universität Innsbruck  fördert zwei Dissertationsprojekte des Doktoratskollegs Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation mit einem einjährigen Stipendium. Die monatliche Beihilfe beträgt 910,- Euro. Das Stipendium wird für 12 Monate bewilligt, wobei eine Zwischenbegutachtung nach 6 Monaten vorgesehen ist. Es gelten die Vergabebedingungen für Doktoratsstipendien der Universität Innsbruck. Nächste Ausschreibung erfolgt im Sommer 2020. Vergabebedingungen und Bewerbungsunterlagen unter https://www.uibk.ac.at/ffq/forschungsfoerderung/ Dann bitte Bewerbungsunterlagen entsprechend der Vergabebedingungen erstellen und die „Bewerbung für Aufnahme in das DK & Dissertationsstipendium“ ebenfalls digital übermitteln bis 30. Juli 2020 an dk-gender@uibk.ac.at. Sie können sich aber auch zu einem späteren Zeitpunkt bewerben.

Darüber hinaus können Sie sich auch um ein Exzellenzstipendium für Doktoratskollegs der Universität Innsbruck bewerben. Dauer dieses Stipendiums bis zu 24 Monaten. Anträge werden laufend bearbeitet. Sie können sich also auch zu einem späteren Zeitpunkt bewerben. Vergabebedingungen und Bewerbungsunterlagen finden Sie hier.


 

Am Programm beteiligt sind folgende Disziplinen: Anglistik, Architekturtheorie, Betriebswirtschaft, Bildungswissenschaften, Germanistik, Geschichtswissenschaften, Romanistik, Soziologie, Volkswirtschaft

Aus Perspektive der Anglistik werden Dissertationsprojekte bevorzugt gefördert, die kultur­spezi­fische Raum- und Mobilitätskonzepte vor dem Hintergrund kolonialer, postkolonialer und neokolonialer Expansionsprozesse untersuchen und weiterentwickeln. Dabei sollen Geschlechterdifferenzen vor allem in Verbindung mit sozioökonomischen und politischen Ungleichheiten reflektiert werden. Sowohl literarische als auch künstlerischer Projektionen von „emplacement“ und „displacement“ sollen dabei den primären Untersuchungsgegenstand bilden. (Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Helga Ramsey-Kurz, MA, Institut für Anglistik)

Aus Perspektive der Architekturtheorie werden Dissertationsprojekte favorisiert, die sich damit auseinandersetzen, wie der Körper in der zeitgenössischen Architektur thematisiert wird. Der Körper ist spätestens seit Vitruv eine wichtige Referenz in der Architektur. Der idealisierte Vitruvianische Mann, eingeschrieben in einem Quadrat und einen Kreis, wurde zum Symbol des Humanismus. Als solches inspirierte er unterschiedliche Darstellungsmethoden und Proportions­lehren. Genau deswegen wurde diese Referenz in den letzten Jahrzehnten von vielen Seiten kritisiert. Forschende aus der Philosophie, dem Feminismus, der Soziologie, der Ökologie und nicht zuletzt Kunst-, Medien- und Architekturtheorie haben als Resultat einer veränderten Auffassung von Technologie, dem menschlichen Körper, Natur und Sexualität schon längst den PostHumanismus ausgerufen. Frage ist ob und wie dieser PostHumanismus in der Architektur reflektiert und thematisiert wird. (Univ-Prof. Bart Lootsma, IR, Institut für Architekturtheorie und Baugeschichte)

Aus Perspektive der Betriebswirtschaft werden Dissertationsprojekte favorisiert, die sich kritisch mit den Auswirkungen organisationaler Praktiken und Prozesse, vor allem im Bereich Personalmanagement (z.B. Talentmanagement), auf die Gleichstellung der Geschlechter beschäftigen. Darüber hinaus wird die Bearbeitung von Forschungsfragen im Kontext betrieblicher Gleichstellungsstrategien und -maßnahmen als besonders relevant betrachtet. Ao.Univ.-Prof. Dr. Manfred Auer, Institut für Organisation und Lernen)

Aus Perspektive der Bildungswissenschaften sind Dissertationsprojekte von Interesse, welche sich im Kontext einer kritisch reflexiven Erziehungswissenschaft aus relationaler und/oder intersektionaler Perspektive mit Bildungs- und Erziehungsverhältnissen sowie Bildungs- und Erziehungsinstitutionen, -prozessen und -wissen beschäftigen. In empirischen oder theoretischen Projekten sollen soziale Geschlechterkonstruktionen und gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse vor allem in Verbindung mit sozioökonomischen und politischen Ungleichheiten reflektiert werden. (Univ.-Prof. Maria A. Wolf, Institut für Erziehungswissenschaft; Univ.-Prof. Dr. Michaela Ralser, Institut für Erziehungswissenschaft; Univ.-Prof. Mag. Dr. Dora Lisa Pfahl, Institut für Erziehungswissenschaft; Univ.-Prof. Dr. Irene Berkel, Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung; )

Aus Perspektive der Germanistik werden Dissertationsprojekte favorisiert, die die Kategorie Geschlecht als Analysekategorie in der Untersuchung von Entwicklungen und Prozessen im literarischen und kulturellen Feld ins Zentrums rücken und hierarchisierende Geschlechterdifferenzen vor dem Hintergrund des soziokulturellen Kontextes in den Fokus der Untersuchung stellen. Von besonderem Interesse sind Projekte (auch intersektionale), die literarisch-künstlerische Repräsentationen von Bewegung und damit verbundene Raum- und Identitätskonstruktionen, aber auch Erinnerung, Raum und Identität, weiters Konzeptionen von Transnationalität und Transkulturalität in Zusammenhang mit der Kategorie Geschlecht oder aber auch Körperräume sowie Transferprozesse und damit verbundene Praktiken der Inklusion und Exklusion im literarische und kulturellen Feld nicht zuletzt auch in theoretischer und methodischer Hinsicht reflektieren und analysieren. (Ao.Univ.-Prof. Dr. Sieglinde Klettenhammer, Institut für Germanistik)

Aus Perspektive der Geschichtswissenschaften werden Dissertationsprojekte aus den Fächern Alte Geschichte, Geschichte des Mittelalters, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie der Zeitgeschichte favorisiert, die sich mit Blick auf Fragen von Geschlecht als analytischer Kategorie und der Transformation von Geschlechterverhältnissen folgenden Themengebieten zuwenden: Geschlechtervorstellungen und -konzepte, Körpergeschichte, historische Frauen- und Geschlechterforschung, Raum, Raumkonzepte, materielle Kultur. (Ao.Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Dietrich-Daum (Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie; Assoz. Univ.-Prof. Dr. Kordula Schnegg, Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik)

Aus Perspektive der Romanistik werden Dissertationsprojekte bevorzugt, die sich mit der literarischen und filmischen Inszenierung von Geschlecht seit der Moderne befassen. Der Fokus liegt dabei sowohl auf den jeweils medialen Strategien zwischen Normierung und Subversion von Geschlecht und Begehren als auch auf den Kanonisierungsprozessen in den Literatur- und Kulturwissenschaften. (Univ.-Prof. Dr. Sabine Schrader, Institut für Romanistik)

Aus Perspektive der Soziologie  werden Dissertationsprojekte bevorzugt, die Geschlechterverhältnisse im Kontext sozialer und kultureller Ordnungen und Praktiken analysieren. Spezifische Fokusgebiete können dabei Arbeitsfelder wie Konsum und Kultur, Altern und Sorgebeziehungen, sowie Sozialpolitik und sozialer Wandel darstellen. Empirische Untersuchungen sollten sich auf methodenkritische Herangehensweisen stützen. Intersektionelle Fragestellungen bzw. Perspektiven werden begrüßt.  (Priv.-Doz. Mag. Dr. Bernhard Weicht, Institut für Soziologie; Univ.-Prof. i. R., Dr. Max Preglau, Institut für Soziologie; Assoz. Univ.-Prof. Mag. Dr. Silvia Rief; Institut für Soziologie)

Aus der Perspektive der Volkswirtschaft werden Dissertationsprojekte bevorzugt, die genderspezifische Beziehungen, Entscheidungsprozesse und Ergebnisse im generationalen und intergenerationalen Kontext beobachten und empirisch analysieren. Die Implementierung interdisziplinärer Ansätze und die Berücksichtigung der Relevanz von Gender als soziale Kategorie sowie des Konzepts der sozialen Identität im Sinne einer Erweiterung des ökonomischen Analyserahmens werden begrüßt. (Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Veronika Eberharter, Institut für Wirtschaftstheorie, -poli­tik und -geschichte)

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